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Statistische Daten und Aktivitäten des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. 2007 PDF Drucken E-Mail
 
Insgesamt wurden im Jahr 2007 1.406 Anfragen beim Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. registriert. Zusätzlich zu diesen Anfragen nutzten viele Bürger die Website des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. als Informationsquelle. Im Jahr 2007 konnten 150.818 Besucher gezählt werden. Im Vergleich zu den fünf Vorjahren ist dies ein weiterer Anstieg und zeigt, dass das Informationsbedürfnis zu neuen religiösen Bewegungen nach wie vor sehr hoch ist und viele Bürger es schätzen, sich selbständig und anonym mit Hilfe des Internets zu informieren (vgl. Diagramm 1). Aus diesem Grund bieten die MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. seit 2006 zusätz­lich zur bisherigen persönlichen Beratung die Möglichkeit der Online-Beratung an. Diese Möglichkeit wurde im letzten Jahr nur 25 mal genutzt, bei weiteren 106 Fällen begann die Beratung mit einer E-Mail, wurde dann aber in einer persönlichen Beratung fortgesetzt. Auch die Änderung unseres Namens von Sekten -Info Essen in Sekten-Info Nordrhein-Westfalen wurde gut angenommen. Betroffene, die uns mit Hilfe der alten E-Mail-Adresse erreichen wollten, wurden automatisch weitergeleitet.

Besucher Webseite
Diagramm 1: Besucher unserer Website

Neben allgemeinen Informationen zur Arbeitsweise der Beratungsstelle und zu neuen Aktivitäten war im letzten Jahr besonders der Bericht über das Nachhilfeangebot der Scientologen gefragt. Darüber hinaus hatte der Beitrag über Exorzismus mit Abstand die meisten Zugriffe zu verzeichnen.

Von den insgesamt 1.406 Anfragen erhielten 924 Personen durch ausführliches Informationsmaterial und ein bis zwei klärende Gespräche Hilfestellung von den MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V.. In 482 Fällen war ein intensiverer und längerer Beratungsverlauf mit bis zu 30 Fachkontakten notwendig.
 
Um einen besseren Vergleich mit den Vorjahren zu ermöglichen, sind wie jedes Jahr die 924 Informationsanfragen und die 482 Beratungsfälle in zehn Kategorien zusammengefasst wor­den. Insgesamt sind in den zehn Kategorien Anfragen mit der Bitte um Information und Beratung zu 300 verschiedenen Gruppen, Bewegungen und Aktivitäten enthalten (vgl. Diagramm 2).

Information und Beratung nach Gruppen
Diagramm 2: Summe Beratungsfälle und Informationsanfragen


Informationsanfragen 2007


Bei einem Vergleich der einzelnen Kategorien fällt auf, dass im Jahr 2007, genau wie im Jahr zuvor, die Informationsanfragen zur Scientology-Organisation besonders herausragen. Insbesondere der Schauspieler Tom Cruise hat im Jahr 2007 dafür gesorgt, dass die Scientology-Organisation wieder mehr in die öffentliche Diskussion gerückt ist. Tom Cruise versucht als momentan wichtigster Werbeträger der Organisation, viele Menschen in Deutschland für Scientology zu interessieren. Bisher konnte die Scientology-Organisation in Deutschland nur schwer Fuß fassen. Der größte Teil der Menschen, die bei Scientology einen Kurs belegen, verlassen die Organisation nach kurzer Zeit wieder. Mit Hilfe des Holly­woodstars wollte der heutige Leiter der Scientology-Organisation David Miscavige das ändern. Mit der Rolle des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg sollte Tom Cruise die Sympathiewerte für Scientology steigern und vor allen Dingen die Harmlosigkeit der Sekte unterstreichen. Dass Tom Cruise bei der Auswahl der Filmrolle keine Hinterge­danken hatte, darf bezweifelt werden. Allerdings löste die Besetzung der Rolle durch Tom Cruise auch eine Menge Proteste aus, zumal er aus seiner Begeisterung für die totalitäre Organisation nie einen Hehl gemacht hat. Wie kaum ein anderer hat er seine Schauspieler­existenz und sein privates religiöses Bekenntnis nie getrennt. Es war Tom Cruise, der 2004 die neue Spanien-Zentrale von Scientology in Madrid gemeinsam mit Miscavige feierlich einweihte. Er drängte seine Ehefrauen Nicole Kidman und Katie Holmes zum Eintritt in die Organisation. Er verlangte von seiner zweiten Ehefrau die stille Geburt, machte aus seiner Hochzeit eine Werbeveranstaltung für Scientology und nahm den Sekten-Chef sogar mit in die Flitterwochen. Am Set seines Filmes „Krieg der Welten“ ließ er ein Scientology-Zelt aufstellen und gab vielen Journalisten erst dann ein Interview, wenn sie zuvor bereit waren, sich über Scientology informieren zu lassen. Zu seinem Bedauern war auf dem Studio­gelände in Berlin kein Platz für ein Scientology-Zelt. Alle drei Kinder werden im Sinne der Ideologie der Scientologen erzogen. 2005 wirft er der Schauspielerin Brooke Shields in einer TV-Show vor, sie hätte keine Medikamente gegen ihre Wochenbettdepressionen nehmen sollen, sondern besser Vitamine geschluckt. Auch hier war der Einfluss von Scientology leicht zu erkennen, denn der Psychokult verteufelt Psychopharmaka und stellt Psychiater auf eine Stufe mit Hitler und Stalin. In Interviews bezeichnet er Scientology als die einzige Philosophie, die die Erde in Ordnung bringen kann. Er bezeichnet den Chef der Scientologen als „Führer der Führer“, grüßt militärisch das Bild des Sekten-Gründers L. Ron Hubbard und dankt, dass er der Organisation dienen darf. Der peinlichtste Höhepunkt des Jahres 2007 war die Bambi-Verleihung für Mut an Tom Cruise. Hier bekommt man den Eindruck, dass der Film-Held Stauffenberg mit dem Schauspieler Tom Cruise verwechselt wurde, und das ist genau die Werbung, auf die der heutige Leiter der Scientology-Organisation David Miscavige angewiesen ist, um das Image seiner Orga­nisation zu verbessern.

Eine Woche nach der Bambi-Verleihung beschlossen die Innenminister der Länder eine Ver­botsprüfung der Scientology-Organisation. Innensenator Udo Nagel: “Die Innenminister aller Bundesländer sind sich einig, dass es sich bei der Scientology-Organisation um eine verfas­sungsfeindliche und kriminelle Organisation handelt. Gemeinsam werden wir daran arbeiten, die Voraussetzungen für ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren durch den Bundes­innenminister zu schaffen.“ (Pressestelle des Senats in Hamburg, 07.12.2007). Er führt in der Presseerklärung weiter aus, dass ein Verbot auf der Basis des Vereinsgesetzes möglich sei, wenn der Zweck des Vereines ist, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen. Damit entsprechen die Minister dem Wunsch der meisten Deutschen. Laut einer forsa-Umfrage für n-tv sind 74% der Deutschen der Meinung, dass man Scientology verbieten sollte. Auch die belgische Justiz gab im Herbst bekannt, dass sie Anklage gegen Scientology erheben wird. Nach Auffassung der belgischen Generalstaatsanwaltschaft ist Scientology als kriminelle Organisation zu betrachten. Scientology bediene sich krimineller Methoden wie Erpressung und unlauterer Geschäftsverträge.

Die bereits im letzten Jahresbericht erwähnten Versuche der Scientology-Organisation, mit Hilfe ihres Nachhilfeangebotes und ihrer Tarnorganisationen „Jugend für Menschenrechte“ und „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ Erwachsene und Jugendliche zu missionieren, wurde 2007 fortgesetzt. Diese vorgeschobenen Kampagnen für Bildung oder Menschenrechte sollen die Öffentlichkeit über die wirklichen Ziele hinweg täuschen. Auch der Vertrieb des Heftes „Der Weg zum Glücklichsein“ durch die Tarnorgani­sation „The way to Happiness“ gehört dazu. In 2007 wurde diese Kampagne noch verschärft. Das Heft wurde unaufgefordert bereits mit dem Foto und der Anschrift eines Politikers oder eines Unternehmers oder dem Logo einer staatlichen Einrichtung gedruckt und den jewei­ligen Personen zugesandt. Betroffene, die bislang nichts mit Scientology zu tun hatten, finden nun sich, ihre Firma oder Institution unversehens auf einem Heft dieser verfassungs­feindlichen Organisation wieder. Wird die Broschüre nicht als Scientology-Broschüre erkannt, besteht die Gefahr, dass sie weiterverteilt wird und derjenige ungefragt mit Scientology in Verbindung gebracht wird. Ein Opfer dieser Aktion war der Essener Oberbürgermeister
Dr. Reiniger, der die Sache allerdings sofort durchschaute und sich ausdrücklich distanzierte. Diese Aktion stellt erneut unter Beweis, dass die Scientology-Organisation bei ihrem Streben nach mehr Ein­fluss und Mitgliederzuwachs vor keinem Mittel zurückschreckt. Der beste Schutz ist, bei allen Broschüren auf den Herausgeber L. Ron Hubbard zu achten.

Im Gegensatz zur Berichterstattung über Scientology haben Entwicklungen in anderen Gruppierungen kaum Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden. Sri Chinmoy ist am 11.10.2007 in seinem Haus in New York gestorben. Der 76-jährige hat einen Herzinfarkt erlitten. Der stets in weiß gekleidete Sri Chinmoy leitete seine Bewegung von New York aus. Sein „World Harmony Concerts“ und sein World Harmony-Läufe” sah er als Anregung für eine bessere Welt und ein besseres Zusammenleben an. Allerdings gab es immer wieder Vorwürfe von sexuellem Missbrauch, Suizidfällen und Abhängigkeit im Zusammenhang mit seiner Organisation. Ein Nachfolger ist nicht bekannt.

Anders sieht es beim Bruno Gröning Freundeskreis aus. Nachdem die frühere Leiterin Grete Häusler am 06.09.2007 im Alter von 85 Jahren verstorben ist, hat ihr Sohn Dieter Häusler alle Fäden in der Hand.

Michael D. Eschner, der Gründer der Thelema-Society und der angeblich wiedergeborene Aleister Crowley (Begründer des Neo-Satanismus) ist am 13.11.2007 an einem Herzinfarkt verstorben, auch hier gibt es noch keinen Nachfolger.

Die Gründerin des Ordens Fiat Lux Uriella kündigte im Jahr 2007 erneut den bevor­stehen­den Weltuntergang (Reinigung der Erde) an. Diesen hatte sie schon einmal prognos­tiziert, ohne dass etwas passiert ist. Damals stand gerade ihr Prozess bevor. Angesichts des eigenen Todes oder bevorstehender Prozesse oder Haftstrafen haben schon etliche Sektenführer den Weltuntergang prognostiziert.


Beratungsfälle 2007


Eine derart hohe Zahl an Beratungsfällen wie in diesem Jahr hat es seit der Gründung der Beratungsstelle noch nicht gegeben.
Der Trend zur neuen Religiösität boomt ganz besonders im Bereich der Esoterik. Das bestätigt auch eine jüngst abgeschlossene Studie im Auftrag des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums, die die Vielfalt der Religionen in NRW erfasst hat. Die Erkenntnis: Neben Christen, Moslems, Juden, Hindus und Buddhisten leben hier Tausende Anhänger und Anbieter dutzender spiritueller Gruppierungen und esoterischer Techniken. Die esoterischen Angebote haben die subkulturelle Nische verlassen und stoßen in der Bevölkerung häufig auf eine breite Akzeptanz. (vgl. den Artikel "Christlicher Fundamentalismus, Esoterik: Aufklärung passé?") Viele der Angebote können das Leben bereichern, doch kann es aufgrund der eigenen psychosozialen Befindlichkeit, sowie aufgrund mangelnder Kompetenz von Anbietern auch zur psychischen Destabilisierung, zu Realitätsverlust, zu finanziellen Problemen und zu einer Verschlim­merung einer Krankheit bis zum Tod kommen. Die Beratungsfälle im Bereich der Esoterik haben sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Die größte Sorge haben uns im Jahr 2007 die Angebote von Wunderheilern und Naturheilern bereitet. Das Absetzen von wichtigen Medikamenten bei chronisch Kranken oder die Ablehnung wichtiger schulmedizinischer Behandlungen haben im letzten Jahr zwei Todesfälle zur Folge gehabt. An zweiter Stelle standen die Lebensberatungsangebote verbunden mit der Vorstellung durch esoterische Praktiken könne man die Welt verbessern. Hier zeigten sich häufig deutliche Realitäts­verluste bei einigen Klienten und damit verbunden schwere familiäre Konflikte, bei denen immer wieder Kinder die Leidtragenden sind. An dritter Stelle sind Menschen zu nennen, die von Angeboten der Zukunftsvorhersagen betroffen sind. Hier geht es häufig um deutliche finanzielle Verluste der Klienten, die bedingt durch ihre Abhängigkeit immer wieder ihre Zukunft erfahren wollen. In Einzelfällen kam es aber auch hier zu erschreckenden Prog­nosen, z.B. bei einer Klientin wurde durch eine Wahrsagerin Aids diagnostiziert und der Tod vorhergesagt. Durch eine anschließende Untersuchung konnte dies jedoch widerlegt werden.

Auch der Bereich der christlich-fundamentalistischen Gruppen hat gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs zu verzeichnen und steht an dritter Stelle. Auch hier gibt es einige Fälle von kleinen neugegründeten Gemeinden, die Beratungsbedarf erforderten. Ein Beratungsfall aus diesem Bereich benötigte im letzten Jahr einen besonders hohen Zeitaufwand. (Siehe "Bericht zu einem Beratungsfall im Zusammenhang mit einer christlich-fundamentalistischen Gruppierung)
 
Der Bereich Satanismus/ Okkultismus ist gegenüber den Vorjahren leicht rückläufig, nimmt aber mit 77 Fällen doch noch einen großen Raum ein. 16 Jugendliche hatten sich mit der satanistischen Ideologie beschäftigt bis hin zur aktiven Gestaltung von schwarzen Messen. Zwei Erwachsene konnten bei ihrem Ausstieg aus einer Satansloge begleitet werden. Neun weitere Beratungsfälle gehörten der Gothic-Bewegung an, einer Jugendsubkultur, die häufig mit Satanismus verwechselt wird. Sechs weitere Jugendliche hatten die spiritistische Methode des Gläserrückens ausprobiert und zwei konnten von unerklärlichen Spukerleb­nissen in ihrem Kinderzimmer berichten. Alle litten unter großen Ängsten, die mit Hilfe von wissenschaftlichen Erklärungen und einer Veränderung der Lebenssituation gelöst werden konnten. Neun niedergelassene Therapeuten brauchten unsere Einschätzungshilfe bei der Behandlung von Frauen, die berichtet haben, dass sie in der Kindheit rituell missbraucht wurden.

Bei der Betrachtung einzelner Gruppen statt übergeordneter Kategorien ist zu erkennen, dass die Scientology-Organisation mit 49 Beratungsfällen und die Zeugen Jehovas mit 27 Beratungsfällen das höchste Konfliktpotential beinhalten.

Unabhängig von der jeweiligen Gruppierung, die den Beratungsbedarf ausgelöst hat, ist es interessant zu fragen, wer die Beratungsstelle mit der Bitte um Hilfe aufgesucht hat: Menschen, die selbst betroffen sind, oder Freunde und Angehörige?

Hier variieren die Zahlen nur leicht von Jahr zu Jahr. Durchschnittlich 35% aller Betroffenen sind Menschen, die für sich selbst eine Hilfestellung erwarten. Weitere 30% verteilen sich auf nahe Angehörige oder den Partner. Noch einmal 25% bitten uns im Rahmen eines institutio­nellen Arbeitsauftrages um Hilfe (z.B. Polizei, Schule, andere Beratungsstellen, Jugendhilfe, Psychiatrien). Der Rest verteilt sich auf Presseanfragen und Anfragen von Bekannten und KollegInnen. Die konkreten Daten für das Jahr 2007 sind in der folgenden Grafik abgebildet.

nach Betroffenheit
Diagramm 3: Informationsanfragen und Beratungsfälle aufgeteilt nach persönlicher oder institutioneller Betroffenheit


Rechtsberatung 2007


Seit Januar 2004 ist der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. in der Lage, ergänzend zur psycho-sozialen Beratung, kostenlos eine fundierte Rechtsberatung anbieten zu können. Von den 482 Klienten im Jahr 2007 haben 83 diese Möglichkeit in Anspruch genommen. Die Tabelle zeigt den Bedarf an Rechtsberatung, unterteilt in die auch sonst üblichen zehn Kategorien (vgl. Diagramm 4).

Rechtsberatung
Diagramm 4: Rechtsberatung

Interessant ist der hohe Bedarf an Rechtsberatung zur Esoterik und zur Scientology Organi­sation. Bei den Beratungsfällen im Zusammenhang mit Scientology ging es überwiegend um arbeitsrechtliche Probleme. Die Inhaber verschiedener Firmen waren Scientologen und nutzten ihren Einfluss, um am Arbeitsplatz die eigenen Mitarbeiter zu missionieren. Fünf Firmen sind uns inzwischen bekannt. Außerdem ging es um mögliche Geldrückforderungen im Zusammenhang mit bereits gebuchten Kurspaketen oder Nachhilfestunden.

Innerhalb der Esoterik gab es Bedarf an juristischer Fachkenntnis und Unterstützung bei Klienten, die sich auf unseriöse Heilungsangebote eingelassen hatten. Angehörige wollten wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um sich vor „Geistheilern“ zu schützen. (vgl.  Artikel "Geistheilung" - aus rechtlicher Sicht) Hier wurde in zwei Fällen auch das Gewerbeaufsichtsamt und die Psychotherapeuten-Kammer informiert. Drei weiteren Klienten konnte geholfen werden, einen Ausweg aus ihren Verträgen bei Strukturvertrieben zu finden. Außerdem gab es Rechtsberatungen zur Sorgerechtsproblematik, die sich auf alle übrigen Kategorien verteilen.

Informationsanfragen im Vergleich der letzten 5 Jahre
Diagramm 5: Informationsanfragen im Vergleich der letzten fünf Jahre

 

Beratungsanfragen im Vergleich der letzten 5 Jahre
Diagramm 6: Beratungsfälle im Vergleich der letzten fünf Jahre

 

Projekte und Supervision

 
Im Januar 1997 wurde das wissenschaftliche Forschungsprojekt „Menschen mit außerge­wöhnlichen Erfahrungen“ des Institutes für Grenzgebiete der Psychologie und Psycho­hygiene, Freiburg i. Br., im Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. eingerichtet. Leiter des Projektes ist Herr Dr. med. Lic. phil. et theol. Ulrich Niemann. Ein wesentliches Ziel des Projektes war, ein wissenschaftlich fundiertes Beratungskonzept für Menschen mit außer­gewöhnlichen Erfahrungen zu entwickeln. Dieses wurde inzwischen erstellt und unterliegt nun der permanenten Evaluation. Um darüber hinaus ein qualifiziertes Beratungsangebot für diese Menschen gewährleisten zu können, wurde eine feste Implementierung des Forschungsprojektes angestrebt. Leider ist dies nicht gelungen. Das Projekt ist zum letzten Mal bis Ende 2008 verlängert worden und wird dann zu unserem großen Bedauern aus finanziellen Gründen beendet sein.

Seit Oktober 2003 findet einmal im Monat eine Teamsupervision durch Frau Marion Boxbücher statt. Frau Boxbücher ist Diplom-Psychologin und psychologische Psychothera­peutin mit eigener Praxis in Bochum, sowie Ausbilderin in Systemischer Therapie und Struktureller Familientherapie.


Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

 
Von Januar bis Dezember 2007 wurden insgesamt 91 Präventionsveranstaltungen und Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Insgesamt nahmen 3.141 Menschen an den Schulungen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. teil.

Der größte Teil der Veranstaltungen fand für Jugendliche statt (65). Ergänzend zu diesem Angebot erstreckte sich die Aufklärungsarbeit des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. auf weitere Vorträge in der Erwachsenenbildung (Volkshochschulen, Gemeinden, Elternkreise) (18) und auf Fachtagungen für Lehrer (6), sowie für Mitarbeiter in Einrichtungen der Jugend­hilfe (2). (vgl. den Artikel "Bildung und Schutz durch Prävention")
 
Um dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit in aktueller Weise gerecht zu werden, wurde die Zusammenarbeit mit den Medien in 46 Fällen genutzt.


Gremienarbeit

 
Der Informationsaustausch über Trends in der aktuellen Sektenszene fand wie jedes Jahr in zahlreichen Workshops mit anderen Sektenberatungsstellen, kirchlichen Sektenbeauftragten und Betroffeneninitiativen statt. Auch nehmen die Mitarbeiter des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. regelmäßig an den Fach­gesprächen im Landtag teil. Auf Essener und Bochumer Stadtebene ist der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. im „Arbeitskreis Beratungsstellen“ und im „Aktionskreis Jugendschutz“ integriert. Insgesamt fanden 29 Gremiensitzungen statt.
 
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