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Neue Publikationen zum Thema neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Heike Heinz   
Über religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen erscheinen jährlich neue Veröffentlichungen, die von Experten oder Aussteigern verfasst werden. 2008 erschien eine außergewöhnlich große Anzahl an Büchern und anderen Publikationen, die eine breite Öffentlichkeit warnen und aufklären sollen. Da nicht mit allen Veröffentlichungen dieses Ziel erreicht wurde, hier eine kleine Auswahl von Neuerscheinungen, die sich lohnen, gelesen zu werden.


Kindheit bei Scientology: Verboten

Nachdem Frau Caberta im August 2007 ihr „Schwarzbuch Scientology“ veröffentlichte, in dem sie Einblicke in die Welt der Scientology-Organisation gab, erschien im April 2008 ihr neues Werk, das man als sinnvolle Ergänzung zum ersten Band sehen kann. Frau Caberta schildert in ihrem neuen Buch erstmals sehr detailliert, wie es um Kinder in der umstrittenen Organisation bestellt ist mit dem Ziel, zu informieren und aufzuklären.

Hauptperson ist ein fiktives Kind namens Edwin. Mithilfe der Geschichte Edwins fasst die Autorin die Berichte vieler ergreifender Einzelschicksale zusammen. Durch die Schilderung jedes einzelnen Lebensabschnittes Edwins wird eine Familie konstruiert, und deren scientologisch geprägtes Leben für jeden Nichtfachmann verständlich und nachvollziehbar dargestellt. Von Anfang an wird deutlich, dass Edwins Eltern der Organisation freiwillig beitraten und das ihnen der Gehorsam gegenüber der Organisation wichtiger ist, als das Wohl des kleinen Edwins. Er wird ungefragt in eine Organisation geboren, in der man nicht zwangsläufig einen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern machen muss. Laut der Überzeugung der Scientology-Organisation handelt es sich bei Kindern ganz einfach um Erwachsene in kleinen Körpern, die keine besondere Zuwendung nötig haben. Jeden Leser, der selbst Kinder hat oder über eine pädagogische Ausbildung verfügt, wird es berühren, wenn er z.B. liest, dass Edwin bereits mit zwei Jahren von Fremden erzogen wird, dass er an seinem ersten Schultag ohne Schultüte und völlig allein zur Schule geht, dass er von seiner Mutter nach Dänemark gebracht wird, um dort eine Scientology-Schule zu besuchen und schließlich mit 12 Jahren in ein bedenkliches Projekt nach England geschickt wird.
Das Bild wäre unvollständig, hätte Frau Caberta nicht mehrere Ausstiegsmöglichkeiten sowie konkrete Hilfsangebote vorgestellt. Da sind die Großeltern Edwins, Nichtscientologen, die sich immer Sorgen um ihren Enkel gemacht haben und Edwins Vater, dem der Ausstieg aus der Organisation gelingt und der den Kampf um Edwin aufnimmt.

Ein bewegendes Buch. Leicht zu lesen und für jeden Leser verständlich.

 
Die Autorin:
 
Ursula Caberta, geb. 1950, Diplom-Volkswirtin,
Arbeitsgruppe „Scientology“ bei der Behörde für Inneres in Hamburg
Broschiert:      160 Seiten
Verlag:Gütersloher Verlagshaus; Auflage: 1 (April 2008)
ISBN:978-3-579-06981-4
Preis: 15,95 Euro




Tom Cruise. Der Star und die Scientology-Verschwörung


Andrew Morton ist auch in Deutschland kein unbekannter Autor. Nachdem er umstrittene Biographien über Lady Diana, Monika Lewinsky und Madonna veröffentlichte, legte er im Januar 2008 „Die nicht autorisierte Biographie“ von Tom Cruise vor. Augenscheinlich geht es Morton nicht nur um den Menschen Tom Cruise in all seiner Vielschichtigkeit, denn Biographien über ihn gibt es viele, sondern ganz speziell um den Werdegang des Hollywoodstars in der Scientology-Organisation. Die Leser, die biographische Informationen über den Menschen Tom Cruise erhoffen, werden nicht enttäuscht. Morten berichtet über den kleinen, zurückhaltenden Tom Cruise, der im richtigen Leben Thomas Mapother III. heißt. Gut recherchiert kommen Wegbegleiter wie Klassenkammeraden oder Lehrer zu Wort, die gern über den kleinen „Maypo“, wie er genannt wurde, erzählen. Auch seine zahlreichen Affären sowie seine Ehe mit Nicole Kidman oder Katie Holmes erhalten Beachtung.

Der fulminante Unterschied zu bereits auf dem Buchmarkt erschienenen Biographien liegt allerdings darin, dass Morten Persönlichkeitsmerkmale des Menschen Tom Cruise herausarbeitet, die die Grundlage dafür darstellten, sich einer Organisation wie der Scientology-Organisation voll und ganz zu verschreiben. Was fand der Perfektionist Tom Cruise, als er 1986 der Organisation beitrat? Morton wirft viele solcher Fragen auf, vermeidet es aber, endgültige Antworten darauf zu geben.

Viele informative Einblicke in die Scientology-Organisation und deren Umgang mit ihren Mitgliedern ermöglichen dem Leser den Unterschied festzustellen, der zwischen dem „Werbeträger“ Tom Cruise und den unzähligen „einfachen“ Mitgliedern besteht. Dies ist Morton sehr gut gelungen. Spätestens nach Erscheinen dieses Buches ist eins ganz klar: Tom Cruise hat eine zentrale Stellung innerhalb der Scientology-Organisation. Es wäre Augenwischerei, wenn man nicht erkennen würde, dass ein wichtiger Teil der Werbestrategie der Scientology-Organisation auf ihren berühmtesten Werbeträger – Tom Cruise – gerichtet ist.

Zwar keine Weltliteratur, aber ein objektives, sachliches Buch, das mühelos auch für Laien verständlich ist, ohne auf wichtige Informationen verzichten zu müssen.
  
Der Autor:

Andrew Morten, geb. 1953,
englischer Journalist und Buchautor
Gebundene Ausgabe:   
431 Seiten
Verlag:Droemer Verlag, München 2008
ISBN:
978-3-426-27462-0
Preis:
19,95 Euro




Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will


Mit den Namen der Journalisten und Autoren Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck assoziiert jeder Sektenexperte sofort das Thema „Scientology“. Nicht zuletzt daher, weil sich beide bereits seit Anfang der neunziger Jahre mit den Strukturen dieser umstrittenen Organisation beschäftigen. Nun stellt sich natürlich die Frage: Muss es schon wieder ein Buch mit 616 Seiten zum Thema Scientology sein? JA!

Was wir nun vorliegen haben, ist ein kritisches Gesamtwerk, um das niemand herum kommt, der sich sachlich mit der Scientology-Organisation auseinandersetzen will oder muss. Trotz des Umfangs des Buches ist es durch die sehr übersichtliche und durchdachte Gliederung unproblematisch, gezielte Informationen schnell zu finden. Chronologisch verdeutlichen die Autoren die Entstehungsgeschichte der Organisation mit zwar bekannten, aber trotzdem spannenden Informationen zum Gründer L. Ron Hubbard, bis hin zur Machtübernahme durch David Miscavige.
 
In den letzten drei Kapiteln konzentrieren sich die Autoren auf die globalen Ziele der Expansionspolitik der Scientology-Organisation. Hier finden wir die deutlichen Versuche der Organisation verstärkten politischen Einfluss in Deutschland zu erlangen, aber auch die Gegenwehr, mit der Scientology weltweit zu kämpfen hat.

Absolut bemerkenswert ist der von den Autoren zusammengetragene Anhang. Ein Rechtsratgeber von Prof. Ralf Bernd Abel zu den häufigsten Problemsituationen, zu denen es im Umgang mit Scientology kommen kann, bildet den Anfang. Ob es um Werbesendungen, um Partnerschaftsprobleme oder auch Missionierungsversuche am Arbeitsplatz geht, hier erhält der Leser eine konkrete Hilfestellung. Das Abkürzungsverzeichnis und die Literaturhinweise erleichtern das Lesen und das Verstehen ungemein und zeigen die unglaubliche Fülle des Inhalts.

Den Autoren gelang es, ein spannendes, sehr informatives und trotzdem leicht verständliches Buch zu schreiben. Dieses Buch ist unersetzbar für alle, die sich zum ersten Mal mit der Thematik auseinander setzen, aber auch für Fachleute, die erstaunt sein werden, wie umfassend und detailliert dieses Werk ist.
 
Die Autoren:
Frank Nordhausen, geb. 1956, freier Journalist, Autor;
Liane v. Billerbeck, geb. 1957, freie Journalistin, Autorin, Gerichtsreporterin
 
Broschiert: 
616 Seiten
Verlag:
Christoph Links Verlag, August 2008
ISBN:978-3-86153-470-9
Preis:
19,90 Euro

 

 

Die Behandlungsmethoden von Scientology bei psychischen Erkrankungen


Der Autor Björn Persigla nimmt die in den Medien präsenten Aktivitäten der Scientology-Organisation zum Anlass, sich ausgiebig mit einer Frage auseinander zu setzen, die bisher in der Literatur nur selten betrachtet wurde. Nachdem er die Organisation selbst darstellt, indem er die Lehre, die Organisationsstrukturen, die Mitgliederwerbung und den Umgang mit Kritikern und Aussteigern erläutert, richtet er sein Augenmerk auf die Diskrepanz zwischen den Behandlungsmethoden der Scientology und der anerkannten schulmedizinischen Behandlung und Pflege bei psychisch erkrankten Menschen. Um diese Widersprüchlichkeit deutlich machen zu können, stellt der Autor psychische Erkrankungen aus der Sicht der Schulmedizin dar und vergleicht sie mit den Auffassungen und Behandlungsstrategien der Scientology-Organisation. Bei dieser Gegenüberstellung wird sehr deutlich, dass bereits in der Definition des Begriffes „psychische Erkrankung“ ein eklatanter Unterschied besteht, der sich zweifelsohne in den unterschiedlichen Behandlungsmethoden widerspiegelt. Das wiederum nimmt der Autor zum Anlass, ganz konkret die scientologischen Behandlungsmethoden bei Menschen mit psychischen Erkrankungen zu erläutern und die Auswirkungen dieser Behandlungsweisen, auch mit Hilfe von Expertenmeinungen, zu bewerten.

Im Schlussteil des überschaubaren Werkes unterstreicht der Autor die gefundenen Resultate über die gefährlichen Auswirkungen von scientologischen Behandlungsmethoden mit einem Fall, der 1996 weltweit die Medienwelt beschäftigte: Der Fall Lisa Mc Pherson.

Ein sehr aufschlussreiches Fachbuch. Interessant und spannend. Fachleute werden sich von dem Preis nicht abschrecken lassen. Da der Umfang des Werkes aber eine detaillierte Darstellung von Scientology nicht zulässt, ist es für einen Nichtfachmann schwierig, das Thema in das Gesamtbild Scientology zu integrieren.

Der Autor:
Björn Persigla, geb. 1979, Dipl. Pflegewirt
Paperback:
93 Seiten
Verlag:
Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008
ISBN: 
978-3-8364-7723-9 
Preis:  
49,00 Euro





Weltuntergang bei Würzburg


Michael Hitziger lässt uns mit diesem Buch teilhaben an einer Reise in seine Vergangenheit beim Universellen Leben. Ein detaillierter Aussteigerbericht eines Mannes, der über 17 Jahre der Gruppe „Universelles Leben“ angehörte. Ein Buch, dass uns die Möglichkeit eröffnet, das innere System einer Gruppe kennen zu lernen, die seit mehr als 30 Jahren in unserem Land existiert. Gab es bisher keine Aussteiger, die sich getraut hätten, der Öffentlichkeit mitzuteilen, was hinter den Kulissen einer Gruppe mit dunklen Endzeitszenarien passiert? Oder gibt es möglicherweise gar keine Aussteiger? Der Autor beantwortet diese Fragen in eigens dafür eingerichteten Kapiteln und lässt jeden Leser staunen, mit welchen Methoden Menschen davon abgehalten werden, ihre Erfahrungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bevor der Leser allerdings Antworten auf diese Fragen erhält, bekommt er einen umfangreichen Einblick in das gesamte System des „Universellen Leben“. Angefangen bei der Gründerin Gabriele Wittek (geb. 1933), die als „Prophetin“ oder „Sprachrohr Gottes“ die Glaubensgemeinschaft leitet, über die Entwicklung und Umbenennung der Gemeinschaft 1984 vom „Heimholungswerk Jesu Christi“ in „Universelles Leben“ bis hin zu den Innenansichten der „Christusbetriebe“.

Hitziger reist in seine Vergangenheit und berichtet uns lückenlos seinen Werdegang in dieser Gemeinschaft. Wir erfahren ausführlich, wie Hitziger Mitglied dieser Glaubensgemeinschaft wurde. Er gesteht selbstkritisch ein, dass unter anderem sein Elitedenken ihn davon abhielt, die wahren Vorgänge in der Gruppe zu erkennen. Erst später wurde ihm bewusst, wie dieses System, zu dem er inzwischen gehörte, funktionierte. Der Leser erhält Einblick in ein System von Überwachung, Kontrolle, Entmündigung und völliger Vereinnahmung. Er lernt Schicksale von Menschen kennen, die für ihren Glauben bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen.

Ein gut durchstrukturiertes Aufklärungsbuch. Leicht lesbar mit unzähligen wichtigen Informationen.

Der Autor:                     
Michael Hitziger (65)
Gebundene Ausgabe:
292 Seiten
Verlag:
Schiller Verlag, November 2008
ISBN: 
978-3-89930-227-1
Preis:
24,90 Euro

      
       
  

Der gesäuberte Planet – Eine Reise ins Innere von Scientology (Film)


LehrerInnen, die im Unterricht das Thema „Scientology“ behandeln, werden bis jetzt Probleme damit gehabt haben, einen einerseits geeigneten und andererseits aktuellen Aufklärungsfilm zu finden. Nun hat die evangelische Filmproduktion Matthias Film Abhilfe geschaffen. Seit September 2008 ist eine DVD-educativ mit aktuellen Informationen, methodischen Anstößen und Unterrichtsmaterialien einsetzbar. Ganz gleich ob der Pädagoge zwei oder mehrere Unterrichtsstunden vorbereitet, entsprechende Vorschläge für die Unterrichtsplanung liegen vor.

Filmautor Dr. Rainer Fromm, seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftigt, hat es geschafft, eine kritische, aber auch faire Auseinandersetzung mit dieser Organisation zu veranlassen. Er lässt nicht nur staatliche Behörden oder Aussteiger zu Wort kommen, sondern gibt auch Vertretern der Scientology-Organisation die Möglichkeit, sich zu einigen Schwerpunkten zu äußern.

Über das Material:
Kapitel 1:    Was ist Scientology?
Kapitel 2:    Was will Scientology?
Kapitel 3:    Scientology in der Kritik
Kapitel 4:    Aussteigerberichte

Die Schüler erhalten unter anderem einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Scientology-Organisation, über die grundlegenden Ideen L. Ron Hubbards, sehen ein E-Meter und ein nicht so bekanntes Scientology Kreuz. Sie lernen Begriffe wie: „Operierender Thetan“ oder „Clear“ kennen. Beeindruckende Aussteigerberichte, wie der von Wilfried Handl, ehemaliger Direktor von Scientology Österreich, geben genug Gelegenheiten zur anschließenden Diskussion.

Ein sehr zu empfehlender Film, der junge Menschen anspricht.
Hervorragende Hilfe zur Unterrichtsplanung.


Buch und Regie der Reportage:
Dr. Rainer Fromm
Autor der DVD- educativ Konzeption:
Kurt- Helmuth Eimuth
 Matthias- Film GmbH, Deutschland 2008
Dauer:  
25 Minuten
Altersempfehlung:ab 15 Jahren
Preis für Medienzentren: 
240 Euro
Preis für Lehrer und Schulen:39 Euro

                          
 
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