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Bericht über die Arbeit des Sekten-Info NRW und die Aktivitäten neuer religiöser Gemeinschaften 2012 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sabine Riede   
 
Insgesamt wurden im Jahr 2012 1.170 Anfragen beim Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. registriert. Von den 1.170 Anfragen erhielten 748 Personen durch ausführliches Informationsmaterial und ein bis zwei klärende Gespräche Hilfestellung von den MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V.. In 422 Fällen war ein intensiverer und längerer Beratungsverlauf mit bis zu 40 Fachkontakten notwendig. Um einen besseren Vergleich mit den Vorjahren zu ermöglichen, sind wie jedes Jahr die 748 Informationsanfragen und die 422 Beratungsfälle in zehn Kategorien zusammengefasst worden. Insgesamt sind in den zehn Kategorien Anfragen mit der Bitte um Information und Beratung zu 400 verschiedenen Gruppierungen und Anbietern enthalten (vgl. Diagramm 1).   

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Diagramm 1: Summe Beratungsfälle und Informationsanfragen

Zusätzlich zu diesen Anfragen nutzten viele Bürger die Webseite des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. als Informationsquelle. Dies zeigt, dass das Informationsbedürfnis zu neuen religiösen Bewegungen nach wie vor sehr hoch ist und viele Bürger es schätzen, sich selbständig und anonym mit Hilfe des Internets zu informieren. Aus diesem Grund bieten die MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. seit 2006 zusätzlich zur bisherigen persönlichen Beratung die Möglichkeit der Online-Beratung an. Diese Möglichkeit wurde im letzten Jahr immerhin 13 Mal genutzt, bei weiteren 86 Fällen begann die Beratung mit einer E-Mail, wurde dann aber in einer persönlichen Beratung fortgesetzt. Neben allgemeinen Informationen zur Arbeitsweise der Beratungsstelle und zu neuen Aktivitäten war im letzten Jahr hauptsächlich der Bericht über Entstehung und Merkmale der Salafisten gefragt. Im Anschluss daran hatte der Beitrag über die Vipassana Meditation mit Abstand die meisten Zugriffe zu verzeichnen. Erst danach wurden die Infotexte über rituellen Missbrauch im Satanismus und Transzendentale Meditation aufgerufen.

Informationsanfragen 2012

Bei einem Vergleich der einzelnen Kategorien fällt auf, dass im Jahr 2012 die Informationsanfragen zu den fundamentalistischen Gruppen besonders herausragen. Diese Kategorie bekam 2011 durch die Salafisten eine neue Gruppierung hinzu. Die Salafisten sind dem islamistischen Fundamentalismus zuzurechnen und ihre Zahl hat sich laut Verfassungsschutzbericht im Vergleich zum Vorjahr in NRW von 500 auf 1000 verdoppelt. Verantwortlich dafür seien unter anderem die immer besser werdenden Propagandafilme der Salafisten im Internet. Zusätzlich hat der Verfassungsschutz des Bundes die bisher umfassendste Analyse über Konvertiten im islamischen Umfeld erstellt. 140 Biographien sind ausgewertet worden. Ein Ergebnis war, dass ähnlich wie beim Rechtsextremismus sich vor allem labile junge Männer aus schwierigen familiären Verhältnissen von den einfachen Botschaften und der angeblichen Brüderlichkeit angezogen fühlen. Neben den reinen Informationsanfragen zum Salafismus meldeten sich bei uns überwiegend Mütter, die eine Veränderung ihres Sohnes beobachten. Neben dem einfachen Weltbild und den klaren Richtlinien, wer Freund und wer Feind ist, scheint der Salafismus für deutsche Jugendliche auch als schockierendes Provokationsmittel anziehend zu sein, ähnlich wie vor einigen Jahren der Jugendsatanismus diese Rolle erfüllt hat. Junge Salafisten wollen auffallen, um ihr mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren und ihnen fehlt häufig ein positives männliches Vorbild. Ein wichtiger Schritt für die Zukunft ist sicher auch der neue muslimische Religionsunterricht. Er bietet die Möglichkeit zu fragen, was gehört zur Vielfalt meiner Religion und Tradition.

Darüber hinaus bezieht sich der größte Teil der Anfragen auf den christlichen Fundamentalismus. Die Anfragen verteilen sich auf 25 verschiedene Gemeinden. Häufig sind es Angehörige, die sich melden, weil der Partner/die Partnerin oder das inzwischen erwachsene Kind sich nach dem Kontakt zur neuen Gemeinde verändert hat. Sie wollen eine Einschätzung, ob und inwiefern die jeweilige Gemeinde gefährlich ist. Viele charismatische Gemeinden faszinieren besonders junge Erwachsene, weil ihre Gottesdienste erlebnisorientierter ablaufen als die Gottesdienste in den beiden großen Kirchen. Charismatiker heben die Bedeutung des Heiligen Geistes für das christliche Glaubensleben hervor und legen viel Wert auf Rituale wie das Zungenreden, die Krankenheilung und die Weissagung. Musik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, durch Lobpreisgesänge bringen sich die Teilnehmer in ekstatische Zustände. Die klaren Lebensregeln, kein Sex vor der Ehe, keine Homosexualität, Frauen sind den Männern untergeordnet, scheinen Jugendlichen eher Halt zu geben, als sie abzuschrecken. Kritischer wird es, wenn einige dieser Gemeinden in den Sommerferien preisgünstige Aufenthalte in einem Ferienlager anbieten und Eltern nicht ahnen, was sich hinter diesem Angebot verbirgt. Dass aufreizende Kleidung nicht erwünscht ist und den Anweisungen der Leiter Folge geleistet werden muss, ist sicher nicht auffällig, aber der Hinweis, dass im Ferienlager die Prinzipien des Reiches Gottes gelten, sollte Eltern hellhörig werden lassen. In der Praxis kann das bedeuten, dass die Teilnahme an den täglichen, mehrstündigen religiösen Unterweisungen Pflicht ist, und so die Jugendlichen einer starken religiösen Beeinflussung ausgesetzt sind. Außerdem haben die Betreuer häufig keine pädagogische Ausbildung.

An zweiter Stelle stehen die Anfragen aus dem Bereich der Esoterik. Hier fällt auf, dass die Beratungsfälle die Anfragen übertreffen. Die Fülle der Anfragen und Beratungsfälle zeigt, dass dieser Bereich momentan in unserer Gesellschaft am meisten wächst und häufig nicht rechtzeitig als gefährlich angesehen wird. Der für Dezember 2012 angekündigte Weltuntergang ist vorbei, ohne dass etwas passiert wäre. In unserer Beratungsstelle hielten sich die Anfragen im Vergleich zur Jahrtausendwende in Grenzen. Vermutlich hat der humorvolle und aufklärende Umgang mit dem Thema in den Medien dazu beigetragen, dass die meisten Menschen das Thema nicht so richtig ernst genommen haben. Aber immerhin mussten die französischen Behörden aus Furcht vor einem Ansturm von Esoterikern, Endzeittouristen und Journalisten den Zugang zu dem 1231 Meter hohen Pic de Bugarach sperren. Der Berg wurde auf einschlägigen Webseiten als Zufluchtort empfohlen, da hier angeblich einige Auserwählte von Außerirdischen mit einem Ufo abgeholt würden. Weltuntergangsprophezeiungen wird es immer wieder geben, vermutlich, weil eine globale Endzeit sogar etwas Tröstliches hat, alle erleiden das gleiche Schicksal oder es trifft nur die „Bösen“ und danach wird alles besser. Bisher haben alle Vorhersagen versagt, wer sich mit dem Thema intensiver auseinandersetzen möchte, dem sei das neue Buch von Bernd Harder empfohlen ("2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben Leitfaden für Endzeit-Liebhaber").

Viele esoterische Lebenshilfe-Anbieter setzen auf die Wirkung des positiven Denkens. Ihre Grundaussage ist, wer positiv denkt, bei dem wird alles gut. Man muss nur intensiv daran denken, wie es wäre Millionär zu sein und schon ist das Geld da. Oder man denkt an seinen Traumberuf und schon erhält man ein Jobangebot. Viele esoterische Gurus haben mit dieser These in Selbsthilfebüchern und Seminaren ein Vermögen verdient. Der britische Professor für Public Understanding of Psychology Richard Wiseman hat im „Guardian“ mehrere Studien veröffentlicht, die zeigen, dass positives Denken nicht nur nichts nützt, sondern sogar schaden kann. Beispielsweise mussten sich Studenten bei einer Studie täglich ein paar Mal vorstellen, dass sie bei der nächsten Prüfung eine bessere Note bekommen. Obwohl die Übung nur wenige Minuten in Anspruch nahm, lernten die Studenten weniger und bekamen eine schlechtere Note als diejenigen, die sich nicht auf die gute Note konzentriert hatten. Richard Wiseman geht davon aus, dass Menschen, die regelmäßig über ein wunderbares Leben phantasieren, schlechter auf Rückschläge vorbereitet sind, oder sich nicht intensiv genug um hoch gesteckte Ziele bemühen. Bei ernsten Erkrankungen nur positiv denken zu dürfen, kann Menschen so unter Druck setzen, dass sie zusätzlich an einer Depression erkranken.

In Deutschland erfreut sich auch die traditionelle chinesische Medizin einer gewissen Beliebtheit. Eine neue Studie bestätigt allerdings, dass Pflanzenstoffe aus der traditionellen chinesischen Medizin bei Patienten in Taiwan und Belgien Krebs in Form von Tumoren in den oberen Harnwegen verursacht haben. In Deutschland sind die auslösenden Aristolochia-Produkte inzwischen verboten. Unter diesem Aspekt sollte vielleicht auch die Homöopathie noch einmal genauer betrachtet werden. Ein gefährliches Gift, wie z.B. Quecksilber, wird von Homöopathen sehr häufig eingesetzt, wenn auch nur in starken Verdünnungen. Hinzu kommt, dass viele Bürger nicht wissen, was Homöopathie ist. „Etwas Pflanzliches“ ist eine häufige, aber falsche Vermutung. Wer sich genauer informieren möchte, kann das mit Hilfe des Buches "Die Homöopathielüge" tun. Der Autor Christian Weymayer ist Biologe und Wissenschaftsautor. In den Niederlanden sind Homöopathika seit Juni 2012 bis zum Nachweis ihrer Wirksamkeit nicht mehr von der Mehrwertsteuer befreit.      
 
Die Anfragen zur Scientology-Organisation sind nicht mehr so hoch wie in früheren Jahren und nehmen in unserer Statistik momentan nur noch Platz Drei ein. Allerdings darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich die 117 Anfragen aus der Bevölkerung auf nur eine Gruppierung beziehen, während die beiden anderen Kategorien mehrere Gruppen umfassen.

Seit Sommer 2012 hat die Scientology-Organisation eine weitere prominente Aussteigerin. Ende Juni hatte Katie Holmes nach fünf Ehejahren mit Tom Cruise die Scheidung eingereicht und innerhalb kurzer Zeit die Sorgerechtsfrage um die gemeinsame Tochter Suri (6) für sich entschieden. Der erwartete Rosenkrieg blieb aus und alle Medienberichte waren sich einig, dass der Anlass der Trennung die Sorge von Katie Holmes war, ihre Tochter könne intensiver mit den Erziehungspraktiken der Scientology-Organisation in Berührung kommen. Nach der Lehre der Scientology-Organisation sollen Kinder bereits ab acht Jahren Kurse und Auditing-Sitzungen aus dem Programm der Kinder-Dianetik absolvieren. Bei diesen Sitzungen werden Kinder über ihr eigenes Fehlverhalten und über das ihrer Eltern ausgehorcht. Diese Methode ist aus pädagogischer Sicht nicht empfehlenswert, da sie massive Schuldgefühle und Ängste bei Kindern auslösen kann. Außerdem werden Kinder durch die Kurse verstärkt in die scientologische Sprache und Denkweise eingeführt. Auch besteht die Möglichkeit, dass Kinder von Scientology-Eltern in einem Internat der Organisation erzogen und ausgebildet werden. Diese Ausbildung entspricht nicht einer normalen Schulbildung, sondern hat überwiegend die Lehre der Scientology-Organisation zum Inhalt. Suri besucht inzwischen eine katholische Elite-Schule in Manhattan im Gegensatz zu den beiden Adoptivkindern von Tom Cruise, die in einer Scientology-Schule unterrichtet werden. Es wäre sicherlich interessant gewesen mehr Einzelheiten über Katies eigene Erfahrungen und ihre eigene Einschätzung der Scientology-Organisation zu erfahren, aber eine schnelle Einigung bei einer prominenten Scientology-Scheidung sind der übliche Weg der Organisation, um negative Schlagzeilen in der Presse zu verhindern.

Auch der Rechtsstreit zwischen der ranghohen, ehemaligen Scientology-Mitarbeiterin Debbie Cook und dem heutigen Scientology-Boss David Miscavige wurde in gegenseitigem Einvernehmen eingestellt. Debbie Cook hatte in einer Mail an Tausende von Scientologen Miscavige`s Methode, Spenden einzutreiben, kritisiert und war im Gegenzug auf Schadensersatz verklagt worden. Sie hat vor Gericht eingewilligt, keine weiteren Informationen über Scientology offen zu legen oder abfällige Bemerkungen zu äußern.
 
Zwei Filme haben mit zu den vielen Anfragen zur Scientology-Organisation beigetragen, und den Wunsch der Bürger, Scientology solle verboten werden, wieder aufleben lassen. Der eine Film war eine Dokumentation über die Methoden des Geheimdienstes der Scientology-Organisation, über das „Office of Special Affairs“. Scientology selbst bezeichnet dieses Büro als Presse- und Rechtsamt, das die Aufgabe hat, Informationen zur Verteidigung von Scientology gegen seine Kritiker einzuholen. Allerdings zeigt der Film ein anderes Bild, Aussteiger werden beschattet und schikaniert, Kritiker verleumdet und durch Gerichtsprozesse eingeschüchtert, Behörden so verunsichert, dass das Finanzministerium in den USA Scientology sogar als gemeinnützig anerkannte. Viele der Aktionen wurden durch den ehemaligen Chef des Geheimdienstes Mike Rinder bestätigt. (Arte 15.05.2012) Der zweite Film beschäftigt sich mit dem Selbstmord der Tierärztin Walburga Reichert, die Mitglied der Scientology-Organisation in Hamburg war. Vor sieben Jahren, am 05. März 2006, wurde ihre Leiche von der Polizei in einer Tiefgarage gefunden. Die Beamten finden einen Abschiedsbrief und die Gerichtsmediziner geben als Todesursache eine Mischung aus Schlaftabletten und Kohlenmonoxid an, stellen aber auch fest, dass die Kopfhaut von Frau Reichert mit 28 vorwiegend runden Verbrennungen übersät ist, die sieben bis vierzehn Tage vor ihrem Tod entstanden sein müssen. Wie diese entstanden sind, ist nach wie vor ungeklärt, fest steht jedoch, dass sie zu diesem Zeitpunkt in „Flag“, dem Schulungszentrum der Scientologen in Clearwater in Florida war. (NDR Panorama 14.08.2012) 

Ebenso mysteriös ist der Tod des Scientologen Alexander Jentzsch, auch wenn sein Tod weniger Beachtung in den Medien gefunden hat. Er stirbt im Alter von 27 Jahren am 02.Juli 2012 in seinem Bett in der Wohnung seiner Schwiegereltern in Los Angeles. Die Todesursache sei eine Überdosis Methadon, wie der zuständige gerichtsmedizinische Sprecher berichtet. Es gebe keine Anzeichen äußerlicher Gewaltanwendung, es deute aber auch nichts auf einen Selbstmord hin. Er wird 1984 als Sohn von Karen und Heber Jentsch geboren. Beide Eltern gehörten zu dem Zeitpunkt der Sea-Org, der Elite-Einheit der Scientologen, an. Mit acht Jahren wird er in ein Scientology-Internat in der Nähe von Los Angeles geschickt. Mit zwölf Jahren bekommt er den Auftrag in „Flag“ zu arbeiten. Hier hat er überwiegend als Reinigungskraft gearbeitet. Eine Schulausbildung, die ihn von der Organisation unabhängig gemacht hätte, hat er nie erhalten. Seine Mutter, die 2010 die Scientology-Organisation verlassen hat, hatte erst letztes Jahr auf der Internetseite scientology-cult.com veröffentlicht, dass ihr Sohn in dieser Zeit sexuell missbraucht worden sei. Als Erwachsener heiratet er eine Scientologin. Als diese ein Kind von ihm erwartet, müssen beide „Flag“ verlassen, da Kinder bei Mitarbeitern der Elite-Einheit nicht erwünscht sind. Er bekommt einen Job bei einem Scientology-Unternehmer, den er jedoch wieder verliert. Seine Frau erleidet eine Fehlgeburt. Sein Vater, der immer noch Scientologe ist, bietet ihm keine Hilfe an und zu seiner ausgestiegenen Mutter darf er als Scientologe keinen Kontakt aufnehmen. Am 10. Juli 2012 wird seine Urne im Meer beigesetzt, es findet keine Trauerfeier statt, und selbst seine Mutter darf als Aussteigerin an dieser Zeremonie nicht teilnehmen.

Ungeachtet dieser erschreckenden Lebensläufe investiert die Scientology-Organisation weiter viel Geld in Hochglanzbroschüren und Propaganda-Aktionen, in denen suggeriert wird, jeder Scientologe sei glücklich und erfolgreich. Laut der Süddeutschen Zeitung vom 12.07.2012 hat die Organisation im letzten Jahr für 42 Millionen US-Dollar ein Fernsehstudio in Los Angeles gekauft. Neben der Produktion von Werbe-DVDs soll hier ein eigenes Fernsehprogramm produziert werden. In Deutschland nutzen Scientologen verstärkt das Internet für ihre Werbeaktionen. Neben den vielen Aktionen der bekannten Tarnorganisationen „Jugend für Menschenrechte“, „Der Weg zum Glücklichsein“, „Sag nein zu Drogen, sag ja zum Leben“ und der „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ bieten sie jetzt sogar ganz offen unter dem Namen Scientology Online-Kurse an. Dabei werden angebliche Lösungen zu den verschiedensten Problembereichen des Lebens versprochen: Arbeit, Geld, Ehe, Stress, Kommunikation. Das Ziel ist aber, den Bürger zu motivieren, den nächsten Kurs im nächstgelegenen Scientology-Zentrum fortzusetzen. Die Kurse kosten dann viel Geld und dienen dem Zweck, Menschen für Scientology zu begeistern. Wer Sorgen oder Probleme hat, sollte sich lieber dem kostenlosen Hilfsangebot staatlich geförderter Beratungsstellen anvertrauen, zumal diese unter Schweigepflicht stehen und Mitarbeiter mit anerkannten Ausbildungen beschäftigen.

Kinder und Jugendliche sind nach wie vor eine Hauptzielgruppe der Scientology-Organisation. Während die Werbeaktion der Düsseldorfer Scientologen mit dem Buch „Der Weg zum Glücklichsein“ durch unsere Einrichtung aufgedeckt werden konnte, sind im März in Kärnten an mehreren Schulen Bücher und DVDs mit dem gleichen Titel aufgetaucht. Eine aufmerksame Schulleiterin hatte das Bezirksschulinspektorat eingeschaltet und so konnten alle Schulen in Kärnten vor dem Werbe-Päckchen gewarnt werden. Zur gleichen Zeit versuchte die Scientology-Organisation in Zürich in der Schweiz und in Aalen in Baden-Württemberg mit einer anderen DVD Kontakt zu Schulen und vor allem zu Eltern herzustellen. In dieser DVD mit dem Titel „Psychiatrie - Die Todesfalle“ wurde die Botschaft vermittelt, dass alle Kinder, denen Antidepressiva oder Ritalin verschrieben werden, einer tödlichen Gefahr ausgesetzt werden. Der Film ist eine Pseudo-Dokumentation. Er enthält keine wissenschaftlichen Erklärungen oder Untersuchungen, sondern zeigt eine amerikanische Mutter, die überzeugt ist, dass der Selbstmord ihres 18jährigen Sohnes allein durch den behandelnden Psychiater und die verordneten Medikamente verursacht worden sei. Unterschwellig wird vermittelt, jegliche medizinische Behandlung mit Psychopharmaka sei unnötig. Dies widerspricht dem Stand der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnis.

Während das Berufungsgericht in Paris das Urteil gegen zwei Einrichtungen von Scientology wegen bandenmäßigen Betrugs aus dem Jahr 2009 bestätigt hat, wurde in einem Urteil des High Court of Justice in London Scientology das Recht abgesprochen, in einer Scientology-Kapelle rechtsverbindlich zu heiraten, weil diese nicht offiziell als religiöse Einrichtung gelte.

An vierter Stelle stehen die Anfragen zu den synkretistischen Neureligionen, die gegenüber den Vorjahren rückläufig sind. Am 03. September 2012 starb der selbsternannte Messias und Gründer der Vereinigungskirche San Myung Moon im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Besonders durch seine Massenhochzeiten sorgte er für Aufsehen. Von seinen Anhängern wurde er als „wahrer Vater“ verehrt, der angeblich in Gottes Auftrag die „unerfüllte Mission“ von Jesus Christus vollenden sollte. Dank des Fleißes seiner getreuen Anhängerschaft und seines Geschäftssinns wurde er zum Milliardär. Er war ein erklärter Gegner des Kommunismus und Unterstützer der Republikaner in den USA. Er hat eine eigene Zeitung, die „Washington Times“ gegründet. In den letzten Jahren war es um seine Bewegung ruhiger geworden. Bei seinem letzten Besuch in Deutschland am 18. Mai 2011 hatte er den 13. Januar 2013 als den tatsächlichen Beginn vom „Königreich des Himmels auf Erden“ angekündigt. Sein jüngster Sohn Hyung Jin Moon ist der neue Präsident und kirchlicher Nachfolger Moons. Trotz vieler Aussteiger leben noch ca. 300 Familien in Deutschland. Missioniert und geworben wird hauptsächlich über den Verein Universal Peace Federation Deutschland.

Bei den guruistischen Gruppierungen gibt es inhaltlich nicht viel Neues, sie sind seit Jahren rückläufig. Allerdings hat sich im Oktober 2012 ein bisher eher unbekannter Guru im öffentlichen Rampenlicht präsentiert, der im Verhältnis zur Größe seiner Anhängerschaft und dem Inhalt seiner Lehre gar nicht erwähnenswert wäre, wenn nicht drei Kinder unter seinen Anweisungen zu leiden hätten. Die Autorin Beate Greindl hat, angeregt durch die besorgten Großeltern, ein Jahr lang die neue Gruppe der „Weltdiener“ beobachtet und gefilmt. (WDR 25.10.2012) Ihre Dokumentation führt Erstaunliches zu Tage. Die Kinder sind zwischen sieben und dreizehn Jahren alt und leben im fränkischen Lonnerstadt. Die Eltern haben ihre Berufe als Lehrerin und Software-Entwickler aufgegeben, ihr Haus verkauft und ihr gesamtes Vermögen dem Guru gespendet. Als Gegenleistung bekommen sie nur bestimmte Lebensmittel spärlich zugeteilt, die der Vater dankbar auf Knien in Empfang nimmt. Um nicht auf der Straße leben zu müssen, wohnen sie in einem alten baufälligen Haus ohne Dusche und Heizung. Die Familie ist nicht krankenversichert, da Arztbesuche und Medikamente als nicht notwendig angesehen werden. Jede Krankheit wird als Karma und Reinigungsprozess angesehen, und selbstloses Dienen sowie regelmäßige Meditation sind wichtige Bestandteile der Lehre. Für die Kinder bedeutet das, um 4.30 Uhr aufstehen zu müssen, um zu meditieren, danach folgt der Schulbesuch und am Nachmittag müssen sie im Haus und Garten arbeiten. Da es nur sehr wenig zu essen gibt, erleiden die Kinder häufig Hunger. Der Guru hingegen darf so viel essen, wie er möchte und ist deutlich übergewichtig. Die Kinder müssen gelbe oder cremefarbene Kleidung und Mützen tragen, die sie in der Schule zu Außenseitern werden lassen. Sie dürfen keine kindgerechte Freizeit genießen, sondern sollen durch unterwürfiges Dienen, Verzicht auf schöne Dinge und erduldetes Leid, ihre Seelen weiterentwickeln. Neben der erschreckenden Abhängigkeit und Unmündigkeit der Eltern stimmt es sehr nachdenklich, dass das zuständige Jugendamt trotz deutlicher Gefahren für das Kindeswohl bisher nicht ausreichend gehandelt hat und sich nur auf die Glaubensfreiheit der Eltern beruft. Die Glaubensfreiheit ist ein hohes Gut, rechtfertigt aber keine Kindeswohlgefährdung oder Misshandlung. In diesem Fall liegen gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vor, da die medizinische Versorgung der Kinder nicht gewährleistet ist. Eine Brille für den kurzsichtigen Jungen wird als nicht notwendig erachtet. Ebenso sind die Kinder nicht geimpft, häufig erkältet und in der Vergangenheit mit Fieber in die Schule geschickt worden. Auch erfolgt die Schulbildung nicht entsprechend der Begabung der Kinder. Die Kinder erhalten nicht genügend zu essen und schlafen nicht ausreichend. Die Eltern befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Guru, der seine Macht auf Kosten der Kinder auslebt. Hier ist der Staat gefordert, mit Hilfe des Jugendamtes, Auflagen für die Eltern zu erlassen und durch regelmäßige Hausbesuche und Gespräche mit den Kindern die Einhaltung zu gewährleisten. Vor allem spüren die Kinder durch diese Maßnahme, dass sie Unterstützung bekommen und beginnen dann, ihre Bedürfnisse deutlicher zu formulieren. Auch ist es denkbar, dass eine Beratungsstelle diese Aufgabe übernimmt. Inzwischen ermittelt zwar die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen den Guru. Die Anzeigen beziehen sich aber auf frühere Vorfälle aus den Jahren vor 2002. Auch hier soll der Guru eine Mutter, seine damalige Lebensgefährtin, so beeinflusst haben, dass sie ihren Sohn trotz schwerer chronischer Erkrankung nicht schulmedizinisch behandeln ließ. Bei dem Jungen hatte das zur Folge, dass er erhebliche Schmerzen über einen längeren Zeitraum erleiden musste und beinahe gestorben wäre. Nach der Ausstrahlung der Dokumentation haben wir viele E-Mails von empörten und besorgten Bürgern erhalten, die gefragt haben, was sie tun können, um diesen Kindern zu helfen.
 

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Diagramm 2: Informationsanfragen im Vergleich der letzten fünf Jahre

 

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Diagramm 3: Beratungsfälle im Vergleich der letzten fünf Jahre 
 
 

Beratungsfälle 2012

Der seit Jahren große Bedarf an Beratung in der Esoterik hat sich auch 2012 nicht verändert. Es konnten 148 Beratungsfälle gezählt werden, die sich auf 80 verschiedene Anbieter verteilen. Bei der Vielfältigkeit esoterischer Angebote bietet es sich an, diese in drei bzw. vier Bereiche zu unterteilen. Wir unterscheiden:

1. die Lebensberatung, sie umfasst viele Angebote vom Familienstellen über Engelseminare und Channeling bis zu Verschwörungstheorien und Schenkkreisen.

2. die Zukunftsdeutung, dazu zählen Astrologie, Wahrsagen, Hellsehen, Kartenlegen.

3. die Heilung von körperlichen Beschwerden, Geistheiler oder Schamanen bieten Hilfe zur Heilung von körperlichen Krankheiten an, Reiki oder Homöopathie sind beliebte Verfahren, denen besondere Heilkräfte nachgesagt werden.

4. sektenähnliche Gruppierungen, die ein esoterisches Gedankengut vertreten, die sich aber aufgrund ihrer Größe von den drei anderen Bereichen unterscheiden.

Zahlenmäßig sind die Bereiche eins und drei fast gleich, sie machen jeweils ein Drittel der genannten Beratungsfälle aus. Die beiden anderen Bereiche teilen sich das letzte Drittel. Berücksichtigt man jedoch, dass es eine eigene Kategorie „Heilergruppen“ mit in diesem Jahr 28 Beratungsfällen gibt, wird deutlich, dass der Markt der alternativen Heilmethoden und der Geistheiler sich einer großen Nachfrage erfreuen kann. Viele Geistheiler versprechen, auch schwerwiegende Erkrankungen wie z.B. Krebs, Asthma oder Psychosen heilen zu können und es werden äußerst fragwürdige Behandlungsmethoden angeboten. Da Geistheiler spirituell arbeiten, sind ihre Anwendungen dem Gesetz nach der religiösen Praxis und nicht der medizinischen Versorgung zuzuordnen. Allerdings müssen sie in ausreichender Weise darauf hinweisen, dass ihre Tätigkeit keine ärztliche Behandlung ersetzt, was leider nicht immer erfolgt. Die Hoffnung auf Heilung birgt die große Gefahr, dass notwendige wissenschaftlich abgesicherte medizinische Behandlungen nicht in Anspruch genommen werden, was letztlich zum Tode der betroffenen Menschen führen kann. Häufig sind es die Angehörigen, Geschwister oder Partner, die unsere Beratungsstelle verzweifelt um Hilfe bitten. Neben der Unverfrorenheit vieler Anbieter auf dem Heilermarkt mit dem Leid kranker Menschen Geld zu verdienen, stimmt es noch nachdenklicher, dass Ordnungsbehörden und Gesundheitsämter nicht häufiger einschreiten. Manche Klienten berichten, dass sie von Geistheilern geradezu gedrängt wurden, neue Patienten aus ihrem Freundeskreis mitzubringen und dass eine liebevolle Atmosphäre sie dazu verleitet hat, dem Geistheiler völlig zu vertrauen. Aus diesem Grund haben wir in diesem Heft einen weiteren Artikel zum Thema Geistheilen veröffentlicht, der wichtige Rechtsfragen beantwortet. Dies soll dem Bürger helfen, sich besser zu schützen ("Was dürfen Geistheiler? Ein Rechtsleitfaden zum Umgang mit Geistheilern").
 
Der Bereich Okkultismus ist gegenüber den Vorjahren deutlich rückläufig. Zum einen werden Betroffene von Wahrsagern inzwischen einheitlich zum Bereich der Esoterik mitgezählt. Zum anderen macht sich die intensive Präventionsarbeit an Schulen bemerkbar, so dass nur vereinzelt Beratungsgespräche nach einer spiritistischen Sitzung oder außergewöhnlichen Erfahrung notwendig sind. 

Bei den Beratungsfällen im Satanismus wird die Hilfe häufig sehr spät geholt, meistens erst, wenn es bereits zu Körperverletzungen oder traumatischen Erlebnissen gekommen ist. Zehn Jugendliche hatten sich mit der satanischen Ideologie beschäftigt und waren in der Schule auffällig geworden. In zwei weiteren Beratungsfällen ging es um zwei Männer, die sich auf eine Satansloge eingelassen haben. Zwei Therapeuten einer Beratungsstelle brauchten unsere Einschätzungshilfe bei der Behandlung von Frauen, die berichtet haben, dass sie in der Kindheit rituell missbraucht wurden. Eine weitere Frau mit der gleichen Problematik wandte sich direkt an unsere Beratungsstelle.

Als Skandal empfinden ehemalige Mitglieder der Colonia Dignidad die Hilflosigkeit der deutschen Justiz gegenüber Hartmut Hopp. Hartmut Hopp war ein enger Vertrauter von Paul Schäfer und gehörte zur Führungsspitze der Sekte. Die Siedlung in Süd-Chile war hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt. Nach dem Ende des Pinochet-Regimes konnten die Verbrechen aufgedeckt werden, über die die Menschen, denen die Flucht aus der Kolonie gelungen war, bereits in Deutschland jahrelang berichtet hatten. Schäfer wurde wegen Mordes, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und weiterer Verbrechen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Auch Hartmut Hopp wurde als Mittäter angeklagt und ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Es gelang ihm jedoch die Flucht von Chile nach Deutschland. Als deutscher Staatsbürger darf er trotz internationalem Haftbefehl nicht an ein Land außerhalb der europäischen Union ausgeliefert werden. Einzelne Betroffene, die jetzt in Deutschland leben und heute noch unter ihren schlimmen Erfahrungen leiden, sind empört, dass Hopp sich in Deutschland frei bewegen darf, allerdings prüft die Staatsanwaltschaft in Krefeld, ob Anklage gegen Hopp in Deutschland erhoben werden kann. Wer mehr über die Verbrechen in der Colonia Dignidad wissen möchte, dem sei das Buch von Ulla Fröhling empfohlen ("Unser geraubtes Leben - Die wahre Geschichte von Liebe und Hoffnung in einer grausamen Sekte").
 
Eine in Deutschland zahlenmäßig kleine Gruppierung aus Korea, die sich „Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins“ nennt und zu den synkretistischen Neureligionen zählt, hat etliche Beratungsfälle verursacht. Die Mitglieder geben sich als Studenten aus und sprechen in den Innenstädten und an den Universitäten des Ruhrgebietes junge Menschen mit der Bitte an, ihnen bei einer Aufgabe zu helfen. Im Laufe des Gesprächs versuchen sie diese dann in ihr Zentrum einzuladen und zu weiteren Treffen zu verpflichten. In einem Fall ist eine junge Frau bereit gewesen, ihre Erfahrungen anonym der Öffentlichkeit mitzuteilen, um anderen zu helfen ("Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins. Erfahrungsbericht und kurze Darstellung der Gemeinschaft")
 
In der Kategorie der Psychogruppen ist zu beobachten, dass die Zahl der Beratungsfälle höher als die der Anfragen ist, ähnlich wie beim Satanismus oder in der Esoterik. Der Beratungsbedarf bezog sich hier vor allem auf Coaching-Angebote (siehe Artikel: "Coaching für Kinder und Jugendliche - Sinn und Unsinn eines neuen Trends").

Bei der Betrachtung einzelner Gruppen statt übergeordneter Kategorien ist zu erkennen, dass die Scientology-Organisation mit 40 Beratungsfällen und die Zeugen Jehovas mit 28 Beratungsfällen - wie in den letzten Jahren auch - den größten Beratungsbedarf auslösen.

Unabhängig von der jeweiligen Gruppierung, die den Beratungsbedarf ausgelöst hat, ist es interessant zu fragen, wer die Beratungsstelle mit der Bitte um Hilfe aufgesucht hat, Menschen, die selbst betroffen sind, oder Freunde und Angehörige? Im letzten Jahr betrug der Anteil der Betroffenen, die für sich selbst eine Hilfestellung erwartet haben 29%. Weitere 31% verteilten sich auf Angehörige oder den Partner. Noch einmal 21% baten uns im Rahmen eines institutionellen Arbeitsauftrages um Hilfe (z.B. Polizei, Schule, Hochschule, andere Beratungsstellen, Jugendhilfe, Psychiatrien). Der Rest (19%) verteilt sich auf Presseanfragen und Anfragen, die sich auf Bekannte und Kollegen beziehen. (vgl. Diagramm 4)

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Diagramm 4: Informationsanfragen und Beratungsfälle aufgeteilt nach Art der Betroffenheit
 
 

Rechtsberatung 2012

Seit Januar 2004 ist der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. in der Lage, ergänzend zur psychosozialen Beratung, kostenlos eine fundierte Rechtsberatung anbieten zu können. Von den 422 Klienten im Jahr 2012 haben 76 diese Möglichkeit in Anspruch genommen. Die Tabelle zeigt den Bedarf an Rechtsberatung, unterteilt in die auch sonst üblichen zehn Kategorien (vgl. Diagramm 5).

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Diagramm 5: Rechtsberatung

Der größte Teil der Rechtsberatung hat, wie in den Jahren zuvor auch, eine sorgerechtliche und umgangsrechtliche Problematik zum Inhalt und betrifft alle Bereiche bis auf den der Strukturvertriebe. Darüber hinaus haben von der Esoterik betroffene Menschen im letzten Jahr am häufigsten eine Rechtsberatung in Anspruch genommen. Hier wurde gefragt, welche rechtlichen Möglichkeiten des Schadensersatzes oder der Strafe bestehen, wenn durch Geistheiler gesundheitliche Schäden verursacht wurden. Außerdem ging es um Rückforderungen von Honorarzahlungen bei unseriösen Esoterikanbietern. Bei Coaching-Angeboten tauchte die Frage auf, welche Möglichkeiten es gibt, von Verträgen zurück zu treten.    

 

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

Von Januar bis Dezember 2012 wurden insgesamt 50 Präventionsveranstaltungen und Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.255 Menschen an den Schulungen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e. V. teil.

Der größte Teil der Veranstaltungen fand für Jugendliche statt (30). Ergänzend zu diesem Angebot erstreckte sich die Aufklärungsarbeit des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. auf weitere Vorträge in der Erwachsenenbildung (Volkshochschulen, Gemeinden, Elternkreise) (11) und auf Fachtagungen für Lehrer (6), sowie für Mitarbeiter in Einrichtungen der Jugendhilfe, Psychiatrie und Polizei (3). An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiter des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. Lehrern gern Informationsmaterial für die Aufklärungsarbeit im Unterricht zur Verfügung stellen.

Um dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit in aktueller Weise gerecht zu werden, wurden die Recherchearbeiten der Medien in 85 Fällen unterstützt. In 26 Fällen wurde durch eine direkte Mitwirkung in einem Fernseh-/ Radiobeitrag auf die Gefahren neuer religiöser Glaubensgemeinschaften hingewiesen. Weitere 22 Interviews wurden in Zeitungsberichten oder Fachzeitschriften veröffentlicht. Dies ist eine deutliche Zunahme gegenüber den Vorjahren.


Gremienarbeit

Der Informationsaustausch über Trends in der aktuellen Sektenszene fand wie jedes Jahr in zahlreichen Workshops mit anderen Sektenberatungsstellen, kirchlichen Sektenbeauftragten und Betroffeneninitiativen statt. Auch nehmen die MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. regelmäßig an den Fachgesprächen im Landtag teil. Auf Landesebene ist der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. im „Arbeitskreis Beratungsstellen“ des DPWV integriert. Insgesamt konnten die MitarbeiterInnen aus zeitlichen Gründen nur an 20 Gremiensitzungen teilnehmen.

Seit 2006 besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer zweistündigen Sprechstunde in Bochum eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Sie findet nach Absprache in den Räumen der ehemaligen Sekteninformationsstelle Bochum statt.

 
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