Mein Vater, ein Opfer der Germanischen Neuen Medizin - Erfahrungsbericht
Geschrieben von Jacqueline Klaus   
Mittwoch, 13. April 2016

Mein Vater Hans-Ullrich Leupold, geb. am 28.06.1948, verstarb am 20.03.2015 an den Folgen einer Krebserkrankung und ausschließlicher Behandlung auf Basis der „Germanischen Neuen Medizin“ (GNM) von Ryke Geerd Hamer. Beraten und begleitet - bis zum letzten Tag - wurde mein Vater von einem GNM-Dozenten, welcher über keinerlei medizinische Ausbildung verfügte, aber eine „Akademie für natürliche Selbstheilung“ betrieben hat. Dieser forderte meinen Vater ständig auf „bleib auf dem richtigen Weg“ und gab auch immer an, dass der Heilungsprozess laut GNM normal verläuft - trotz zusehends akuter Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

 

Lebenssituation meines Vaters vor der Krebsdiagnose       

Mein Vater war zu dem Zeitpunkt selbständiger Unternehmensberater. Finanziell hatte er keine Sorgen. Meine Eltern hatten sich nach ca. 40 Jahren Ehe 2006 getrennt und mein Vater hatte, als die Krebsdiagnose kam, wieder eine neue Beziehung. Er liebte Klassik, ging gern ins Theater und fuhr für sein Leben gern zum Angeln (auch 2x im Jahr nach Norwegen). Er mochte Radtouren, guten Wein und war fußballbegeistert.

Wir haben uns sehr über die neue Beziehung meines Vaters gefreut. Es lebte noch ein Junge im Haushalt, mit dem sich mein Vater sehr gut verstand und dem er auch ein zweiter Vater wurde. Meine Schwester und ich hatten einen engen Kontakt zu dieser neuen Familie.

 

Wie alles begann       

Im Jahr 2008 fühlte mein Vater an seinem Hals einen stecknadelkopfgroßen Knoten. Er fragte daraufhin einen ihm bekannten Arzt, was dies sein könnte, und dieser riet ihm zu einer Untersuchung. Im Rahmen der Untersuchung wurde der komplette Knoten entfernt. Es wurde aber auch festgestellt, dass es sich um ein bösartiges Karzinom handelte. Aufgrund der kleinen Größe war insgesamt von guten Heilungschancen auszugehen, wie die Dokumentation meines Vaters über den Krankheitsverlauf und Aussagen des damals behandelnden Arztes bestätigen können. Laut Unterlagen meines Vaters handelte es sich bei ihm um ein Non-Hodgkin-Lymphom. Der Knoten am Hals nahe des linken Ohrs wurde entfernt und danach sollte die weitere Behandlung erfolgen. Für die geplante Bestrahlung in die Mundhöhle hatte sich mein Vater im Unterkiefer sogar einige Zähne entfernen lassen.

In dieser Zeit traf mein Vater einen früheren Freund wieder. Beide waren zusammen auf der Militärakademie im selben Jahrgang gewesen und hatten sich ein Zimmer geteilt. Er gab meinem Vater seine Visitenkarte. Auf deren Rückseite stand folgender Satz: „Dank dir Geerd Hamer.“ Auf Rückfrage was denn dieser Satz bedeuten solle, gab er zur Auskunft, dass seine Frau an Krebs erkrankt gewesen sei und die Ärzte diese schon völlig aufgegeben hätten. Dann aber habe er von der GNM und ihrem Begründer Hamer gehört und nach dieser Behandlung sei seine Frau wieder völlig genesen. Er erläuterte meinem Vater ausführlich die Inhalte der GNM, was auch die mir vorliegenden Broschüren und Bücher beweisen, z.B. durch Stempel mit seinen Firmendaten oder eine persönliche Widmung in einem Buch von Hamer.

Mein Vater berichtete mir dies auch mehrfach und seine Ehefrau kann diese Gespräche ebenfalls bestätigen. Im Rahmen dieser Gespräche mit Herrn „X“ wurde dann auch der Bezug zu dem angeblichen Konflikt hergestellt: Die Scheidung meiner Eltern. Hinzu kam, dass mein Vater wegen eines gemeinsamen Hauses etc. meine Mutter auszahlen musste. Dieser Konflikt sei der Grund für die Erkrankung, hieß es. Den Konflikt aufzulösen bringe die Heilung. (vgl. Artikel „Die Germanische Neue Medizin von Ryke Geerd Hamer“ von Christoph Grotepass)

 

Der weitere Krankheitsverlauf         

Mein Vater besuchte zwar noch die Beratungsgespräche im Zusammenhang mit der geplanten Bestrahlung, war jedoch zwischenzeitlich bereits negativ gegen die „Schulmedizin“ eingestellt. Und da diese Bestrahlung ja auch immer mit entsprechenden belastenden Nebenwirkungen einhergeht, war es für die Theorie der GNM und damit dem Herrn „X“ leicht, meinem Vater auf anderem Wege eine Aussicht auf Heilung zu suggerieren. Es war ja schließlich nur notwendig, den Konflikt bezüglich der finanziellen Auszahlung der Exfrau zu bearbeiten, dann würde der „Krebs“ verschwinden. Mein Vater lehnte daher dann jede weitere „schulmedizinische“ Behandlung ab.

Festzuhalten ist, dass Herr "X" als Bioenergetiker und Gesundheitsberater freiberuflich tätig ist, er nennt sich bei XING auch Dozent für GNM. Er hat nach meiner Recherche keine Zulassung, um medizinische Behandlungen bzw. Beratungen an Patienten vornehmen zu können. Er hält Vorträge über GNM, zu denen sich die Teilnehmer anmelden und den Ort erst kurz vorher bekannt gegeben bekommen. Er behandelt auch zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Reihe weiterer Patienten.

Im Februar 2009 flog mein Vater dann in Begleitung von Herrn „X“ nach Norwegen zu Ryke Geerd Hamer. Hamer nahm umfangreiche Untersuchungen (CT ohne Kontrastmittel) an meinem Vater vor und konnte nach Aussagen meines Vaters angeblich genau den Konfliktherd identifizieren. Er hat meinem Vater eine Diagnose gestellt und über seinen weiteren Heilungsprozess gemäß der GNM beraten. Herr "X" und ein weiterer Freund meines Vaters waren während dieses Gespräches und der Untersuchung ebenfalls anwesend.

Während der Zeit von 2009 bis ca. 2013 ging es meinem Vater zunächst gut. Daher war er weiter von der absoluten Richtigkeit der GNM überzeugt. Aufgrund der engen persönlichen Bindung und auch der räumlichen Nähe gab es weiter einen regelmäßigen Kontakt zu Herrn „X“. Mein Vater besaß nach Sichtung seines Nachlasses eine umfangreiche Sammlung von Büchern aus dem Hamer-Verlag „Amici Di Dirk“ und auch eine Visitenkarte von Herrn Pilhar, einem engagierten GNM-Dozenten. Nach Aussagen der Ehefrau hat er in ihrer Begleitung auch Vorträge von Herrn „X“ besucht. Der Ort dieser Vorträge wurde immer sehr kurzfristig vor den Treffen bekannt gegeben.

Mein Vater hatte während der Zeit ab 2012 linksseitig zwischen Ohrläppchen und Hals eine starke Verdickung. Es handelte sich um eine wachsende Beule mit einer Länge von zeitweise 15 cm, die auch häufig stark nässte und sein äußeres Gesamtbild stark beeinträchtigte. Seine linke Gesichtshälfte wirkte dadurch immer wie geschwollen. Die Schwellung nahm bis zum Schluss ständig zu. Ab Frühjahr 2014 bekam er akute Knieprobleme. Das Knie war ganz dick und ebenfalls enorm geschwollen. Als Folge daraus konnte er nicht mehr laufen. Mein Vater wollte sich erneut nicht in die Hände der „Schulmediziner“ begeben, da „der Körper sich immer selber heilen kann“. Als Ursache wurde ihm durch Herrn „X“ ein erneuter Konflikt benannt.

Es bestand aus diesem Grund ein ständiger Kontakt mit Herrn „X“, der aufgrund der akuten Beschwerden meines Vaters ab Anfang 2014 an Häufigkeit wieder zunahm (mehrfach je Woche). Laut den Unterlagen meines Vaters beriet ihn Herr "X" zur GNM und zum Heilungsprozess. Mein Vater sagte mir auch im Gespräch, dass alles genauso abläuft wie beim Heilungsprozess von Herrn "X"'s Frau. Er hätte ihm gesagt, dass es bei ihr genauso schlimm war und sich der Körper dann selbst geheilt hätte.

 

Die letzte Krankheitsphase

Der Zustand verschlechterte sich im Verlauf des Jahres immer mehr. Im Dezember kam er per Notarzt ins Krankenhaus nach Görlitz, da er den Kiefer nicht mehr bewegen konnte - laut GNM-Gesundheitsberater „X“ ein Beißkonflikt. Eine ordentliche Nahrungsaufnahme und auch Sprechen waren schon eine lange Zeit nicht mehr möglich gewesen.

Herr "X" tauchte fast täglich im Klinikum auf und schärfte meinem Vater ständig ein, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Und dies, trotzdem nun offensichtlich war, dass mein Vater starke Schmerzen hatte. Der Körper war bedingt durch den Gewichtsverlust von deutlich mehr als 20 kg bereits extrem schwach. Mein Vater konnte kaum noch Dinge allein erledigen, konnte nicht mehr sprechen, hatte Angst am eigenen Mundschleim zu ersticken. Er musste mit einer Nährstofflösung künstlich ernährt werden. Dies gestaltete sich wegen des ständigen Mundschleimes zusätzlich als schwierig. Einen Tropf lehnte er weiterhin ab - da „Schulmedizin“! Der Schleim im Mund musste stündlich, ab Januar halbstündlich abgesaugt werden. Er konnte nicht mehr richtig schlucken. Dies war laut GNM-Gesundheitsberater „X“ ein „Brockenkonflikt“.

Mein Vater litt bereits unter unsagbaren Schmerzen. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Da er weiter jede konventionelle medizinische Behandlung ablehnte (und zwar jede Art von angebotener Behandlung) wurde er dann nach wenigen Tagen wieder nach Hause verlegt. Zu Hause tauchte Herr "X" wieder täglich auf. Im Wohnhaus nahm er dann auch mehrfach bestimmte Behandlungen an meinem Vater gegen Bezahlung (Bargeld ohne Quittung) vor, z.B. Bioresonanz. Weiterhin führte Herr "X" eine medizinische Beratung zum Heilungsprozess nach GNM durch.

Mein Vater quälte sich täglich! Ein Pflegedienst kam 2x am Tag ins Haus. Auf Empfehlung von Herrn "X" sollte mein Vater zur weiteren Heilungsunterstützung Tag und Nacht die von Hamer komponierte Heilmusik „Mein Studentenmädchen“ hören. Insbesondere das stellte für die Ehefrau eine zusätzliche Belastung dar.

Weiterhin hatte Herr „X“ meinem Vater fortlaufend eingetrichtert, dass dies zwar sicherlich eine schwere Zeit für ihn sei, aber es bei seiner Ehefrau damals genauso schlimm war und dann immer besser wurde. Dieses tiefe Tal gehöre zum Genesungsverlauf entsprechend der Hamer-Theorie. Er möge auf dem richtigen Weg bleiben und sich von den Schulmedizinern und auch von anderen Menschen nichts einreden lassen. Dabei zeigte er aus einem Buch von Hamer anhand sogenannter wissenschaftlicher Erkenntnisse meinem Vater den Krankheitsverlauf. Diese Bücher hat mein Vater mir im Januar und Februar 2015 gezeigt. Mein Vater lag während dieser ganzen Zeit nach dem kurzen Klinikaufenthalt von Dezember bis Anfang März 2015 nur im Wohnzimmer auf dem Sofa und konnte nichts mehr tun, weder sprechen, noch essen. Der Körper baute ständig mehr ab. Er hatte extreme Schmerzen. Herr "X" kam mehrfach die Woche zu Besuch und nahm weiterhin Behandlungen gegen Geld an meinem Vater vor.

 

Das schlimme qualvolle Sterben

Am 12.03. bekam mein Vater zu Hause krampfartige Zuckungen, der ganze Körper war wie bei einem Krampfanfall. Daraufhin wurde er in das St. Carolus-Krankenhaus auf die Palliativstation verlegt. Herr "X" kam täglich. Es gab dort diverse Auseinandersetzungen mit dem zuständigen Pflege- und medizinischen Personal. Es wurde auch dort klar, dass Herr "X" meinen Vater weiter vor der Schulmedizin warnte und dahingehend auf ihn einwirkte „auf dem richtigen Weg“ zu bleiben. Herr "X" war sogar der Meinung, dass man meinen Vater dort „verhungern“ ließe und dies der Grund für den schlechten Zustand meines Vaters sei. Aber ab dem Zeitpunkt war uns klar, dass es keine Hoffnung mehr gab. Mein Vater wog nun nur noch 60 kg bei einer Körpergröße von 1,68 m. Sein Gesicht war linksseitig extrem angeschwollen und er siechte die letzten Tage seines Lebens qualvoll dahin. Er wurde über den Tropf ernährt. Ein Port konnte nicht mehr gelegt werden. Er stimmte einer Bluttransfusion zu (woraus wir schließen, dass er mittlerweile stückweise erkannt haben könnte, dass der Weg der GNM nicht zum Ziel führt). Auch beobachteten die Schwestern, dass er die Musik von Hamer mehrfach selbst ausschaltete.

Herr „X“ ist dennoch jeden Tag auf der Station aufgetaucht und trichterte meinem Vater ständig ein, dass er „auf dem richtigen Weg“ bleiben muss. Er stellte die Musik von Hamer wieder an und schrieb sogar einen Hinweis für das medizinische Personal, dass die Musik Tag und Nacht laufen müsse. Darüber hinaus wollte er einmal sogar bei der Visite anwesend sein. Er behauptete, es gäbe für ihn eine Vollmacht, die aber nicht vorlag. Als ihn die Schwester damit konfrontierte, ging er wütend. Er behauptete gegenüber meinem Vater, dass die Mitarbeiterinnen des Krankenhauses ihm nicht ausreichend Nährstoffe geben würden.

In dieser ohnehin schwierigen Zeit hat Herr "X" dann auch begonnen, die Ehefrau meines Vaters massiv persönlich anzugreifen, in dem er unter anderem am 20.03. vormittags in der ihrer Zahnarztpraxis auftauchte und sogar äußerte, sie wolle ja nur, dass ihr Mann stirbt. 

Am 20.03.2015 kurz nach 16 Uhr ist mein Vater schließlich im Alter von 66 Jahren eingeschlafen. Er hat unter starken Schmerzen gelitten und sich sehr gequält. Er war bis aufs Skelett abgemagert und sah aus wie ein Mann im Alter von 90 Jahren. 

Für uns als Familie war dies mehr als nur eine extrem schwere Zeit. Hilflos mussten wir zusehen wie unser Vater immer fester in den Strukturen einer hoch gefährlichen Medizinsekte gefangen war und am Ende für diesen Fehler sogar mit seinem Leben bezahlte. 

Aufgrund dieser Erlebnisse und in Anbetracht des hohen Maßes an skrupellosem Vorgehen seitens des selbsternannten GNM-Heilers „X“ war für mich relativ schnell klar, dass ich anderen Familien ein ähnliches Schicksal ersparen möchte. Und daher haben wir in der Familie entschieden, dass ich nach Sichtung des gesamten Nachlasses meines Vaters Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft stelle.

Mittlerweile laufen die Ermittlungen und wir hoffen nun auf diesem Weg dem verbrecherischen Treiben des GNM-Heilers ein Ende zu setzen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde und wegen Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetz. 

Zu den geschilderten Sachverhalten können mehrere Personen aus unseren Familien und Freunde als Zeugen fungieren. Ferner haben wir umfangreiche Unterlagen sichergestellt.

 

Siehe auch den Artikel „Die Germanische Neue Medizin von Ryke Geerd Hamer“  von Christoph Grotepass