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Wachsame Studenten decken TM-Missionierungsversuch an der Uni Düsseldorf auf PDF Drucken E-Mail

Folgende E-Mail erhielt die Beratungsstelle am 14.04.2010:

Sehr geehrte Damen und Herren der Sekten-Info NRW,

im Zusammenhang mit der ARD-Sendung „Hart aber fair“ zum Thema Scientology haben mich einige Freunde ermutigt, Ihnen zu schildern, wie vor einem Jahr ein Missionierungsversuch der „Transzendentalen Meditation“-Bewegung an der Uni Düsseldorf gescheitert ist. Zumal Sie an diesem Erfolg nicht unbeteiligt waren.

Es war Mitte Januar 2009, als an der Uni Düsseldorf am schwarzen Brett Plakate auftauchten, die einen Vortrag der „Transzendentalen Meditation“-Bewegung bewarben. Dieser Vortrag versprach, den Studenten ihr „Potential an Energie, Dynamik, Kreativität, Intelligenz und Frieden“ zu eröffnen. Als Veranstalter war die „Maharishi-Weltfriedens-Stiftung“ angeführt. Diese Plakate wären mir vermutlich gar nicht aufgefallen (schließlich ist die Uni permanent zuplakatiert mit jeder Menge Mist), aber zwei ungünstig gelegene Freistunden gepaart mit Langeweile brachten eine Mit-Studentin und mich dazu, nach und nach das ganze schwarze Brett zu durchstöbern. So stießen wir dann auch auf die Plakate der TM-Bewegung, die uns zunächst sehr belustigten, weil sowohl Veranstalter als auch Ankündigungstext nach einer lächerlichen Hippie-Persiflage klangen.

Noch während wir über den angekündigten Vortrag schmunzelten und überlegten, ob es wirklich so verzweifelte, gestresste Studenten gäbe, die dort hingehen würden, überlegte ich, wo ich „Transzendentale Meditation“ schon einmal gehört hatte. Nach einigen Minuten war dann bei mir der Groschen gefallen: Im Schul-Religionsunterricht der Mittelstufe hatte es einmal eine mehrwöchige Gruppenarbeit zum Thema „Sekten“ gegeben, bei der jede Gruppe eine andere „Sekte“ genauer unter die Lupe nahm und später vor der ganzen Klasse die Ergebnisse präsentierte. Hier war u.a. auch die TM-Bewegung Thema.

Mit diesem Wissen waren die Plakate plötzlich gar nicht mehr so lustig, sondern eher erschreckend. Ich wusste zwar nicht mehr, was die TM-Bewegung war und was sie wollte, aber trotzdem schien das Ganze recht fragwürdig. Vor allem, dass der Vortrag in einem ganz normalen Seminarraum in der Uni stattfinden sollte!

Am Nachmittag, nach den Vorlesungen, packte mich dann die Neugier. Mit Google und Wikipedia bewaffnet, wollte ich nachprüfen, ob „Transzendentale Meditation“ wirklich in die Kategorie „Sekte“ fällt, und schließlich landete ich beim entsprechenden Artikel auf sekten-info-nrw.de.

Aber was nun tun? Fremde Plakate eigenmächtig vom schwarzen Brett zu entfernen, ist eigentlich nicht erlaubt. Die zuständige Stelle an der Uni informieren? Tja, wenn man denn wüsste, wo die ist und wie sie heißt. (Das schwarze Brett ist nicht einfach unter der Kontrolle des Hausmeisters, sondern die Manifestation eines Wesens, das sich selbst „Campus Advertising“ nennt, aber ansonsten sehr scheu ist und sich selten zeigt.) Irgendwelche Studentenvertreter suchen? Als ob die nicht mit anderen Dingen beschäftigt wären...

So kam ich auf die sehr bescheidene Idee, selbst einen Zettel ans schwarze Brett zu hängen, der mit einem blauen Pfeil auf die TM-Plakate verwies und mit dem Text „Mehr Infos zur Transzendentalen Meditation unter http://www.sekten-info-nrw.de“ untertitelt war. Schon wenige Minuten, nachdem der Zettel hing, fiel er dem ersten Schwarzen-Brett-Besucher auf. Kurz darauf habe ich noch alle möglichen Bekannten an der Uni auf den TM-Vortrag oder das Plakat hingewiesen und gedacht: Mal schauen, wie weit es sich herumspricht. Damit habe ich mir keine Inhalte Ihrer Internet-Seite zu eigen machen wollen, es sollte nur ein wenig die Neugier wecken und zum Nachdenken und Recherchieren anregen.

Nach ungefähr einem Tag hatte es sich herumgesprochen! Sowohl Studentenvertreter aus mindestens einer Fachschaft als auch des AStA sind darüber gestolpert und forderten die Uni-Verwaltung auf, klarzustellen, ob wirklich von Seiten der Uni ein Seminarraum an die TM-Bewegung vergeben worden war oder nicht.

Das Ende der Geschichte konnte ich ein paar Tage später in der uni-eigenen Zeitung „Campus Delicti“ (siehe Email-Anhang) nachlesen: Auch das Pressereferat des AStA interessierte sich mittlerweile für den TM-Vortrag und war darum zur angekündigten Zeit am angekündigten Ort – nur fehlten die TM-Referenten. Der Vortrag war geplatzt. Eine Antwort der Uni-Verwaltung zur Raumvergabe hat es meines Wissens nicht mehr gegeben. Trotzdem hat der Stoff immerhin für einen schönen Artikel mit dem Titel „Weltfrieden oder Weltherrschaft?“ gereicht.

Mit minimalem Aufwand hatten wir (Studenten) uns die TM vom Leib gehalten. Das war sozusagen der experimentelle Beweis dafür, dass es kaum ein besseres Mittel als Aufklärung gibt. Seitdem warten wir gespannt, ob die TM (oder andere) es noch einmal versuchen wird, und schauen dafür hin und wieder am schwarzen Brett, ob verdächtige Vorträge angekündigt werden, damit der gute Name der Uni nicht für die Missionierungsversuche fragwürdiger Organisationen herhalten muss.

Wie Sie sehen, schätzen wir Studenten, auch ohne direkte Sekten-Erlebnisse, Ihre Arbeit sehr und hoffen, dass Sie auch weiterhin trotz aller Finanzkrisen vielen Menschen helfen können.


Der Name des Absenders ist uns bekannt.


Der erwähnte TM-Artikel auf unserer Webseite (auf die mit einem zusätzlichen Aushang verwiesen wurde) ist nach wie vor abrufbar: "Transzendentale Meditation: Aktivitäten, Hintergründe und Absichten"
 

Der gut recherchierte Artikel „Weltfrieden oder Weltherrschaft?“ der Uni-Zeitschrift
(Campus Delicti, Nr. 289, 22. Januar 2009) ist als PDF-Ausgabe abrufbar unter:
http://asta.uni-duesseldorf.de/2009/01/22/campus-delicti-289/

 
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