Kontakt
E-Mail
Spende
Im Jahr 2025 meldeten sich 857 Personen bei unserer Beratungsstelle. Das Verhältnis von kurzen, einmaligen Kontakten mit Informationsanfragen zu intensiveren Beratungen mit mehreren Gesprächen hat sich gegenüber dem Vorjahr erneut zugunsten der Beratungskontakte verschoben. Es gab 337 Personen mit Informationsanfragen und 520 Personen mit Beratungsbedarf. Dies folgt dem Trend der letzten Jahre, demnach sich Bürger zunächst im Internet eigenständig informieren und weniger als früher bei der Beratungsstelle Informationen einholen. Allerdings liefert die Internetsuche nach seriösen Informationen oft verwirrende Ergebnisse. Auskunfts-”Gespräche” mit KI-Chatbots liefern nicht selten fehlerhafte Informationen. Und manch unseriöser Anbieter schafft es, unbequeme Rezensionen entfernen zu lassen oder den Anteil positiver Bewertungen über entsprechende Agenturen käuflich zu erhöhen. Wir werden daher oft um eine Einordnung gebeten. Zu den Kategorien mit erhöhtem Informations- und Beratungsbedarf folgen kurze Informationen auf den nächsten Seiten.
Erstmals wurden dieses Jahr in unserer Statistik die beiden Themen Verschwörungstheorien und Coaching aus der Kategorie Psychogruppen gelöst und einzeln erfasst. Grund hierfür sind die anhaltend hohen Fallzahlen in beiden Bereichen. Eine separate Aufführung dient der besseren Sichtbarkeit der beiden Themen. Die ursprünglich gemeinsame Rubrik Psychogruppen umfasst Angebote, die (pseudo-) psychotherapeutische Verfahren anbieten, sowie sozialutopische Lebensgemeinschaften, die ein hohes Konflikt- und Abhängigkeitspotential aufweisen.
Diagramm: Information & Beratung
Die meisten Anfragen und Beratungen kamen im Jahr 2025 von Angehörigen (30 %) und von selbst betroffenen Personen (27 %). Seltener meldeten sich Freund*innen/Bekannte/Kolleg*innen (9 %) und die Partner*innen (6 %). Schulen und Hochschulen sind mit 6 %, andere Institutionen mit 14 % vertreten.
63 mal (8%) wurden Anfragen von Medienvertreter*innen beantwortet. Dabei wurde nach Christlichem Fundamentalismus und sogenannten „Christfluencer*innen, unseriösen Coaching-Anbieter*innen, Esoterik und Anbieter*innen unseriöser Heilverfahren gefragt.
Insgesamt fanden 11 digitale Austauschtreffen für Betroffene statt. Neben dem bereits seit 2021 laufendem Online-Gesprächskreis für Angehörige von Verschwörungsgläubigen startete Ende letzten Jahres ein Gesprächskreis für junge Erwachsene für einen Austausch zur Distanzierung von christlich fundamentalistischen Gemeinschaften.
In Rund 40 Vorträgen zu unterschiedlichen Themen wurden Fachleute der Bereiche Sozialpsychologie, Psychologischer Psychotherapie, Jugendamt und Schule (Lehrkräfte und [Berufs-] Schüler*innen) informiert. Erreicht wurden auf diese Weise - teils hybrid - ca. 1080 Personen.
Es gab deutschlandweite Treffen der Beratungsstellen im Weltanschau-ungsbereich sowie speziell zum Thema Verschwörungstheorien. Beim „DACHS“-Treffen findet die Vernetzung der Beratungsstellen über den gesamten deutschsprachigen Raum statt (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol). Vertieft wurde die Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus. Es fanden Arbeitstreffen mit der NRW Landtagsfraktion der SPD statt. Schließlich erfolgten Treffen mit unserem Dachverband (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) sowie Vorstands- und Vereinstreffen.
Diagramm: Wer fragt an
In 59 Fällen wurden Sorge oder Verdacht auf eine Kindeswohl-gefährdung geäußert. In 17 dieser Fälle wurde ein begründeter Verdacht sowie Maßnahmen besprochen, Weiterleitungen empfohlen oder eingeleitet. Sowohl bei der Sorge um das Kindes-wohl als auch beim erhärteten Verdacht bezieht sich die Mehrheit der Fälle auf den Bereich des Christlichen Fundamentalismus.
Die Möglichkeit einer Rechtsberatung wurde im Jahr 2025 von 111 Klient*innen genutzt. Der größte Teil der in Anspruch genommenen Rechtsberatung bezog sich auf Fragestellungen im Kontext esoterischer Angebote. Dabei ging es insbesondere um die Frage, inwieweit die teilweise horrenden Honorare für „übersinnliche“ Dienstleistungen zurückgefordert werden können. Viele Klient*innen beklagten, dass sie sich vom jeweiligen Anbieter finanziell ausgenutzt fühlten. Die wiederkehrende Frage nach rechtlichen Schutzmöglichkeiten war Anlass eines entsprechenden Fachartikels in diesem Jahresbericht.In einem weiteren großen Anteil der Rechtsberatung ging es um familienrechtliche Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit Konflikten der Eltern über die religiöse Kindererziehung. Hintergrund der elterlichen Konflikte ist häufig, dass sich nur ein Elternteil einer neuen religiösen Bewegung anschließt und die Kinder in dem praktizierten Glauben erziehen möchte. Ein dritter großer Komplex der Rechtsberatung betraf den Bereich der Coaching-Angebote. Vielen Kund*innen kamen die abgeschlossenen Verträge im Nachhinein intransparent und überteuert vor. Sie fühlten sich des Öfteren auch „überrumpelt“ und fragten nach rechtlichen Möglichkeiten sich von dem Vertragsabschluss wieder zu lösen. Teilweise wurden die Verträge in öffentlichen Cafés oder in privaten Räumlichkeiten abgeschlossen, so dass in einigen Fällen – abhängig von der fristgerechten Geltendmachung – auch die Ausübung des Widerrufsrechts erfolgreich zur Aufhebung entsprechender Verträge führte.Diagramm: Rechtsberatung