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Autor: Anonym 24.04.2026
Ich habe das Gemeinschaftsnetzwerk mit Anfang zwanzig kennengelernt, als ich auf der Suche nach einer neuen Wohnung und offen für neue Lebenskonzepte war. Mich hat die Idee angezogen, eine neue Art des Miteinanders zu erproben. Das hieß für mich in einem Umfeld zu leben, in welchem sich die Menschen wirklich füreinander interessieren und eine Art Wahlfamilie aufzubauen. Solche Themen wurden in den ersten Treffen, die ich in dem neuen Umfeld erlebt habe, angesprochen. Ich hatte ein Inserat für ein WG-Zimmer gefunden und diese WG wurde als Gemeinschaftsprojekt beschrieben. Bald darauf wurde ich zu einem Abend der „Prozessarbeit“ eingeladen. Es wurden Begegnungs- und Körperübungen angeleitet, Visionen geteilt, psychologische und spirituelle Theorien vorgestellt und es wurde über persönliche Themen gesprochen. Diese Abende wurden von der Person geleitet, die das neue Gemeinschaftsprojekt initiieren wollte. Das Auftreten der Gemeinschaftsmitglieder war für mich beeindruckend, sie wirkten frei von Scham und sehr direkt im zwischenmenschlichen Kontakt. Ich zog dort ein. Es war eine entstehende Gemeinschaft, die zusammen mit einer bereits bestehenden Gemeinschaft später ein Netzwerk bildete.
In der Partnergemeinschaft gab es einen Mann, der diese leitete und seine Theorien in langen Vorträgen präsentierte. Mir waren die Besuche dort unangenehm, ich fühlte mich sehr unwohl und schrieb dies der Tatsache zu, dass ich neu in diesem Umfeld war und außerdem einige „Themen mitbrachte“. Wir trafen uns monatlich jeweils ein Wochenende lang, 2-3 Tage. Ich nenne den Mann für diese Zwecke Peter. Das ist nicht sein echter Name. Peter wirkte auf mich irritierend, aber ich hörte ihm zu. Viele seiner Theorien kannte ich schon von unserem Leiter und vieles fand ich interessant. Peter erzählte uns von niederschwingenden und hochschwingenden Gefühlen, von Yin und Yang, von Männlichkeit und Weiblichkeit, der integralen Theorie, Spiral Dynamics, dem Enneagramm und der Astrologie und von der Göttlichkeit in uns, die es wiederzuentdecken galt.Ich lebte zwei Jahre dort. Fast alle Wochenenden im Monat waren für die Gemeinschaftszeit belegt: jeweils einmal intern, mit der anderen Gemeinschaft und offen für Gäste. In der Woche gab es mehrere Termine über mehrere Stunden und ein kompletter Tag wurde der Gemeinschaft gewidmet. Dieser volle Terminplan baute sich langsam über die Zeit auf. Die Wochenenden waren eng getaktet und sehr durchstrukturiert. Das Samstagsprogramm ging oft bis in die Morgenstunden.Es gab eine Hierarchie: Wer als bewusst und kompetent genug erachtet wurde, durfte Workshops und Kleingruppen zur Persönlichkeitsentwicklung leiten. Wer sich unwohl fühlte oder wer Kritik äußerte, hatte offensichtlich Widerstände. Diese galt es zu überwinden, um ein psychologisch freier Mensch zu werden und sich in der Hierarchie nach oben zu bewegen.Während der Gemeinschaftswochenenden und -abenden wurden Mitglieder und Gäste in Kleingruppen von jeweils einem Gemeinschaftsmitglied in der Auseinandersetzung mit ihren emotionalen Themen begleitet. Es ging darum, ein anderes Miteinander zu kreieren, in dem man sich wirklich begegnet und allen Menschen diese sogenannte Liebe zukommen lässt. Es ging darum, durch diese liebevolle Arbeit alles zu manifestieren und anzuziehen, was man zum Leben braucht. Im Anschluss an die Gästeveranstaltungen besprachen wir in gemeinsamer Reflexion, welche Gäste für uns als Gemeinschaft interessant sein könnten. Hierbei war uns klar, dass Leute, die sich gerade in Umbruchphasen befanden, offener dafür sein würden, sich auf unsere zeitintensive Lebensweise einzulassen. Die Absicht war hier passende Mitglieder zu finden. Es führte jedoch dazu, dass wir mehr Energie in Teilnehmende steckten, die aktuell Veränderungen in ihrer wohnlichen, beruflichen und persönlichen Situation erlebten und somit möglicherweise weniger in ihrer Identität gefestigt waren. Leider blieben trotz aller „Manifestation“ die nötigen Spenden aus, um diesen Lebensstil zu finanzieren. Die Ausrichtung änderte sich langsam als klar wurde, dass man sich um die wirtschaftliche Situation kümmern müsse. Es kamen viele Ideen auf. Es sollte mit Veranstaltungen wie Workshops und Festivals Geld verdient werden. Durch einen Internetauftritt und das Teilen spiritueller Inhalte sollte man an Bekanntheit gewinnen. Es gefiel mir und einigen anderen nicht, dass einen für diese Zwecke dann überall die Kameras begleiteten. Die leitenden Personen setzten sich in diesem Punkt jedoch durch. Man wurde dazu ermutigt, seine Grenzen in diesem Bereich zu erweitern und es wurde einem mitgeteilt, man könne nicht an den betreffenden Gruppenaktivitäten teilnehmen, wenn man das Filmen der teilweise sehr persönlichen Situationen nicht akzeptiere. Das Filmen und Fotografieren wurde somit ein Teil der Gruppenkultur, den man akzeptieren musste, wenn man weiterhin dazugehören oder sich in den „Leitungskreis“ hocharbeiten wollte. Da die Gemeinschaft zu dem Zeitpunkt mein Lebensmittelpunkt war, nahm ich dies in Kauf. Im Nachhinein hinterlässt es jedoch ein ungutes Gefühl bei mir und einigen anderen Aussteiger*innen, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe.Ich habe dies als eine der vielen Situationen erlebt, in denen ich auf Grund von Gruppendruck und Ideologien nicht mehr auf mein Unwohlsein gehört habe. Je mehr ich investiert hatte und Kompromisse eingegangen war, desto weniger spürte ich noch meine Grenzen und desto schwieriger wurde es für mich, gute Entscheidungen für mich zu treffen. Das wurde für mich ein Teufelskreis, in welchem ich Grenzen überschritt, die ich zuvor nicht überschritten hätte. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie Menschen in Situationen landen, die von außen kaum nachvollziehbar sind.
Nachdem ich dort einen Mann kennenlernte und Gefühle für ihn entwickelte, störte ich mich daran, dass er mit anderen Frauen und Mitbewohnerinnen körperlich sehr nah war, was ich ihm kommunizierte. Es jagte mir jedes Mal einen Schock ein, wenn ich in einen Raum kam und ihn dort mit einer Frau im Arm oder auf einer Frau liegend wiederfand. Jemand aus dem sogenannten Leitungskreis erfuhr davon und sprach dies an einem Gemeinschaftsabend an. Es wurde kritisiert, dass ich diese Grenzen mit dem Mann aushandelte. Mir wurde gesagt, ich könne nicht erwarten, dass dieser Mann nicht mit anderen Frauen kuschelt, und ich wurde in den Prozess begleitet, dies mit der Frau vor der ganzen Gruppe auszuhandeln. Sie sei schließlich befreundet mit ihm und könne genauso mit ihm kuscheln. Das war furchtbar peinlich für mich. An diesem Abend wurde mir klar, dass die Abmachungen in meinen intimen Beziehungen keine Privatsache mehr waren und ich wollte Situationen wie diese in Zukunft vermeiden. Danach war ich dauerhaft angespannt, weil ich damit rechnete, dass meine Grenzen erneut öffentlich diskutiert und kritisiert werden könnten.
Allgemein galten die meiste Zeit über eher offene Beziehungsformen als Ideal. Eifersucht sei ein heilbares Defizit. Körperkontakt und Intimität waren oft Teil der gemeinsamen Gruppenaktivitäten und eine streng monogame Beziehung hätte diese Gruppenaktivitäten deshalb behindert. Dies hat oft zu Spannungen und Konflikten geführt. Ich spürte in den Gruppenräumen und zu Hause schließlich eine ständige Anspannung, die sich irgendwann in körperlichen Verspannungen und Verkrampfungen äußerte. Ich war überfordert damit, die ganze Zeit mit den anderen in dieser Nähe zu leben und den Anforderungen gerecht zu werden. Ich arbeitete darauf hin, an allen gemeinsamen Aktivitäten gut teilnehmen zu können und überging dabei oft meine Grenzen. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, ich hatte Schmerzen und ich hatte ständig Angst vor der nächsten stressigen Situation. Ich habe in Situationen, die meine Grenzen überschritten haben, emotional stark reagiert, konnte aber nicht mehr verstehen wieso und dachte deshalb, es sei etwas mit mir falsch. Schließlich war es das Ziel, seine Grenzen zu erweitern um Wachstum zu erfahren, aber das schien mir einfach nicht zu gelingen. Ich fühlte mich wie in einem spirituellen Hamsterrad aus nie endenden Prozessen und konnte nicht mehr sehen, was gut für mich ist. Ich hatte ständig Albträume. Ich suchte nach Antworten für mein Unwohlsein und investierte hierfür auch viel Zeit in alternative Heilmethoden, wie es in der Gruppe üblich war. Mir kam damals nicht in den Sinn, dass es sich um eine Stressreaktion handeln könnte. Ich channelte meine Ahnen wegen meiner Verspannungen und machte unter anderem mit meinem Partner zusammen zahlreiche durch Mitbewohner geleitete Prozesse. Leider kam es dadurch nicht zu einer Verbesserung der Situation.
Irgendwann hatte mein Partner einen schlimmen Unfall und musste ins Krankenhaus. Als er nach der Behandlung – immer noch unter Schock stehend – in die Gemeinschaft zurückkehrte, kam eine Person aus dem Leitungskreis unserer Gruppe auf ihn zu und sprach mit ihm darüber, wie es mit ihm weitergehen könnte. Er sei offensichtlich damit überfordert, allen Lebensbereichen gerecht zu werden und es wurde ihm nahegelegt, seine Arbeit aufzugeben und sich mehr auf die Gemeinschaft zu konzentrieren. Mein Vertrauen in diese Person war schlagartig weg, als ich das hörte. Mein Partner war heute erst wieder nach Hause gekommen. Ich bezweifelte, dass dies der richtige Zeitpunkt war, um jemandem Vorschläge zu wichtigen Lebensentscheidungen zu unterbreiten.Im Zuge einer Krise bildeten sich zu dem Zeitpunkt neue Kreise und Gruppen. Ich bemerkte, dass sich zu dem Zeitpunkt der Ton mir gegenüber veränderte. Es sollte sich ein neuer Kreis auftun, zu dem mein Freund eine Einladung erhielt. Ich nahm eine Distanz der Mitglieder des engeren Kreises mir gegenüber wahr. In derselben Woche fand dann ein Gemeinschaftswochenende statt, an dem auch Peter und alle noch aktuellen Mitglieder des Netzwerks teilnahmen. Peter öffnete einen Raum zu partnerschaftlichen Inhalten und lud dann die Paare der Gemeinschaft ein, sich einzubringen. Auch wir teilten zu dem Thema. Peter sagte anschließend vor der versammelten Gruppe von etwa 20-30 Leuten, ich solle darüber nachdenken, ob ich überhaupt beziehungsfähig sei. Ich ging in der Pause zu Peter und sagte ihm, dass ich es nicht in Ordnung fand, seine Kritik auf diese Weise vor der ganzen Gruppe zu erhalten. Er sagte, er hätte gerade wenig Zeit. Aber er hätte das „aus Liebe gesagt“ und weil er „nur das Beste“ für mich wolle.Ich hatte den Eindruck, dass über meine Rolle in der Gruppe Gespräche stattgefunden hatten und ich auf Grund der Konflikte mit meinem Partner und meiner „Widerstände“ als hinderlich für die Gemeinschaft wahrgenommen wurde. Ich wollte oder konnte nicht mehr an allen Aktivitäten und Aspekten der Kultur teilhaben und wollte nicht gefilmt werden. Solche Gespräche über Paare hatte ich schon häufiger mitbekommen, denn wenn eine/r der Partner*innen in seiner Loyalität gegenüber der Gruppe unsicher wurde stand auch immer die Frage im Raum, was mit dem bzw. der anderen Partner*in passiert. Nicht nur ich stritt häufig mit meinem Freund. Die meisten Beziehungen in dem Umfeld waren instabil und es gab unter den meisten Paaren explosive Auseinandersetzungen. Ich erlebte oft, dass Frauen auf Grund emotionaler Reaktionen vor einer großen Gruppe an Leuten das Feedback bekamen, sie müssten ernsthaft an sich arbeiten. Dass Männer konfrontiert wurden, die fremdflirteten, Absprachen übergingen und ihre Partnerinnen verletzten, habe ich in meiner Zeit dort nicht erlebt. Nach dem Wochenende wusste ich, dass dieser Ort nicht mehr mein Zuhause ist und ein paar Wochen später habe ich die Entscheidung artikuliert, auszuziehen. Es gab das Narrativ, dass Leute, die sich von diesem Umfeld entfernen, ihre eigenen schlechten Eigenschaften auf die Gemeinschaft projizieren. Ich denke jedoch, dass der Abstand mir erst ermöglicht hat, die Dinge wieder klarer zu sehen. Die Auseinandersetzungen mit meinem Partner haben sich mit der Zeit verflüchtigt. Wir haben reflektiert, dass wir so etwas wie eine Dreiecksbeziehung mit der Gemeinschaft geführt haben und die Bedürfnisse der Gruppe oft konträr zu dem waren, was unsere Beziehung gebraucht hätte. In meiner Wahrnehmung ging es anderen Paaren auch so. Zum Glück hat sich meine Beziehungsfähigkeit nach dem Austritt aus dem Netzwerk auf wundersame Weise immer mehr verbessert. Das in der Gemeinschaft vorherrschende Verständnis von Intimität wirkt heute verzerrt auf mich.Es ist in den zwei Jahren noch vieles mehr passiert. Ein Workshopleiter verhielt sich während eines Workshops grenzverletzend gegenüber einer Teilnehmerin. Dies wurde im Anschluss von Teilen der Gemeinschaft relativiert. Ausgeschiedene versuchten ihrer Kritik am System Raum zu geben und wurden diffamiert. Elternpaare mit Kind sind auf nichts zurückgefallen (finanzielle Unsicherheit, ein geschwächtes soziales Umfeld, keine Wohnung). Leute erlebten psychologische Übergriffigkeit und ihnen wurde ihre Wahrnehmung abgesprochen. Abgesprochene Grenzen wurden überschritten und anschließend wurde auf die Eigenverantwortung verwiesen. Anfangs hatte es sich für mich magisch angefühlt, in Kreise zu kommen, wo die Menschen ganz anders wirken, anders sprechen, sich einander intensiv zuwenden und wo man echte spirituelle Erfahrungen sammeln kann. Auf ein solches Leben hatte ich in dieser Zeit auch hingearbeitet. Später realisierte ich, dass viele der Leute, die ich dort traf, gleichzeitig ein Leben mit instabilen Beziehungen, fehlendem Verantwortungsbewusstsein und einem starken Streben nach intensiven Erlebnissen mit wenig Rücksicht auf Verluste führten.
In der Zeit danach war ich sehr verwirrt. Ich spürte eine tiefe Unsicherheit darüber, wer ich bin, was ich kann und wo meine Grenzen sind. Ich reflektierte die Zeit unglaublich viel mit meinem Partner und anderen ehemaligen Gemeinschaftsmitgliedern und habe es als große Stütze wahrgenommen, dass der alltägliche Austausch möglich war. Es fühlte sich an, als würde ich mich aus einem ideologischen Labyrinth herausarbeiten. Ich spürte viel Scham und Schuld, weil ich an vielem, was ich heute kritisiere, auch beteiligt war.Eine Offenbarung war für mich die tiefere Auseinandersetzung mit der Bindungstheorie. In der Zeit habe ich neu gelernt, dass ich auf meine Grenzen achten darf und dass es in Ordnung ist, diese zu kommunizieren und sich zu wünschen, dass sie respektiert werden. Ich musste auch neu üben mit den Menschen im „normalen Leben“ in Kontakt zu kommen. Insgesamt hat die Zeit in der Gemeinschaft mein Vertrauen in Menschen verringert. Ich habe physiotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen, um an meinen Verspannungen zu arbeiten. Zum Ende der Gemeinschaftszeit war mein Körper an mehreren Stellen chronisch verkrampft. Es hat etwa 1,5 Jahre gedauert, bis ich irgendwann wieder das Gefühl hatte, mich selbst spüren zu können. Das Hochgefühl am Anfang war für mich stark anziehend und schließlich landete ich in einer Überforderung, in der ich nicht mehr gut für mich gesorgt habe. Zum Abschluss möchte ich noch meine Gedanken zu Dynamiken aus spirituellen Gemeinschaften und Coachingsettings teilen, die ich häufiger beobachtet habe. Wenn ich Anzeichen dieser Dynamiken sehe, deute ich diese heute als Warnsignale:
Krisen, körperliche Symptome und Überforderungen werden vorrangig emotional-spirituell gedeutet: Eine Auseinandersetzung mit konkreten belastenden Lebenssituationen tritt in den Hintergrund.
Die Leute fangen an, sich um sich selbst zu drehen: Es entsteht der Eindruck, sie würden an sich arbeiten, weil sie ihre Emotionen ständig analysieren – der Fortschritt wird jedoch wenig an den realen Auswirkungen auf ihr Leben oder ihre psychische Stabilität geprüft.
Kritik an den Methoden oder der Gruppe wird umgedeutet und den Menschen, die Kritik äußern, wird vorgeworfen sie würden projizieren. Dies führt dazu, dass ein geschlossenes Weltbild entsteht, das sich die ganze Zeit selbst bestätigt.
Menschen passen sich in ihrem Verhalten einem Ideal an, um in der Hierarchie aufzusteigen. Diese Anpassung kann dazu führen, dass Menschen den Bezug zu sich selbst verlieren. Das Auftreten kann von außen je nach Betrachter selbstsicher, aber auch überzogen und unauthentisch wirken.
Reaktionen auf Grenzüberschreitungen werden als vermeintliche Widerstände interpretiert: Nicht die Grenzüberschreitung ist das Problem, sondern die emotionale Reaktion ist ein Hinweis, dass die Person an sich arbeiten muss.
Der natürliche Wunsch nach Zugehörigkeit kann Leute dazu bewegen, an destruktiven Dynamiken teilzunehmen.
Unprofessioneller Umgang mit Themen wie Trauma und psychologischen Methoden: Es werden Konzepte und Interventionen aus Psychologie, Traumaarbeit und Körperarbeit verwendet, ohne dass eine fachliche Qualifikation, therapeutische Verantwortung oder professioneller Rahmen besteht. Es entsteht ein entsprechendes Risiko für Fehlinterpretationen, Retraumatisierung und Machtmissbrauch.
Überschätzung der eigenen Kompetenz: Offizielle, gesellschaftlich anerkannte Zertifikate werden abgewertet während „in die eigene Kraft kommen“ das Ziel ist und vor allem ein bestimmtes Auftreten meint.
Eine Überbetonung der Eigenverantwortung: Negative Erfahrungen werden als persönliches Entwicklungsdefizit gedeutet, während das Verhalten anderer – einschließlich der Workshopleiter – und problematische Rahmbedingungen wenig reflektiert werden, da schließlich jeder für sich selbst verantwortlich ist.
Auch die spirituelle Szene nutzt Marketingstrategien: Günstige oder kostenlose Angebote schaffen Bindung und können Sehnsüchte ansprechen. Anders als in professionellen Kontexten fehlt häufiger die klare Trennung zwischen persönlicher Beziehung und Angebot. Besonders einsame Menschen oder Menschen in Umbruchphasen können sich durch die persönliche Beziehung schneller auf Ideologien oder ungesunde Gruppendynamiken einlassen.