Beratung und Information zu neuen religiösen und ideologischen Gemeinschaften und Psychogruppen
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Zersplitterung nach Therapie

Bedenkliche Auswirkungen der „Rituelle Gewalt Mind-Control“- Theorie


Im vergangenen Jahr hatten wir erneut Beratungen zum Thema „Rituelle Gewalt und Mind-Control“, unter denen sich sowohl Selbstbetroffene, enge Familienangehörige als auch Anfragen von anderen Institutionen verzeichnen ließen. Es meldeten sich Betroffene bei uns, die sich innerhalb einer Therapie geschädigt fühlten. Obwohl sie keinerlei Erinnerung an einen Missbrauch hatten, sei ihnen in der Therapie erklärt worden, sie wären „rituell“ missbraucht worden und daher habe sich ihre Persönlichkeit in mehrere Anteile aufgespalten. Das Thema ist für den Sekten-Info NRW e.V. nicht neu. Schon im Jahr 2006 wurde von unserer Beratungsstelle ausführlich über die Theorie des „Rituellen Missbrauchs im Satanismus“ berichtet.[1]

Selbstverständlich zweifelt niemand an der Existenz sexuellen Missbrauchs, organisierter Kriminalität sowie schwer traumatisierter Menschen. Allerdings wird bei dem Konstrukt „Rituelle Gewalt Mind-Control“ die Annahme vertreten, dass die Betroffenen Opfer einer systematischen und absichtsvollen Abspaltung ihrer Persönlichkeiten sind und diese von geheimen Netzwerken für deren Nutzen „programmiert“ werden. Diese Annahme kann jedoch wissenschaftlich nicht belegt werden. Dennoch werden PatientInnen in kassenärztlich finanzierten Psychotherapien nach Methoden behandelt, die auf dieser Theorie basieren.

Menschen, die diese Auffassung vertreten, gehen davon aus, dass organisierte Täterkreise durch „rituelle“ Gewalt und „Mind-Control“- Methoden bei ihren Opfern absichtlich eine Dissoziative Identitätsstörung[2] erzeugen (nachfolgend mit DIS abgekürzt, ehemals und noch immer umgangssprachlich oft als Multiple Persönlichkeitsstörung bezeichnet). Die wiederholte Anwendung schwerster Gewalt bereits bei Föten, Säuglingen und Kleinkindern erzwinge angeblich eine spezifische Dissoziation[3] beziehungsweise eine gezielte Aufspaltung der kindlichen Persönlichkeit.

Weiter wird postuliert, dass die durch Missbrauch und Folter entstehenden Persönlichkeitsanteile für bestimmte Zwecke programmiert, trainiert und benutzt werden könnten. „Ziel dieser systematischen Abrichtung ist eine innere Struktur, die durch die Täter_innen jederzeit steuerbar ist und für die das Kind und später der Erwachsene im Alltag keine bewusste Erinnerung hat.“[4] Dadurch hätten die TäterInnen angeblich eine gezielte und umfassende Kontrolle über das Verhalten dieser zuvor programmierten Menschen.

Gestützt wird die These „Rituelle Gewalt und Mind-Control“ allein durch die Berichte von Betroffenen, deren Erinnerung an schwerste psychische, physische und sexuelle Grausamkeiten meist erst im frühen Erwachsenenalter und oftmals innerhalb einer Therapie scheinbar wiedererlangt wurden. Dies wird dadurch begründet, dass die Erinnerungen verdrängt worden seien und nun „wiederhergestellt“ werden müssten, um eine Heilung zu begünstigen. Die KlientInnen selbst geben dann an, sich nach und nach an Misshandlungen erinnern zu können, die oftmals bereits im Säuglingsalter stattgefunden haben sollen.

Seitdem das erste deutschsprachige Buch zum Thema „Multiple Persönlichkeiten“ und der darin beschriebenen Methode zur absichtsvollen Erzeugung einer DIS Mitte der 1990-ziger Jahre erschienen ist, konnte trotz intensiver polizeilicher und staatsanwaltlicher Ermittlungen noch kein einziger Fall verifiziert werden, durch den die zuvor genannte Theorie bestätigt werden konnte.[5] Allerdings sei dies auf die gezielten Trainings und Programme der Täter zurückzuführen, die ihre Opfer dazu bringen, unglaubwürdiges zu berichten, damit ihnen nicht geglaubt wird.[6]

Während in der Literatur zur „rituellen Gewalt“ anfänglich das Hauptaugenmerk bei der Täterverortung auf satanistische Kulte gelegt wurde[7], wird mittlerweile eher verallgemeinernd auf destruktive Kulte oder die organisierte Kriminalität verwiesen. Neben den polizeilichen Untersuchungen gab es einige kritische Stellungnahmen, die aufzeigten, dass ein differenzierter weltanschaulicher Blick auf satanistische Phänomene keinerlei Anhaltspunkte für die These der „rituellen“ Gewalt und „Mind-Control“- Methoden bietet.[8]

Das Thema hat an Aktualität nicht verloren: Im Bilanzbericht 2019 der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) wurde von Werkstattgesprächen unter dem Titel „Sexueller Kindesmissbrauch in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen“ berichtet.

Bei der Diskussion innerhalb von Fachkreisen wird sehr schnell deutlich, dass es anscheinend lediglich zwei mögliche Meinungen gibt. Die Fronten sind verhärtet. Einerseits betiteln die BefürworterInnen diejenigen, die das Konstrukt der „rituellen Gewalt“ anzweifeln, mitunter als aktive Täterschützer und werfen ihnen vor, Betroffenen nicht glauben zu wollen.[9] Außerdem wird Skeptikern der Theorie unterstellt, dass sie nicht bereit wären, sich fortzubilden[10] oder veraltete Studien heranziehen würden. Andererseits wird von Kritikern die „Rituelle Gewalt“-Theorie mitunter als reine Verschwörungstheorie abgetan.

Doch damit wird man der fachlichen Auseinandersetzung keinen Schritt näherkommen. Es ist daher dringend an der Zeit, dass eine fachliche, sachdienliche Diskussion zu diesem Thema geführt wird. Diese Meinung wird ebenfalls im Bilanzbericht[11] der UBSKM vertreten.

Die starke Polarisierung der beiden Positionen kann dazu führen, dass nicht die Betroffenen und deren therapeutisch hilfreiche Behandlung, sondern die eigene Haltung und Weltanschauung im Vordergrund stehen.

Betroffenenberichte versus Therapieempfehlungen

Während es auf der einen Seite die Berichte der von „ritueller“ Gewalt betroffenen Klienten gibt, haben wir in unserer Beratungsstelle andererseits Berichte darüber, dass psychisch instabile und hilfesuchende Menschen erst durch eine Kombination aus Therapien, Medien und Internetforen nach und nach daran glaubten, sie seien Opfer „ritueller“ Gewalt geworden. In der Therapie sei ihnen erklärt worden, sie würden typische Symptome sexuellen Missbrauchs zeigen. Ihre psychische Instabilität sei allein darauf zurückzuführen, dass sie in der frühen Kindheit schwersten Misshandlungen ausgesetzt gewesen wären. Die Erinnerungen daran seien verdrängt und auf andere Persönlichkeitsanteile abgespalten worden, um „die Seele zu schützen“. Um alle Persönlichkeitsanteile wieder zu integrieren, sei es daher notwendig, diese angeblich verdrängten Erinnerungen wiederherzustellen.

Dagegen bleibt festzuhalten, dass bei einem Verdacht auf eine zugrundeliegende Traumatisierung verfrühte Schlussfolgerungen und pauschalisierende Wertungen vermieden werden sollten.[12] Außerdem wird vom weltweit größten Psychologenverband (APA)[13] darauf hingewiesen, dass es keine typischen Symptome gibt, die eindeutig auf einen sexuellen Missbrauch hinweisen.[14] Des Weiteren wird geraten, besorgt zu sein, falls die TherapeutIn von einer großen Anzahl an Patienten berichtet, die während der Therapie Erinnerungen an einen Missbrauch in der Kindheit wiedererlangten.[15]

Einzelfall oder Methodik?

Das Ziel dieses Artikels ist es, einen Überblick über die „Rituelle Gewalt Mind-Control“- Theorie und die daraus abgeleiteten Methoden zu ermöglichen. Aufgrund der Komplexität des Themas wird im Folgenden zuerst der Erfahrungsbericht einer Klientin aufgeführt, die lange Zeit glaubte, „Überlebende von ritueller Gewalt“[16] und eine „Multiple“ zu sein. Erst nach Jahren erkannte sie, dass ihre Therapie auf Basis einer Theorie erfolgte, die wissenschaftlich nicht belegt werden kann. Später gelang es ihr, eine hilfreiche psychotherapeutische Unterstützung zu finden, die es ihr ermöglicht hat, wieder arbeiten zu gehen und eine glückliche, feste Partnerschaft zu führen.

Im Anschluss werden einzelne Passagen des Betroffenenberichtes besprochen. Neben einer psychologischen Einschätzung soll anhand der gängigen Literatur zur „Rituellen Gewalt“ geprüft werden, ob darin Hinweise zu den im Erfahrungsbericht beschriebenen therapeutischen Vorgehen zu finden sind. Dabei handelt es sich vorrangig um die Literatur von Frau Michaela Huber, Psychotherapeutin, die das erste deutschsprachige Buch zu diesem Thema veröffentlichte. Dieses gilt als „Klassiker“ und wurde 2010 überarbeitet und neu aufgelegt. Außerdem wurde die Literatur der kanadischen Psychologin Alison Miller herangezogen. Zum einen aufgrund ihrer Aktualität (Neuauflage 2018 und 2019) und zum anderen, da sie sowohl ein Selbsthilfebuch für Betroffene als auch einen Ratgeber für Psychotherapeuten zur Therapie bei „Ritueller Gewalt und Mind Control“ herausgegeben hat. Nach einer Zusammenfassung des Artikels werden Empfehlungen bei der Suche nach einer geeigneten Psychotherapie und zum Umgang bei dem Verdacht einer Traumatisierung gegeben.


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Zersplitterung nach Therapie - Erfahrungsbericht

Anonym

Wie alles begann

Mit Anfang 20 geriet ich in eine Krise. Ich war damals hochbelastet, hatte schon einiges hinter mir (sehr instabile Familienverhältnisse, emotionaler Missbrauch, Mobbing). Zu der Zeit hatte ich zusätzlich beruflichen Stress und litt unter dem schlechten Betriebsklima auf der Arbeit. Ich bekam Depressionen, Angstzustände, Suizidgedanken, stand unter Dauerspannung und verletzte mich selbst. Ich war mit dem Leben überfordert und haltlos. Auch war ich extrem selbstunsicher und hatte kein Selbstvertrauen und ließ alles mit mir machen, wehrte mich nicht. Ich handelte permanent gegen meine Bedürfnisse, konnte keine Grenzen setzen, bekämpfte mich selbst und war gleichzeitig verzweifelt. Diese Krise sowie die Selbstunsicherheit machten mich sehr vulnerabel für alles, was danach kam.

Erste Therapieerfahrungen

Zu dieser Zeit fing ich die Psychotherapie an. Meine Therapeutin sah in meinen Symptomen Anzeichen für sexuellen Missbrauch. Ich wurde danach gefragt und verneinte ganz klar, da ich keinerlei Erinnerungen an einen sexuellen Missbrauch hatte. Die Therapeutin erklärte mir, dass man Missbrauch verdrängt und je schlimmer ein Missbrauch sei, desto tiefer würde man ihn verdrängen. Das wäre ein Schutzmechanismus der Seele. In der Therapie sollte aufgedeckt werden, ob und was genau geschehen ist. Ich habe zwar kategorisch abgelehnt, habe mich aber verunsichern lassen, denn schließlich könne ich es auf Grund verdrängter Erinnerungen nicht wissen.

Auf Anraten meiner Therapeutin ging ich freiwillig auf eine Psychosomatische Station. Dort wurde ich mit dem Thema weiter durch Mitpatienten und in der Therapie konfrontiert. Einige Mitpatienten wussten vorher nichts von ihrem Missbrauch und haben es durch die Therapie erst erfahren. Ich stellte meine eigene Wahrnehmung in Frage, denn es ist ganz normal, sich nicht zu erinnern. Mir wurde gesagt, man muss sich ganz vorsichtig den verdrängten, verschütteten Erinnerungen nähern. Ich war damals sehr unsicher und völlig hin und hergerissen, ließ mich aber darauf ein. Ich war nur Patient, die Therapeuten hatten studiert und waren die Experten. Explizite Aufdeckungsarbeit ließ ich in der ersten Therapie nicht zu, aber das Thema „sexueller Missbrauch“ stand die ganze Zeit im Raum und das war sehr verunsichernd.

Während all meiner Therapien wurde ich behandelt wie jemand, der sexuell (später „rituell“) missbraucht wurde. Wenn ich äußerte, dass es ein Irrtum sein muss, reagierte ich nach Meinung der Therapeutin auf die Art und Weise darauf, die typisch ist für Menschen, die etwas so Schreckliches erlebt haben. Dadurch wurde ich immer unsicherer und begann mich nach und nach zu fühlen wie eine sexuell („rituell“) missbrauchte Frau, auch wenn ich gar keine Erinnerungen hatte. Ich war zu unsicher, um die Therapie zu beenden. Diese Ambivalenz hat sich in all den Jahren nie aufgelöst. Das wiederum sei ein typisches Symptom und völlig normal bei sexuellem (später „rituellem“) Missbrauch sowie Multipler Persönlichkeit. Ich beendete die erste Therapie, als meine Therapeutin meinte, dass der Missbrauch doch feststehen würde. Ich hatte mich jedoch nicht festgelegt. Ich versuchte danach das Thema „verdrängter sexueller Missbrauch“ zu verdrängen, aber es gelang mir nicht. Die Unsicherheit, die ich als allgemeine Selbstunsicherheit in die Therapie bereits mitbrachte, verstärkte sich durch die Annahme, ich könnte nicht wissen, ob ich nicht doch missbraucht worden sei. Ich traute mir selbst nicht mehr.

Diagnostik

Ich ging zu einer Selbsthilfegruppe und lernte dort die ersten „Multiplen“ kennen. Eine von ihnen riet mir, mich aufgrund meiner Unsicherheit an einen Verein zu wenden, der sich um Opfer sexuellen Missbrauchs kümmerte. Ich glaubte zu der Zeit nicht mehr, dass ich das wissen könnte und erhoffte mir Sicherheit von außen, was mich sehr empfänglich für Suggestionen machte. Eine Mitarbeiterin des Vereins vermutete bei mir eine DIS und wollte dann, dass ich mich diagnostizieren lasse. Das verunsicherte mich stark und ich habe dann einen Termin mit der mir genannten Expertin gemacht, um endlich Sicherheit zu bekommen. Die Diagnostik dauerte 5 Stunden, verteilt auf 2 Termine. Ich wurde während der ganzen Zeit gefilmt und dabei wurden mir Fragen gestellt. Ich hatte mit den Fragen Probleme und wusste nicht genau, was mit den Fragen überhaupt gemeint war, da diese sehr schwammig formuliert sind. Während der zweiten Testung wurde ich plötzlich gefragt, ob ich mich prostituieren würde. (zur Erklärung: Ein solcher Hintergrund wird bei der Diagnose DIS häufig vermutet, gehört quasi zur Grundannahme dazu).

Ich:                      „Nein, natürlich nicht!“
Diagnostikerin:   „Woher wollen Sie denn wissen, dass Sie sich nicht prostituieren?“
Ich:                      „Ich würde doch wissen, ob ich mich prostituiere!“
Diagnostikerin:   „Wenn eine andere Person von Ihnen sich prostituieren würde, würden Sie davon ja nichts mitbekommen.“
Ich:                     „Ich würde doch wissen, ob ich mich prostituiere!“
Diagnostikerin:  „Ja, woran würden Sie das denn merken, dass Sie sich prostituieren?“

Im Nachhinein ärgere ich mich noch heute, dass ich nicht gegangen bin oder zumindest bei meinem Standpunkt geblieben bin. Stattdessen bin ich mit dieser Art der Argumentation mitgegangen.

Ich:                     „Ich hätte dann ja wohl so etwas wie Reizwäsche.“
Diagnostikerin:  „Es könnte ja sein, dass die andere Person das bei ihrem Zuhälter aufbewahrt.“
Ich:                     „Ich hätte mehr Geld.“
Diagnostikerin:  „Es könnte ja sein, dass eine andere Person von Ihnen ein anderes Bankkonto hat.“
Ich:                     „Aber ich würde doch wissen…aber ich würde doch wissen…“

Diese Form der Argumentation, bei der mir am Ende kein Argument mehr einfiel, begegnete mir während meiner gesamten Therapiezeit. Jedenfalls bekam ich dann am Ende der Befragung das Ergebnis, dass ich hoch dissoziativ sei. Die Diagnose „dissoziative Identitätsstörung“ (DIS) konnte zwar nicht mit 100%tiger Wahrscheinlichkeit gestellt werden, da man keinen Wechsel beobachtet hatte. Aber das käme so gut wie gar nicht vor, weil sich die anderen Personen wegen der Kamera nicht zeigen möchten. Ich bekam dann noch die Information, dass ich mindestens 10 Jahre Therapie bei einem Experten bräuchte und den Namen einer Therapeutin, an die ich mich wenden könnte. Für mich war diese Diagnose als wäre meine Welt zusammengebrochen. Ich schaffte es gerade noch bis zum Auto, dann kamen die Tränen. Ich glaubte, die Diagnose würde beweisen, dass ich sexuell missbraucht worden sein muss oder Schlimmeres, denn schließlich kannte ich bereits die Grundannahmen der Dissoziativen Identitätsstörung.

Grundannahmen DIS:

Wenn man die Diagnose DIS bekommt, ist man mit folgenden „Fakten“ konfrontiert: Es soll im Innern „Personen“ geben. Jede Person entsteht in einer Situation in Todesnähe und trägt die Erinnerung an das jeweilige Trauma, für das man selbst eine Amnesie hat. Für die Entstehung von DIS müssen die Traumata besonders extrem gewesen sein. Dass man von diesen Personen nichts weiß, gilt als vollkommen normal. Die Amnesien können sich durch Zeitlücken bemerkbar machen. Wenn man eine Zeitlücke hatte, war eine andere Person draußen, zu der man Kontakt aufnehmen muss. Diese Zeitlücken können allerdings völlig fehlen aufgrund der „Amnesie für die Amnesie“.

Also kurz: Man hat Personen von denen man nichts weiß, die schreckliche Dinge erlebt haben, von denen man nichts weiß und auch heute Dinge tun, von denen man nichts weiß und man weiß gar nicht, dass man nichts weiß. Das alles muss in der Therapie dann erst aufgedeckt werden. Das kann man als Klient nicht widerlegen, denn man würde gar nicht wissen, wenn es so wäre.

Diese Grundannahme hat bei mir zu einer Destabilisierung geführt. Diese Destabilisierung gilt jedoch als normal. Während meiner ganzen Therapiezeit wurde an meiner Lebensgeschichte, den instabilen Lebensverhältnissen in meiner Familie, meinen Mobbingerlebnissen, meiner stressigen Arbeitssituation und meiner Selbstunsicherheit nicht wirklich gearbeitet. Im Gegenteil wurde meine Selbstunsicherheit durch die Grundannahme der Amnesie verstärkt. Statt mir zu vertrauen, lernte ich, dass ich genau das nicht kann.

Es ging nur darum aufzudecken, schließlich hatte ich eine DIS und meine Lebenserfahrung reichte als Ursache einer DIS nicht aus. Das war sicher für mich auch eine Motivation, dass ich anfing, nach schlimmeren Dingen zu suchen, bis ich sie vermeintlich fand. Letztendlich war es auch eine Kombination aus Therapeuten, die ein bestimmtes Bild im Kopf hatten und bei einer DIS-Diagnose denken: „Oh mein Gott, was muss die erlebt haben“ und mir, die bereits die Grundannahmen der DIS kannte und selbst dachte „Oh mein Gott, was muss ich erlebt haben“. Therapiert wurde das Bild, nicht ich. Es ging nicht um das, was ich wusste, sondern nur darum, was ich nicht wusste.

Satanskulte/Mind-Control-Verschwörungstheorien

Der eine Teil der Verschwörungstheorie des „rituellen“ Missbrauchs ist, dass in Satanskulten im großen Stil Kinder missbraucht und Babyopferungen durchgeführt werden. Die andere Annahme ist, dass organisierte Tätergruppen bei ihren Opfern schon von Geburt an (oder vorgeburtlich) durch Folter künstlich eine DIS erzeugen und die einzelnen erschaffenen Personen dann programmieren. Die Täter könnten die Opfer wie mit einer Fernbedienung steuern, ohne dass die Betroffene irgendetwas davon weiß (dissoziative Barrieren). Mit dieser Theorie sind Menschen mit einer DIS-Diagnose oder Traumatherapeuten, die sich zum Thema DIS (bei bestimmten Experten) fortbilden, als „Fakt“ konfrontiert und sie lernen im Angesicht emotionaler Betroffenheit sowie „Fachlichkeit“, wie man die „Anzeichen“ und „Hinweise“ liest.
Ich habe das Gleiche immer wieder aus verschiedenen Quellen gehört (Foren, Büchern, Therapien, Webseiten). Das ist so in der Szene: „Alle erzählen das Gleiche, also muss es wahr sein.“ Ich vertraute darauf, was Fachleute dazu sagten. Die kennen sich schließlich aus, sind Spezialisten mit zig Fortbildungen zu „Multipler Persönlichkeit“ und „ritueller Gewalt“ und „Programmen“.

„Du wirst doch nicht behaupten, dass es keinen sexuellen Missbrauch gibt!“

Neben anekdotischer Evidenz aus „Betroffenenberichten“ ist die weitere typische Argumentation: „Bisher wurde noch nicht ein Fall bewiesen, aber es gibt ja Teilaspekte des Ganzen (sexuellen Missbrauch, Mord, Entführung, Organisierte Kriminalität etc.), also gibt es auch…“. Dabei wird vom eigentlichen Thema abgelenkt und emotionaler Druck aufgebaut: „Du wirst doch wohl nicht behaupten wollen, dass es keinen sexuellen Missbrauch gibt!“ und „…, dass es keine Gewalt gibt!“ Dann geht es weiter mit: „Siehst du! Und warum soll es keine „rituelle Gewalt geben, nur weil du dir das nicht vorstellen willst, was Menschen einander antun!?“ Als Beispiele für „rituelle Gewalt werden dann häufig schlimme Taten genannt: „Es gibt doch Natascha Kampusch, die Rudas, Fritzl, Dutroux, Höxter… also gibt es „rituelle Gewalt.“ Dinge werden einfach umbenannt in „rituelle Gewalt“. Weiter wird argumentiert: „Organisierte Kriminalität gibt es, das kannst du schließlich nicht bezweifeln“. Bei den Programmen wird argumentiert: „Es gibt den Pawlowschen Hund, also gibt es auch Programmierungen (Mind Control).“ All diese Argumente für „rituelle Gewalt“ lenken vom eigentlichen Thema weg und die Beispiele enthalten die wesentlichen Punkte der Verschwörungstheorie nicht.

Programmierung

Es gilt in der Szene als gesichertes Wissen, dass Täter Kinder absichtlich in multiple Persönlichkeiten aufspalten und diese Persönlichkeiten programmieren. Es gibt Therapiestörungsprogramme, Selbstverletzungsprogramme, Albtraumprogramme, Tötungs- und Suizid-programme u.v.m.

Bei der „normalen Programmierung“ sind nur einzelne „Personen“ betroffen. Z. B. streift ein Täter sich über seine Augenbraue, ein „Innie“ (Bezeichnung für Innenperson) sieht das, kommt raus und bringt sich um. Bei der „globalen Programmierung“ wäre das gesamte „System“ (also alle „Personen“ der Klientin) betroffen z.B. Täter streift sich über seine Augenbraue und Klientin wird allgemein suizidal oder möchte die Therapie abbrechen etc. Bei der Programmierung wird davon ausgegangen, dass die Täter ihr Opfer in Todesnähe bringen, da sich in Todesnähe die Seele spaltet und eine neue Person entsteht. Diese neue Person ist in der Vorstellung unbeschrieben und kann nun konditioniert werden. Selbst wenn Betroffene „Dinge schildern, die so nicht gewesen sein können“ gilt als „Beweis“, denn es gibt das sogenannte „Cover-Programm“, welches dazu führt, Unglaubwürdiges zu erzählen. Programmierungen werden anhand von Symptomlisten diagnostiziert. Mit den Programmierungen steht dann auch „ritueller Missbrauch“ im Raum.


Das „Mystische Bild“ der Multiplen Persönlichkeit (Multienergien und Co)

So wie den Tätern in der Szene quasi übermenschliche Macht zugesprochen wird (Erschaffung Multipler Persönlichkeit, völlige Kontrolle durch Programmierungen, alle halten dicht …), werden den Multiplen selbst übersinnliche Fähigkeiten zugesprochen. Es wird z. B. behauptet, Multiple könnten mit ihren Energien elektronische Geräte beeinflussen. Wenn das Licht flackert, der PC abstürzt oder das Auto nicht anspringt, dann wird das auf diese sogenannten „Multienergien“ zurückgeführt.
Innenpersonen werden häufig als wirkliche Personen gedeutet:

  • Je nach Person soll es unterschiedliche Augenfarben, unterschiedliche Sehstärken und Schuhgrößen geben.
  • Schwankungen des Blutdrucks, der Herzfrequenz, des Pulsschlags oder des Blutzuckergehalts werden auf unterschiedliche Personen zurückgeführt.
  • Es wird behauptet, dass unterschiedliche Personen unterschiedliche Erkrankungen hätten (eine „Person“ hat Krebs/Asthma, die andere nicht)
  • Medikamente wären nur wirksam, wenn die erkrankte Person „vorne“ ist. Wenn Kindpersonen „vorne“ wären, bestünde die Gefahr einer Überdosierung, wenn diese eine Erwachsenendosis bekämen.
  • Autofahren ist gefährlich, falls ein „Kind vorne“ ist, da Kinder noch nicht Auto fahren könnten.
  • Verletzungen verschwänden, wenn die verletzte Person nach „innen“ geht (daher lassen sich nach Folter auch keine Verletzungen erkennen).

Diese Sicht der „echten Personen“ besteht gleichzeitig neben dem Erklärungsbild der Dissoziation und wird nicht nur von Multiplen, sondern auch von Therapeuten geglaubt und vermittelt.

Feiertage

„Rituell“ missbrauchten Menschen, geht es an Feiertagen schlecht, da an diesen Tagen schreckliche Dinge passiert sind und immer noch passieren (Nachwirkungen oder Angst vor dem Tag bei vorhandenem Täterkontakt). Ist der Feiertag am gleichen Tag oder kommt noch, muss der Feiertag „gesichert“ werden. Eine gängige Methode ist, sich einsperren zu lassen und den Schlüssel abzugeben. War der Feiertag schon, muss herausgefunden werden, ob man nicht doch bei den Tätern gewesen ist. Man kann nicht wissen, ob nicht doch eine andere Person aufgestanden ist und bei den Tätern war. Falls man sich erinnert, zuhause gewesen zu sein, muss das jedoch nicht stimmen. Es könnte eine programmierte Deckerinnerung sein. „Dass da nichts ist, heißt nicht, dass da nichts ist.“ Je nach Liste gibt es bis zu 135 Feiertage im Jahr, wodurch es so gut wie unmöglich ist, dass kein Feiertag in der Nähe ist. Im Prinzip ist das eine praktische und einfache Erklärung für alles. Ich habe das nicht gecheckt und dachte immer: „Oh Gott, wenn es mir schlecht geht, ist wirklich ein Feiertag in der Nähe.“ Wenn man dann diese Feiertagslisten benutzt oder darauf hingewiesen wird, wann der nächste Feiertag ist, um zu schauen, welche Tage man sichern muss, geht es einem dann wirklich oft schlecht aufgrund des Nocebo-Effekts. Man rechnet schließlich damit und assoziiert diese Tage mit Gefahr und schlimmen Dingen. So oder so bekommt man die Bestätigung.

Täterkontakt

Therapeuten sind angehalten, die Frage nach einem Täterkontakt immer und immer wieder zu stellen und Täterkontakt steht so lange im Raum, bis alle Personen gefunden worden sind. Aber selbst dann, wenn alle Innenpersonen gefunden wurden, kann es immer noch sein, dass sich darunter noch eine weitere Schicht Innenpersonen mit Täterkontakt befindet. Auf ein „Nein“ folgte z.B.: „Ja, Sie nicht, aber jemand anderes von Ihnen vielleicht. Das würden Sie nicht mitbekommen. Sie wären ja gar nicht dabei“. Als Klient bleibt hängen, dass ein „Nein“ gar nichts bedeutet. Solange die Täter noch Zugriff haben, ist keine Traumatherapie möglich. Solange Täterkontakt im Raum steht, muss man die Feiertage sichern, also verhindern, dass man zu den Tätern gehen könnte oder die Täter einen kontaktieren könnten, selbst dann oder gerade dann, wenn keinerlei Erinnerungen an irgendeinen Täterkontakt vorhanden sind.

„Falsche Erinnerungen gibt es nicht“

Die Forschung zu falschen Erinnerungen wird innerhalb der multiplen Kreise sehr diskreditiert. Falsche Erinnerungen wären rein interessengeleitet von der Täterorganisation der „False-Memory-Foundation“ in den USA. Diese wurde von Tätern gegründet, um Opfer von Missbrauch zu diskreditieren. Letztendlich hat der Umgang mit falschen Erinnerungen als „Täterpropaganda“ und der Umgang mit Zweifeln als „täterunterstützend“ dazu geführt, dass ich mich mit dem Thema zu der Zeit nicht beschäftigt habe, da dies direkt Schuldgefühle ausgelöst hat. Menschen werden in der Szene eingeteilt in „Überlebende“, Verbündete und Helfer und auf der anderen Seite stehen die Täter und die ungläubige Gesellschaft, die die Täter schützt. Man ist entweder auf der einen Seite oder auf der anderen. Ich wollte nicht auf der Täterseite stehen.

Nach der Diagnostik

Ich fand dann eine Therapeutin, die mich aber nicht nehmen konnte, diese vermittelte mir einen Kontakt zu einer „erfahrenen Multiplen“, die mich „an die Hand nehmen könnte“ bis ich eine Therapeutin gefunden hätte, da ich ja noch „ganz am Anfang stünde“. Ich traf mich mit dieser Multiplen und wir wurden Freunde. Diese Multiple erzählte mir dann, dass sie seit 10 Jahren Therapie machte und aus mehr als 300 Personen bestehen würde. Sie erzählte mir auch sehr ausführlich immer wieder, dass sie von Satanisten missbraucht wurde und ihre Kinder umbringen musste und seitdem sie das mit den Satanisten und den Kindern wüsste, würde sich die Ursprungsperson nur noch umbringen wollen. Ich dachte, „Oh das ist jetzt eine, die das erlebt hat, was im Huberbuch steht“. Ich hatte davon gehört und glaubte erstmal, dass es sowas gibt und sie tat mir auch sehr leid. Ihr ging es auch richtig schlecht. Sie gab mir dann auch das Buch „Vater unser in der Hölle“ zu lesen, damit ich sie besser verstehen könnte. Sie erzählte teilweise auch, Dinge, die so gar nicht zusammenpassten, denn sie war auf der Flucht vor den Tätern, wohnte aber noch in dem Haus, in dem sie aufgewachsen war und noch andere Dinge. Ich dachte damals, naja bei dem, was die erlebt hat, kein Wunder. Allerdings war sie sehr instabil und unberechenbar und ich mit ihr völlig überfordert. Das ging dann über Monate bis die Situation dann völlig eskalierte und ich diese Freundschaft fluchtartig verließ. Dass ich selber irgendwas mit „ritueller“ Gewalt zu tun haben könnte, schloss ich damals noch völlig aus. Ich hatte dann eine Therapeutin gefunden und fing mit der Therapie an.

Aufdeckungsarbeit von Personen

Meine Therapeutin hatte das mystische Bild von DIS im Kopf. Gefühle, Gedanken, Reaktionen, jede noch so kleine Veränderung, war ein Hinweis auf eine Person. Es gab immer wieder Gespräche wie:

Therapeutin:  „Oh, wer ist denn jetzt da.“
Ich:                 „Ja, ich!“
Therapeutin:  „Wer ist denn „ich“?“
Ich:                 „Ja, ich.“
Therapeutin:  „Hat dieses Ich denn auch einen Namen?“
Ich:                 „Nein!“
Therapeutin:  „Sie müssen mir Ihren Namen nicht nennen, aber es würde mir helfen, sie auseinander zu halten.“


Tagebuch schreiben

Das Tagebuchschreiben soll der Kommunikation zwischen „Innenpersonen“ dienen. Man soll in ein Tagebuch schreiben: „Hallo, ich bin …, ich möchte euch kennenlernen“ und dann sollen die anderen zurückschreiben. Ich fing jede Menge Tagebücher an und beendete sie dann aber wieder. Da das nicht klappte, ging es in der Therapie erst einmal darum, wer das nicht möchte und ob diese Person nicht mit der Therapeutin reden möchte. Schließlich muss es eine Person geben, die das verhindert.


Kontaktaufnahme zu Personen, „Hineinsprechen“, „Herausrufen“

Die Therapeutin sprach beschwörend auf mich ein: „Ich spreche jetzt in Sie hinein. Ich möchte alle bitten, mir zuzuhören. Ich spreche jetzt in Sie hinein. Ich möchte, dass die Person, die nicht mehr leben möchte (oder die Seiten aus dem Tagebuch reißt etc.), nach vorne kommt und mit mir spricht.“
Die Therapeutin wiederholt das „ich spreche jetzt in Sie hinein…“ mehrfach und wartet dann. Dann fragt sie weiter, „Wer“ denn jetzt „da“ sei, wie alt man sei oder, welche Aufgabe man habe. Dieses „Hineinsprechen“ war für mich immer eine sehr unangenehme Situation, von der ich aber wusste, dass ich mich darauf einlassen muss, damit die Therapie Erfolg haben kann.


Zweifel als Beweis

Wenn ich mal wieder zweifelte, meinte meine Therapeutin, dass es egal sei, ob die Personen echt seien oder nicht. Zweifel bei DIS seien normal und werden als Beweis für die Diagnose gesehen. Daran, dass wirklich echte Personen in einem leben würden, zweifeln einige Menschen mit dieser Diagnose lange und immer wieder, auch an der autobiographischen Echtheit der Bilder, die im Kopf entstehen. Das gilt jedoch als völlig normal.


Personen im Alltag herauslassen

Ich sollte üben, die Kinder nach vorne zu lassen, damit diese ihre Bedürfnisse befriedigen können (z.B. Kinderfilme gucken, Kinderspielzeug kaufen und die Kinder damit spielen lassen…). Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Kinder nur lernen könnten, wenn sie selbst „vorne“ sind. Meine Therapeutin versuchte in der Therapiestunde die Kindpersonen herauszuholen, z.B. indem sie mir für die Kleinen Buntstifte hinlegte. Ich wollte das nicht und bat sie etwas bestimmter, die Stifte wegzulegen. Hinter dieser Reaktion müsse eine Person stecken, wahrscheinlich eine männliche Beschützerperson. Wer könnte das denn sein? So ging das die ganze Zeit.


Imagination

Es wird gesagt, Multiple verfügen über ausgesprochen gute Imaginationsfähigkeiten und eine reichhaltige Innenwelt, die man sich therapeutisch zunutze machen könnte auch zur Aufdeckung von Personen und Erinnerungen. Besteht noch keine Innenwelt, soll man eine erschaffen, damit die Personen einen Ort haben, an dem sie leben können. Das kann z.B. ein Haus sein, in dem sich jede Person ihr Zimmer einrichtet. Ich selbst verfüge über keine guten Visualisierungsfähigkeiten, so dass Imaginationsübungen bei mir nicht funktionierten, egal wie sehr ich mich anstrengte. Ich war und blieb eine Multiple ohne Innenwelt und sämtliche Versuche Imagination anzuwenden scheiterten. Die Therapeuten konnten sich das nicht erklären und deuteten, dass „Dunkle Innenpersonen“ die Therapie stören würden. Später wurde gedeutet, dass es sich hierbei um ein „Therapiestörungsprogramm“ handele, da Imagination für die Aufdeckungsarbeit, Erinnerungsarbeit sowie die Traumabearbeitung unerlässlich ist.


Könnte-Ebene

Da keine Erinnerungen vorhanden sind, arbeitet die Therapie vor allem auf der „Könnte-Ebene“ mit „Spekulationen“ und „Möglichkeiten“. Es werden Deutungen vorgenommen und Vorschläge eingebracht von der Therapeutin. Man soll sich in diese Möglichkeiten hineinversetzen und hineinfühlen. Dann wird weiter hineingefragt. Nebenher bekam ich in der Therapie jede Menge Informationen über Missbrauch und Schilderungen der Erlebnisse anderer Menschen (direkt aus erster Hand in der Therapie oder von anderen Betroffenen aber auch durch Literaturempfehlungen).


Deutungen

Sehr zentral in dieser Therapieform sind auch Deutungen von Symptomen, Träumen, gemalten und inneren Bildern, sowie der eigenen bekannten Lebensgeschichte. Beispiele hierfür wären:

  • Derealisation: „Körpererinnerung an Drogen“, Beklemmungsgefühle (Globusgefühl) bei Angst: „Körpererinnerung an Würgen“, Schmerzen bei der Regel: „Körpererinnerungen an Missbrauch“…
  • Verwenden von düsteren Motiven oder den Farben rot und schwarz bei Bildern: „ritueller“ Missbrauch (rot und schwarz sind die Farben der Täter).
  • Träume gelten als Erinnerungen, in Träumen würden Innenpersonen Erinnerungen austauschen, weil im Schlaf die dissoziativen Barrieren durchlässiger wären.
  • Die eigene Lebensgeschichte wird im Kontext von „ritueller“ Gewalt gedeutet.


Therapieverlauf

Die in der Aufdeckungsarbeit verwendeten Fragen und Methoden waren Auslöser von Beklemmungen und Panikzuständen, sowie emotionale Bedrängnis allgemein. Der Gedanke, dass in mir „Personen wohnen, mit denen ich mir einen Körper teile“, machte mir zudem eine Heidenangst. Ich bekam nachts Albträume, in denen ich wechselte und unangemessene Dinge tat (z.B. mir am Arbeitsplatz eine Zigarette anzustecken).

Ich kam in dieser Zeit auf maximal 4 Stunden Schlaf pro Nacht, wenn ich überhaupt schlief. Das wurde damals jedoch nicht als Problem gesehen. Bei Multiplen wäre es so, dass wenn ich nicht schlafe, irgendwer anders im Innern schon schlafen würde. Nach dem Motto: „Was die Seele alles kann“. Wenn sich bei mir jemand länger nicht meldete, sorgte ich mich, ob ich nicht unwissentlich irgendwas Schlimmes gesagt oder getan hätte. Außerdem bekam ich Panikattacken, in denen ich mich nicht bewegen und nicht atmen konnte und Schlafparalysen (wahrscheinlich aufgrund des Schlafmangels). Das dauerte jeweils nur ein paar Sekunden und ich schreckte in Panik hoch. Das wurde als Erinnerungen anderer Personen gewertet. Auch am Tag bekam ich zunehmend einschießende Bilder mit entsprechender Gefühlsreaktion und in den Momenten glaubte ich, die krassesten Sachen erlebt zu haben.

Ansonsten lebte ich wie in einem Traum, alles kam mir unwirklich vor und funktionierte nur noch wie auf Autopilot. Ich begann, mich bei Gefühlen und Reaktionen zu fragen, ob dahinter eine Person stecken könnte und wenn ja „wer“. Das alles galt als Fortschritt. Die dissoziativen Barrieren würden durchlässiger werden und die Personen würden sich heraustrauen, weil ich jetzt eine Therapeutin hätte, die an sie glaubt. Ich fing an, mich als „Personen“ wahrzunehmen.


Foren

In einem Multiplen Forum lernte ich meine frühere beste Freundin kennen. Meine Therapeutin hatte einen großen Einfluss, aber meine Freundin und das soziale Umfeld der Foren hatte noch einen viel Größeren. Auf einmal war ich mit all dem, was mich überforderte, nicht mehr allein. Ich nahm ganz automatisch die Deutungsmuster und die Sprache an.


Sprache

Man spricht in der Mehrzahl (Wir) von sich und man bezeichnet sich selbst als ein „System“. Da gibt es von den Tätern „gemachte Systeme“ mit unterschiedlich vielen „Innies“. Nebenbei gibt es in Foren noch eine andere Sprache, wenn die „Kinder“ schreiben wie z.B. „is pin di lisa. Di gosn sin gemain, di woln nis mid mia pilen“. Ich selbst wendete diese Form der „Kindersprache“ nicht an, jedoch fand ich das ganz normal, dass andere „Systeme“, die „weniger Kontrolle über ihre Innies“ hatten oder offener mit der DIS umgingen, das machten. Außerdem übernimmt man die Denkweise: „Dies ist ein Programm und das eine Körpererinnerung“, „Wir hatten gestern eine Zeitlücke“, womit manchmal auch nur gemeint war, nicht bei der Sache gewesen zu sein oder eine Stunde telefoniert zu haben und es kam einem nicht wie eine Stunde vor.


Anhaltender Täterkontakt

Meine Therapeutin vermutete bei mir Täterkontakt, weil die Therapie nicht funktionierte, es mir immer schlechter ging und ich Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung bekam, was auf aktuelle Traumatisierungen hindeuten würde. Die weitere Verschlechterung meiner Symptomatik wurde als „Anzeichen“ auf noch bestehenden Täterkontakt gedeutet. Ich wusste davon zwar nichts, aber ich wurde diesbezüglich unsicher. Ich wurde regelmäßig gefragt, ob mir irgendetwas Besonderes aufgefallen wäre, wie z.B. ein Auto. Eines Tages fuhr ich nach Hause und direkt vor der Einfahrt meines Hauses stand ein schwarzes Auto mit offenen Türen und angelassenem Motor. Ich erschrak, mein Herz fing an zu rasen. Ich hatte richtig Panik und fuhr einfach stur weiter geradeaus. Anstatt umzudrehen, bin ich eine Runde gefahren und habe versucht, mich zu beruhigen. Als ich wieder ankam, war das Auto weg und ich war einfach nur erleichtert. Meine Therapeutin und meine beste Freundin deuteten meine Reaktion als: „Da ist vermutlich noch Täterkontakt und eine Person hätte das Auto erkannt und in der Situation genau richtig gehandelt.“ Meine Freundin ging bei sich selbst auch von noch vorhandenem Täterkontakt aus und sicherte bereits die Feiertage, ich sollte es ihr gleichtun.

Da ich alleine lebte, fuhr ich an Feiertagen zu meiner besten Freundin und ihrem Freund. Er schloss uns beide „zur Sicherheit“ ein. Wir machten Pommes, tranken ein wenig Wein, quatschten, schauten Filme. Es ist nicht so, dass wir uns vor Angst vor den Tätern in die Ecke kauerten. Es war für mich irgendwie eine völlig normale Übernachtung, so komisch das klingt. Ich drängte den Kontext des Täterkontaktes weg. Das funktionierte bis die Nacht kam. An vielen Tagen wäre ich lieber zuhause geblieben, vor allem als dies immer mehr wurde. Meine Widerstände wurden aber als Vernachlässigung des Selbstschutzes und als Trick der dunklen Innies ausgelegt. „Wer möchte nicht, dass Sie in Sicherheit sind“. Auch sollte ich die Zugangswege dicht machen, so dass mich die Täter nicht abfangen könnten oder ein Programm starten könnten. Das ist die übliche Vorgehensweise und bedeutet keine Post, kein Telefon, nicht alleine raus, sämtliche Kontakte überprüfen. Letztendlich ist es völlige soziale Isolation zum vermeintlichen Schutz vor den Tätern. Mein Leben wurde sehr klein.


Klinikempfehlung

Meine beste Freundin war in der Zwischenzeit in einer Klinik gewesen, in der man auf Menschen mit DIS und „rituellem“ Missbrauch spezialisiert ist. Die TherapeutInnen sind auf diesem Thema geschult. Meine Freundin kam zurück und war sich jetzt sicher, „rituell“ missbraucht worden zu sein. Es fing an, sich zuzuspitzen. Sowohl meine beste Freundin als auch andere Multiple rieten mir in diese Klinik zu gehen. Ich wollte dann natürlich unbedingt dahin. Schließlich kennen die sich dort aus. Ich erhoffte mir endlich Gewissheit durch den Klinikaufenthalt.

Klinikaufenthalt

Als ich ankam, dachte ich noch, dort kommt raus, dass ich gar nicht multipel bin und mir alles nur einbilde. Einerseits wünschte ich mir das, aber andererseits machte es mir noch mehr Angst. Neben meinem Selbstwert, hing da auch noch mein ganzes soziales Umfeld dran. Ich hätte mich alleine gegen meine beste und einzige Freundin und die Fachleute stellen müssen. Dazu wäre ich damals nicht in der Lage gewesen. Außerdem war ich so sehr in dem Deutungsmustern drin, dass etwas anderes als DIS nicht herausgekommen wäre. Ich hatte die Sprache und die Denke vollständig übernommen.


Gewissheit über „rituellen“ Missbrauch im Kliniksetting

Wie üblich bekam ich Zusammenbrüche während des „Hineinsprechens und Herausrufens“. Die Therapeutin in der Klinik blieb jedoch hartnäckig. Meine Zusammenbrüche wurden als „Widerstände der dunklen Innenpersonen gesehen, die es zu überwinden galt“. Ich setzte mich selbst unter Druck und zwang mich dazu bei der Aufdeckungsarbeit mitzumachen. Das bedeutet, dass ich mich auf die Fragen einließ, mich in die Möglichkeiten hineinfühlte und es kam zu Situationen, an die ich gar nicht mehr denken möchte. Ich habe dann mehr oder weniger heulend auf dem Boden gesessen und irgendwelches Kopfkino erzählt, dass ich noch von Männern abgeholt werden würde. Gleichzeitig dachte ich: „Was erzählst du hier? Das ist doch gar nicht passiert!“ Aber genau das ist ja, was eine Multiple ausmacht, dieses Gefühl eigentlich nur daneben zu stehen. Meine Therapeutin vermittelte mir dann nach dem „Auftauchen“, dass der Täterkontakt aus meinem Innen bestätigt worden wäre und ich sah die Situation in der Therapie vor mir und in diesem Moment glaubte ich es.

Ich kam aus dieser Therapiestunde und war wie betäubt. Mein Gedanke war einfach nur noch: „Oh mein Gott. Es ist alles wahr. Alles ist wahr.“ Es war Entsetzen pur und ich starrte in einen Abgrund. Es gab nur noch diese Gewissheit. Ich hatte keine Vergangenheit mehr, weil die sowieso nicht stimmte. „Dann ist das jetzt so. Jetzt weiß ich, was zu tun ist.“ Ich musste mir jetzt einen Therapeuten suchen, der sich mit „ritueller“ Gewalt auskennt, untertauchen, Zugänge dicht machen und diesmal wirklich. Ich war völlig eng in meinem Denken; Gefühle waren nicht mehr vorhanden. Ich plante nebenbei ohne große Emotionen, wie ich mir am besten das Leben nehmen könnte. Gleichzeitig war ich auch erleichtert, dass diese Ungewissheit endlich weg war. Das hielt allerdings nicht dauerhaft an.

Ich verließ die Klinik im Glauben, „rituell“ missbraucht und programmiert worden zu sein, obwohl ich nach wie vor keine Erinnerungen hatte. Ich fühlte mich permanent kraftlos und wie unterzuckert. Ich rechnete fest damit, dass zuhause die Täter auf mich warten. Ich wusste immer noch nicht, wer die Täter denn sein sollten. Aber ich dachte, sie würden mich jetzt umbringen oder Schlimmeres. Es ist echt krass, was so ein Kopfkino mit einem machen kann. Es war ja nur in meiner Vorstellung.


Suche nach neuer Therapeutin, die sich auskennt

Zunächst ließ ich mich auf die Warteliste einer Therapeutin setzen, die noch nichts mit dem Thema zu tun hatte, aber sehr interessiert und offen war. Dann fand ich eine Therapeutin, die sehr kompetent erschien und mehrere Arbeitskreise bezüglich „ritueller“ Gewalt besuchte. Sie versuchte gleich in der ersten Stunde, Kontakt zu den dunklen, täterloyalen Innenpersonen aufzunehmen und ließ sich von meinen Widerständen nicht beeindrucken. Sie blieb hart, auch wenn ich zusammenbrach. Ich hielt das damals für professionell. Schließlich galten meine Zusammenbrüche als „Trick der dunklen Innenpersonen“ um die Aufdeckungsarbeit zu verhindern und es ging wörtlich darum „die Macht der dunklen Innenpersonen und somit die Macht der Täter“ zu brechen. Die Therapeutin erzählte mir, dass sie bei DIS-Patienten mehr Stunden rausschlagen könnte, da sie einen Gutachter der Krankenkasse kennen würde, der daran glaubt. Ich entschied mich für die „Expertin“.


Indoktrination

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht zur ersten Therapeutin gegangen bin. Ich wäre ein typischer Fall einer Klientin gewesen, die schon mit der Überzeugung in die Therapie kam und hätte wohlmöglich die Therapeutin auch davon überzeugt und in das Glaubenssystem eingeführt. Wenn die Therapeutin sehr empathisch ist und sich mitfühlend für misshandelte und missbrauchte Kinder einsetzt, kann sie dort schnell reingeraten. Es ist nicht nur, dass Therapeuten Klienten etwas einsuggerieren, sondern auch anders herum. Es gibt Klienten, die sich das Wissen aus Büchern, Foren oder vorherigen Therapien angeeignet haben. Dann suchen sie sich einen Therapeuten, der mitgeht und bei der „Aufdeckungsarbeit“ hilft. Wenn diese Therapeuten dann eine Fortbildung zu dem Thema machen, bekommen diese dort alles bestätigt. Aus ihrer Sicht hören die Therapeuten das alles von den Patienten und sehen nicht, wie sie selbst beeinflussen. In den Büchern steht, dass man als Therapeut mit Suggestivfragen aufpassen soll. Es geht aber gar nicht darum, sondern eher um die Vermittlung der Verschwörungstheorie als Fakt gepaart mit dem Deutungssystem und den Methoden der Aufdeckungsarbeit. Wenn man etwas weitergibt, von dem man überzeugt ist, wertet man das nicht als suggestiv. Nach dem Motto: Ich rede niemandem etwas ein, ich sage nur, wie es ist. Es gilt als ganz normale Psychoedukation. Und ich selbst war auch nicht besser. Ich habe auch andere Multiple gedeutet mit dem angeeigneten „Wissen“ und dieses angeeignete „Wissen“ mit in die Therapie genommen.


Kontaktabbruch

Um die Zugangswege weiter dicht zu machen, brach ich den Kontakt zu meiner Mutter ab. Ich fühlte mich, als hätte ich sie psychisch umgebracht. Meine beste Freundin und meine Therapeutin überzeugten mich davon, hart zu bleiben. Ich hatte danach panische Angst, meiner Mutter zu begegnen und mied die Orte, an denen ich sie hätte treffen können. Gleichzeitig fühlte ich mich auch irgendwie befreit. Ich hatte das Gefühl, dass auf der einen Seite sowohl meine Freundin als auch meine Therapeuten an mir zerrten und auf der anderen Seite meine Mutter. Das äußere Gezerre hörte mit dem Kontaktabbruch auf.


Die Therapie

Nach dem Kontaktabbruch wurde weiter nach Personen gesucht, die mehr wüssten als ich. „Ich spreche jetzt in Sie hinein, ich spreche jetzt in Sie hinein.“ Diese Worte haben sich in mir fest eingebrannt. Es ging darum, endlich an mehr Informationen von anderen Innies zu kommen. Die anderen Personen in mir würden sich aus Angst vor den Tätern nicht trauen. Die Sitzungen glichen einem Befragungsmarathon unter Anwendung von Trancetechniken. Im Zuge dessen entstanden immer neue Schreckensbilder, die dann Thema in der Therapie wurden. Ich saß weinend auf dem Boden und wiederholte schaukelnd und kopfschüttelnd: „Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.“ Meist hatten wir nur ein kurzes Bild, einen Traum oder ein Symptom, welches von der Therapeutin gedeutet wurde. „Was könnte dann passiert sein, wo könnte das gewesen sein, wer könnte dabei gewesen sein?“ Letztendlich war es angeleitetes Phantasieren. Es folgte ein Vorschlag, den ich auf mich wirken lassen sollte, schauen sollte, ob irgendein Gefühl auftaucht oder neue Bilder. Es wurde hineingefragt und ich ging in mich, in das Bild, in das Gefühl und assoziierte. Wenn ich wieder „auftauchte“, erzählte meine Therapeutin, was wir herausgefunden hatten. Ich hatte danach meist wirklich Schwierigkeiten, mich zu orientieren und das Zusammenassoziierte zu erinnern.

Ich hatte die ganze Zeit über immer wieder Angst, dass ich etwas Falsches erzählen/erinnern würde. Es passierte zum Beispiel bei dem Versuch sich vorzustellen, in einer Kiste begraben worden zu sein. „Wo könnte das gewesen sein? War es in einem Wald? Riechen Sie etwas?“ Zuerst sah ich eine längliche Kiste, in die ein Mensch hineingepasst hätte. Bei der weiteren Befragung kam auf einmal anstelle dessen ein Bild einer kleinen Piratentruhe. Ich bekam Panik und wollte abbrechen. „Da stimmt was nicht! Was ist, wenn das alles nicht stimmt?“ Meine Therapeutin drängte mich weiterzumachen, mir wurde dann immer geantwortet, dass es egal wäre, ob es richtig oder falsch wäre. Wir würden jetzt erst einmal nur sammeln.

Die Form der Aufdeckungsarbeit war nichts Neues, nur bei dieser Therapeutin war sie wirklich exzessiv. Aber auch ich hatte den Wunsch, endlich weiterzukommen und setzte mich selbst unter Druck, schließlich hatte ich jetzt schon Jahre Therapie gemacht und war immer noch nicht weitergekommen, weil „die dunklen Innenpersonen und Programmierungen weiterhin die Aufdeckungsarbeit verhinderten“ (so die Deutung). Die während der Therapie entstandenen Bilder kamen mir im Nachhinein nicht vor, als hätte ich das erlebt. Aber das ist normal, denn ich hatte das schließlich nicht erlebt, sondern andere Personen von mir. Ich war in dem ganzen Glaubenssystem drin, das große Ganze hielt ich durchaus für Realität. Gleichzeitig wusste ich nichts und das war mir die ganze Zeit über bewusst. Ich sagte auch immer wieder, dass ich nichts davon wüsste. Meine Therapeutin meinte dann: „Aber die anderen in Ihnen schon! Die haben mir das erzählt“. Und ich sah mich für einen Sekundenbruchteil weinend und erzählend in der Therapiestunde und verstummte.

Therapeuten als Opfer einer Verschwörung
Meine Therapeutin erzählte mir, dass bei Fortbildungsveranstaltungen häufig Täter auftauchen würden, um die Veranstaltung zu stören oder Informationen über den Fortschritt der Therapien zu sammeln. Diese Therapeuten sehen sich in einem Wettrennen mit den Tätern, vor allem in Bezug auf die „Therapiestörungsprogramme“. Die Täter würden, sobald die Therapie anschlägt, die Klientin wieder neu programmieren, so dass die Therapie scheitert. Sie sehen nicht nur ihre Klienten, sondern auch sich selbst als Opfer einer Verschwörung. Ihre Aufdeckungsarbeit sehen sie als so wirkungsvoll an, dass sie tatsächlich glauben, die mächtigen Täter hätten Angst vor ihnen und der Methode.

Prekäre Lebenslage/Auto abgeben
Meine prekäre Lebenslage verstärkte meine Krise zusätzlich. Keine Arbeit, Armut, Leben auf 30 qm und jetzt musste noch mein Auto weg, da es Reparaturen brauchte, die ich mir nicht mehr leisten konnte. Ich wurde suizidal, plante mit dem Auto gegen eine Mauer zu fahren, solange ich es noch konnte. Solche Symptome wurden als ein „Suizidprogramm“ gedeutet. Ich wusste immer noch nicht, wer die Täter sein sollen und hatte panische Angst, von den Tätern aufgegriffen zu werden. Mir blieb nichts anderes übrig als die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen trotz Angst: Ich wohnte alleine, brauchte Nahrung, musste zu meinen Terminen. Meine Freundin sah ich zu der Zeit weniger und sie fuhr nicht mehr mit mir zur Therapie, wie sie es vorher tat, als ich noch ein Auto besaß und sie einfach mitnahm. Im Gegensatz zu meiner Freundin war ich völlig auf mich alleine gestellt. Und das war auch gut so! Denn so musste ich konfrontieren.

Weiterer Therapieverlauf
Ich fragte, ob mich die Multi-Therapie nicht multipler machen würde. Meine Therapeutin schloss das aus und redete immer wieder sehr eindringlich auf mich ein: „Stellen Sie sich ein Kind vor! Stellen Sie sich ein Kind vor!“ Sie zeigte dann mit den Händen die Größe eines Säuglings. „Und jetzt einen Erwachsenen!“ Sie stand dann auf und machte sich groß „Verstehen Sie doch, ein Kind kann sich doch gar nicht wehren!“ Es folgte dann ein sehr eindringlicher Vortrag, was alles passieren muss, damit ein Kind multipel wird, und dass dies nicht in einer Therapie erzeugt werden könne. Sie hatte ein unverrückbares Bild von multipler Persönlichkeit. Ich sollte auf gar keinen Fall in eine Klinik gehen, die sich mit „ritueller“ Gewalt nicht auskennt. Die Täter würden wollen, dass ich die Diagnose Psychose bekommen würde, damit ich unglaubwürdig wäre. Ich sollte einen Lebensvertrag machen, aufschreiben, was ich weiß. Diesen wollte sie an ein Anwaltsbüro geben. Falls mich die Täter umbringen würden, käme die Wahrheit ans Licht. Ich wusste aber nichts, somit gab es keinen Lebensvertrag.

Trancezustände nach den Therapiestunden
Diese exzessive Aufdeckungsarbeit führte dazu, dass ich die wirkliche Welt für unwirklich hielt. Ich depersonalisierte und derealisierte bis zum Umfallen. Meist bin ich aus der Therapie raus und ich konnte nicht mehr sagen, über was wir gesprochen hatten. Es war wie bei einem Traum, wenn man aufwacht und es einfach nicht mehr greifen kann. Das wurde gedeutet als „Recycling Programm“ (ein Programm der Täter, damit man noch mal von vorne anfangen muss). Ich bekam teilweise meine Umwelt nach den Stunden nicht mehr voll mit, war am Bahnhof ohne die Wegstrecke mitbekommen zu haben („Ist ja auch jemand anderes gegangen. Wer könnte das sein? Gibt es dazu ein Bild, einen Namen?“). Alles war unwirklich, so dass ich das Gefühl hatte, ich wäre zum ersten Mal hier und hätte noch nie einen Zug gesehen („Oh, eine Person, die noch nie Zug gefahren ist, vielleicht eine von den Dunklen. Versuchen Sie mal Kontakt aufzunehmen. Ich spreche jetzt in Sie hinein…“). Auch zogen mich nach den Therapien häufiger die Schienen magisch an und ich dachte fernab von jeder Emotion an Suizid. Gleichzeitig dachte ich, dass mich das jetzt beunruhigen müsste, aber ich fühlte nichts außer diesem watteweichen Gefühl, wie unter Schmerzmedikamenten oder im Halbschlaf. Oft bekam ich nach den Therapiesitzungen Migräneanfälle.

Ambulant Betreutes Wohnen
Ich kam mit meinem Leben überhaupt nicht mehr zurecht und beantragte ambulant betreutes Wohnen, um Erleichterung im Alltag zu bekommen. Ich bekam vier Stunden in der Woche bewilligt für Behördensachen, Einkaufen und psychologische Gespräche. Meine Unterstützerin (ich mag das Wort Betreuerin nicht, da ich kein Kind bin) war Psychologin und wir verstanden uns gut. Da ich sozial sehr isoliert war, nahm ich Kontakt zu einer DIS-Selbsthilfegruppe auf, zu der ich dann regelmäßig ging.

Langsamer Abfall vom Glauben/Ausstieg

Es hatte sehr viel mit diesem Unterschied zwischen meiner Therapie einerseits und den Gesprächen mit meiner Alltagsunterstützerin sowie meiner Ergotherapeutin andererseits zu tun. Ich stellte fest, dass ich keine Ahnung hatte, wer ich eigentlich bin, was ich mag, was ich zu verschiedenen Dinge denke und ich habe angefangen, intensiv über diese Dinge nachzudenken. Es fing ganz klein mit der Frage an, was denn eigentlich meine Lieblingsfarbe sei. Ich machte mir Listen, aber nicht wie in der Therapie üblich. Ich schrieb nicht, eine Person mag das, eine andere das und eine Person denkt so und eine andere so, sondern ich sammelte. Ich tat genau das Gegenteil von dem. In der Therapie hieß es immer „wer?“. Ich wusste aber gar nicht „wer“, ich hatte schon lange den Überblick verloren. Die Frage machte mir Druck und Stress und ich fand sie zunehmend unsinnig. Wenn ich meinen Schlüssel suche, frage ich auch nicht, „wer“ wissen könnte, wo der Schlüssel ist. Ich überlege kurz und suche dann den Schlüssel. Es ging nicht um Personen, es ging um die Sache. Ich verweigerte diese Fragen nach dem „wer“ vollkommen. Es ging mir sehr viel besser damit und es fühlte sich richtig an. Das war der erste Schritt raus aus dem Denksystem.

Ich hatte freitags den Termin mit meiner Alltagsunterstützerin. Wir sprachen über die Sache mit der „rituellen“ Gewalt und sie war sehr neugierig. Sie kannte das Thema aus ihrer Therapieausbildung. Wenn ich etwas erklärte, fragte sie immer noch genauer nach und noch genauer. Sie wollte, dass ich eigene Worte verwende. Meist hatte ich irgendwann keine Antwort mehr. Ich wusste nur, was ich in der Szene aufgeschnappt hatte und das fiel mir immer mehr auf. Sie deutete nie etwas, sondern fragte mich, also mich! Das kannte ich so gar nicht. Ich merkte zunehmend den Unterschied zwischen den therapeutischen Gesprächen mit ihr und meiner Therapie und bekam etwas mehr Selbstbewusstsein, da es zum ersten Mal um mich ging. Ich legte nach und nach die Multiplensprache ab, sprach wieder im „Ich“ und benutzte Begriffe wie Ambivalenzen, gemischte Gefühle etc. anstelle von „Personen“, weil es sich richtiger anfühlte.

Das gleiche vollzog sich auch in meiner Ergotherapie, dort gab es andere Erklärungen und andere Begriffe. In meiner Therapie galt Reizüberflutung als Traumaflashback und ich sollte, wenn ich reizüberflutet war, in der Situation bleiben und mir sagen, dass die Gefühle alt seien. Dieses Vorgehen brachte mir keine Erleichterung, sondern verstärkte das Problem teilweise bis zur völligen Erschöpfung. In der Ergotherapie lernte ich, es früh genug zu erkennen und aus der Situation herauszugehen sowie Sonnenbrille und Ohrenstöpsel zu verwenden. Und das half. Ich lernte auf mich und meine Bedürfnisse zu achten.

Ich setzte mich dann mit verschiedenen Dingen auseinander, bei denen ich bemerkte, dass ich keine Meinung dazu hatte oder sie nicht begründen konnte. Ich habe viele Themen recherchiert, die so im Alltag aufkamen und die mich interessierten. Ich war noch in der Kirche aufgrund meines Berufes, glaubte allerdings gar nicht an Gott. Ich beschäftigte mich mit Atheismus und kam darüber dann zu wissenschaftlichem Skeptizismus. Ich entschied, aus der Kirche auszutreten. Es fühlte sich toll an. Ich tat das. Es war meine Entscheidung! Meine! Ich hielt Homöopathie schon immer für ein Placebo, aber das Glaubenssystem dahinter kannte ich nicht. Langsam verstand ich, dass ich nicht alles glauben muss, dass ich zweifeln darf und ging dann auch konsequent meinen Zweifeln nach. Erst einmal ganz heimlich. Angefangen hat es mit dem „mystischen Bild“ der multiplen Persönlichkeit.

In der Selbsthilfegruppe wollten wir als Aufklärung den Film „Ein Körper mit System“ von dieser „Nicki“ vorführen. Ich schaute mir den Film zusammen mit einer Freundin aus der Selbsthilfegruppe an. In dem Film kommt auch: „Eine Person hat Asthma und alle anderen nicht“ vor. Natürlich wurde dann auch gezeigt, dass für die Einnahme der Dauermedikation, die Person herauskommen muss, die Asthma hat. Was ich sah, war kein Asthma. Nicki spannte alle Muskeln an und redete beim Einatmen. Ich kam mir verarscht vor. Dann hörte ich ein Radiointerview mit Frau Huber, in dem sie von unterschiedlichen Augenfarben bei unterschiedlichen Innenpersonen redete und es wie ein Wunder darstellte. Ich war verärgert und dachte: „Wenn sie einen Augenarzt fragen würde, müsste sie sich nicht wundern.“

Irgendwie setze da mein Gehirn wieder ein. Ich knöpfte mir diese ganzen esoterischen Behauptungen vor und ärgerte mich zunehmend, dass Menschen mit DIS und ihren angeblich übermenschlichen Fähigkeiten wie Aliens dargestellt werden. Ich fand die Behauptung sehr unglaubwürdig, dass Kinder über glühenden Kohlen geröstet und dabei vergewaltigt würden. Das wäre schließlich nicht so einfach zu überleben, auch nicht mit „Spaltung und eine andere Person entsteht, die das dann aushält“, es sei denn diese „Person“ sei feuerfest, was mit der realen Welt und den Naturgesetzen nicht zu vereinbaren ist. Ich las die Bücher noch einmal und schaute die Dokumentationen erneut an. Mehr oder weniger habe ich mich durch nochmalige Beschäftigung mit dieser Literatur unter einem anderen Blickwinkel entideologisiert.

Mir stach die Absurdität der Behauptungen ins Auge und ich wurde zu einem „Menschen mit DIS, der nicht mehr an Multiple Persönlichkeit glaubt“. Ich sah DIS als verschiedene Ich-Gefühle/Selbstbilder ohne Bezug zueinander an. Diese Sache mit echten Personen glaubte ich nicht mehr.

Dann ist mir aufgefallen, dass diese übermenschlichen Behauptungen nicht nur bei Multiplen aufgestellt werden, sondern auch bei den Tätern. Sie sind absolut böse, können ganze Persönlichkeitssysteme erschaffen und das alles im Geheimen. Ich fand das und finde das auch heute noch sehr destruktiv, vor allem bei Traumapatienten. Dann sitzen Patient und Therapeut gemeinsam im Glauben an die Macht der Täter in der Therapiestunde. Klienten fühlen sich zwar wunderbar verstanden, aber hilfreich ist das sicher nicht. Ängste werden geschürt und erhalten, Abhängigkeiten gefördert.

Ich hatte mich inzwischen auch wieder an Orte getraut, an denen ich aufgewachsen bin und es kamen jede Menge Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend hoch. Es fühlte sich gut an nach all den Jahren, in denen ich das aus Angst vermieden hatte. Letztendlich kamen auch schmerzhafte Erfahrungen mitsamt Gefühlen hoch und das tat weh, aber es fühlte sich echt an. Es war gut! Es war meins! Ich hatte nach und nach die einzelnen Punkte des Glaubenssystems schon durchgeixt und bin dabei immer weiter aus dem in sich geschlossenen Glaubenssystems mit den ganzen Zirkelschlüssen herausgetreten ohne zu merken, dass das ganze Gebäude bereits eingestürzt war. Von außen betrachtet war das alles nur noch absurd.

Es eskalierte dann in meiner Therapie immer mehr. Meine Therapeutin hielt mich für eine dunkle, täterloyale Innenperson und ging auch so mit mir um. Der Druck wurde erhöht bis zu dem Punkt, an dem ich dann entschied, die Therapie zu beenden. So richtig von den Gefühlen klar geworden ist es mir dann eigentlich erst direkt nach der Therapiebeendung. Ich habe nur Erleichterung gespürt: „Es ist vorbei! Es ist endlich vorbei! Das Trauma ist vorbei!“ Ich bezeichne diese Therapieform als traumatisch, ich habe für mich den Begriff „Psychische Selbstvergewaltigung“.

Ich bin dann nach Hause gefahren und erst da realisierte ich das alles wirklich und die Gefühle kamen mit voller Wucht. „Oh mein Gott, wie konnte ich da nur reingeraten“ und gleichzeitig kamen Intrusionen hoch: „Du kannst ja nicht wissen, ob das gerade nicht ein Programm der Täter ist.“ „Wieso wollen Sie wieder verdrängen?!“ Ich war nach wie vor erleichtert, aber brach mehrfach täglich weinend zusammen, duschte ca. 10x am Tag heiß. Ich hatte einen hohen Redebedarf. Es war einfach zu viel. Die Tatsachen, dass alles in einer regulären, kassenfinanzierten Psychotherapie stattfand, dass es anerkannte Fachleute sind, bekam ich nicht in meinen Kopf. Das ging über Wochen und Monate so. Während ich keine Ahnung hatte, welche Ideologie meine Täter haben sollten, kann man mich nachts um vier wecken und ich könnte einen stundenlangen Vortrag darüber halten, welcher Ideologie Multiple und ihre Therapeuten folgen. Meine Alltagsunterstützerin, die das Ganze mitbekommen hat, verglich das Ganze mit einem Sektenausstieg. Ich fühlte mich selbst auch so und ich weiß, wie das Deutungsmuster in dem Fall eines Ausstiegs lautet: „Verdrängung, Programm der Täter, Täterunterstützer.“

Neuanfang

Ich stand vor den Trümmern meines Lebens und musste mich damit auseinandersetzen, dass ich daran einen großen Anteil habe. Während andere Menschen sich ein Leben aufgebaut haben, habe ich meines zerlegt. Auch hatte ich bis auf die beiden fachlichen Kontakte, keinerlei soziale Kontakte außerhalb der Szene. Ich wünschte mir in dieser Zeit so sehr jemanden, bei dem ich mich ausweinen könnte. Bei meiner besten Freundin konnte ich das nicht. Sie hätte und hat versucht, mich mit den üblichen Argumenten zu bearbeiten und ich wollte diese Dinge nie mehr gegen mich verwendet hören. Ich war froh, zumindest durch meine Alltagsunterstützerin so etwas wie eine Therapie zu der Zeit zu haben. Mir einen neuen Therapeuten zu suchen, war für mich undenkbar. Ich dachte auch: „Das glaubt mir doch niemand!“

Während dieser ganzen Zeit rettete mich mein schwarzer Humor. Die Intrusionen bekämpfte ich, indem ich mir sagte: „Ich könnte schließlich auch nicht wissen, ob ich nicht doch von Aliens entführt worden wäre. Schließlich haben mein Vater und ich zusammen Akte X geguckt.“ Die Geschichte mit der „rituellen“ Gewalt und den Programmierungen kam mir so absurd vor wie Alien-Entführungen. Ich zog mich weiter aus der Multiplenszene zurück und versuchte andere Kontakte zu finden, was für mich aufgrund meiner Sozialphobie nicht einfach war. Ich bewarb mich erfolgreich auf eine Minijob-Stelle. Ich habe inzwischen wieder Kontakt zu meiner Mutter.

Ich entschied mich zwischendurch für eine kognitive Verhaltenstherapie als Unterstützung beim Wiederaufbau meines Lebens. Diese verlief völlig anders und ich kam mit dem Ansatz gut zurecht. Ich beschäftigte mich während der ganzen Zeit weiterhin mit wissenschaftlichem Skeptizismus, trat der GWUP bei und entschied mich dann zu einem Treffen der Skeptiker zu gehen. Ich setzte mich mit der Frage auseinander, ob ich sagen soll, dass ich mich aufgrund eigener Erfahrung als Anhänger einer Verschwörungstheorie mit dem Thema beschäftige, wenn ich gefragt würde, wie ich zur GWUP gekommen bin und welche Themen ich hätte. Ich schämte mich nach wie vor dafür, entschied mich aber dann dafür, es nicht zu verschweigen.

Ich traf dort, wie der Zufall so spielt, auf einen Mitarbeiter der Sekten-Info NRW. Ich überlegte lange und entschied mich dann, dort hinzugehen. Nicht unbedingt wegen meiner Geschichte, sondern weil ich im Umgang mit meiner Freundin vollkommen überfordert war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Kontakt, dieser gestaltete sich allerdings zunehmend schwieriger, da sie von mir Bestätigung der Deutungsmuster erwartete, die ich ihr nicht mehr geben konnte und der Druck immer weiter stieg. Als ich vor der Tür der Sekteninfo stand, kamen die Intrusionen wieder hoch: „Woher wollen Sie wissen, dass es kein Programm ist?“ „Wieso wollen Sie wieder verdrängen?“ „Verstehen Sie doch, die (Innen)Personen haben ihr Leben gerettet. Wissen Sie was Sie ihnen damit antun, dass Sie sie jetzt wieder verleugnen?“. Ich sagte mir immer wieder: „Ich kann jederzeit gehen“. Ich fing dann an, zu erzählen und das Gespräch verlief gut.


Nach meinem „Ausstieg“

Der Kontakt zu meiner früheren besten Freundin ist inzwischen abgebrochen. Ich habe mir einen neuen Freundeskreis aufgebaut und einen festen Partner, unternehme viel und hole Vieles nach. Ich stehe wieder etwas fester im Leben und arbeite daran, dass das auch so bleibt. Heute bin ich mir sicher, dass in Richtung „sexueller Missbrauch“ nichts war und ich wurde auch definitiv nicht „rituell“ missbraucht. Heute bin ich mir wieder sicher, dass ich das wissen würde. Ich glaube schlicht und ergreifend nicht mehr an die Kernthese, „dass ich es nicht wissen könne, ob nicht doch“. Das ehemalige Therapiethema ist für mich abgeschlossen.

Für Andere aber nicht und das ärgert mich. Die Szene selbst ist klein und konzentriert sich um das Thema dissoziative Identitätsstörung (DIS), so dass Menschen mit dieser Diagnose ausgerechnet von fachlicher Seite mit diesen Verschwörungstheorien ideologisch behandelt werden. Ich glaube, dass es DIS gibt im Sinne von unterschiedlichen Ich-Gefühlen. Ich bin aber gegen diese ideologische Behandlung, da sie bereits traumatisierte Menschen noch stärker traumatisiert und die eigentlichen Schwierigkeiten der Klienten nicht behandelt. Ich hatte gehofft, dass es rückläufig sei, da viele Foren geschlossen wurden, einige Traumastationen nicht mehr nach diesem Ansatz arbeiten. Weiter stattfindende Fortbildungen zum Thema „rituelle Gewalt“, das „Infoportal rituelle Gewalt“, die Studie der Uniklinik Hamburg sowie der Inhalt der Empfehlungen des Fachkreises „Sexualisierte Gewalt in organisierten/ rituellen Gewaltstrukturen“ zeigen mir jedoch, dass das Thema nach wie vor aktuell ist.

 
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Zersplitterung nach Therapie - Fachliche Einordnung

Überblick

„Wie ist es uns möglich, an etwas zu glauben, was wir uns "nur" vorgestellt haben?“[17]

Niemand macht sich absichtlich falsche Wirklichkeiten zu eigen. Die Gründe, weshalb es dennoch dazu kommen kann, sind individuell und komplex. Treten verfälschte Erinnungen im Zusammenhang mit psychischen Problemen auf, scheinen meistens zwei grundlegende Aspekte vorzuliegen. Zum einen der Wunsch danach, endlich zu verstehen, weshalb es einem schlecht geht. Und zum anderen die Hoffnung, endlich wieder Kontrolle zu gewinnen über das, was bis dahin nicht kontrollierbar war.

In diesem Betroffenenbericht wird beschrieben, dass sich die Theorie „Rituelle Gewalt und Mind-Control“ und die Möglichkeit einer künstlich erzeugten DIS durch destruktive Kulte keinesfalls alleinig auf einen therapeutischen Einfluss beschränken lässt. Vielmehr wird die mittelbare Verstärkung durch Selbsthilfegruppen, private Kontakte, Foren, Medien bis hin zu Therapeuten und Kliniken deutlich. Außerdem wird dargestellt, dass es sich dabei um einen langsamen Prozess handeln würde, bei dem man erst nach und nach die Denkweise adaptiere. Offenbar kommen einige PatientInnen in eine psychotherapeutische Praxis und haben sich bereits durch Bücher, in Selbsthilfegruppen oder im Internet über das Phänomen der „rituellen Gewalt“ informiert. Darin haben diese bei der langen Suche nach den auslösenden Faktoren für ihre psychischen Symptome eine Erklärung gefunden. Es könnten Täter aus geheimen, destruktiven Kulten gewesen sein, die ihnen Grauenvolles angetan haben, auch wenn ihnen zunächst die Erinnerung an einzelne Situationen fehle. Außerdem erfahren die Betroffenen scheinbar, dass es Symptome gäbe, die vermuten lassen, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.

Weiter wird berichtet, dass man in den Medien (Bücher, Foren, …) bestätigende Argumente finde und die eigenen Zweifel an der Diagnose ebenfalls als bekräftigende Aspekte verstanden werden können. Als mögliche Betroffene suche man sich einen Therapeuten oder eine Therapeutin, die/der sich mit diesem Thema auskennt. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass sich die Betroffenen in einer Krisensituation befinden, verunsichert sind und nach der Ursache ihrer psychischen Probleme suchen, wird die Möglichkeit einer therapeutischen Abhängigkeit und die Übernahme der therapeutischen Erwartung deutlich. Dadurch kann sich nach und nach die Überzeugung verfestigen, alles nur verdrängt zu haben und „Überlebende/r ritueller Gewalt“ zu sein.

Genau dies ist einer der wesentlichen Kritikpunkte an der berichteten therapeutischen Herangehensweise, denn einer der Grundsätze eines/r jeden TherapeutIn, die Verpflichtung zur Neutralität, wurde verletzt. Es wurden aufgrund der eigenen Überzeugung Hypothesen gebildet, ohne dass konkrete Erfahrungen der Betroffenen über einen Missbrauch berichtet wurden. Basis der Therapie war die Annahme, dass die Betroffene programmiert worden sei und ihre Erinnerungen an den Missbrauch auf andere Persönlichkeitsanteile übertragen worden wären. Ziel der Therapie sei die Auflösung der angeblichen Programmierung. Weiterhin wird im Betroffenenbericht beschrieben, wie schwierig es sei, sich aus diesem in sich geschlossenen und gegenseitig bestätigenden Kreis zu lösen. Als Begründung für die Entstehung der psychischen Probleme wurde ein Narrativ angeboten, dem man mit Argumenten kaum entgegenstehen konnte. Zweifel oder eine Verschlechterung der Symptome wurden dem Bericht zufolge als Beweis für die Diagnose selbst herangezogen. Kritische Berichte seien Täterpropaganda, fehlende Fakten wären ebenfalls Belege für das perfekt funktionierende Netzwerk im Untergrund und das absolute Schweigegebot innerhalb des Kults.

Skeptisches Hinterfragen schien dagegen nicht möglich zu sein. Hinzu kommt, dass es sich um einen Menschen handelte, der verzweifelt nach einer Verbesserung seiner Lebenssituation suchte. Verzweifelte Menschen sind oftmals gar nicht in der Lage, sich gegen therapeutische Interventionen aufzulehnen, bei denen sie ein ungutes Gefühl haben. Schließlich vertraut man auf die Expertise von gut ausgebildeten Fachkräften. Vergleichbar mit einem Medikament, das man von einem Arzt verschrieben bekommt und bereitwillig einnimmt.

Psychologische Erklärungsansätze

Um das Denken und die Emotionen von Betroffenen besser verstehen zu können, sollen nachfolgend einige psychologische Erklärungsansätze dargestellt werden. Diese Aspekte könnten dazu führen, an der Überzeugung festzuhalten, „Überlebende ritueller Gewalt“ zu sein:    

1.    Sinnfindung

Menschen mit unspezifischen psychischen Problemen fragen sich, wo diese ihren Ursprung haben könnten. Die Theorie gibt den Betroffenen eine einfache Erklärung für die oftmals komplexen und vielfältigen Faktoren, die zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung führen können. Wenn die Betroffenen keinen Missbrauch in der Kindheit erinnern und die Erinnerung erst nach und nach zurückkehrt, können verfälschte Erinnerungen vorliegen. Dabei entsteht zumeist nur ein diffuses und willkürliches Bild von möglichen Tätern. Die Schuld an den Problemen wird dadurch einem unbestimmten Personenkreis zugeordnet. Dies ist zumindest zunächst sinnstiftend und entlastend. „Die wichtigsten Gründe dafür, dass sich Menschen willkürliche Vorstellungen zu eigen machen, sind das Bedürfnis zu glauben und das Bedürfnis zu verstehen.“[18]

2.    Kognitive Dissonanz

Kognitive Dissonanz 
Abb. 1: Grafische Darstellung der Kognitiven Dissonanztheorie.[19]

Das Konzept der kognitiven Dissonanz, entwickelt vom Sozialpsychologen Leon Festinger[20], erklärt einen unangenehmen Gefühlszustand, der immer dann entsteht, wenn kognitive Elemente im Widerspruch zueinanderstehen (s. Abb. 1). Zum Beispiel weiß zwar jeder Raucher, dass Nikotingenuss krebserregend ist. Um kognitive Konsistenz herzustellen, argumentieren Raucher aber häufig damit, dass sie nur rauchen, weil sie unter Stress stehen, nach dem Entzug zunehmen würden oder auch Helmut Schmidt sehr alt geworden ist. Durch diese Argumentation entsteht wieder Konsistenz, denn sie haben eine Begründung, weshalb sie trotz der ihnen bekannten Gesundheitsgefährdung rauchen. Je größer und gravierender der kognitive Konflikt ist, desto größer ist das Ausmaß der Dissonanz. Erfährt man vom Fachpersonal, dass man sehr wahrscheinlich von einer engen Bezugsperson missbraucht wurde, werden die zentralen Werte und Überzeugungen erschüttert. Die Person gerät unter extremen Druck, sich für oder gegen das Konzept zu entscheiden. Glaubt diese daran, Opfer „ritueller Gewalt“ zu sein, wird sie schwer davon abzubringen sein. Die Dissonanztheorie ist eine ergänzende Erklärung dafür, dass sehr häufig der Kontakt von „Überlebenden“ zu nahestehenden Personen abgebrochen wird, die eine andere „Wahrheit“ der Vergangenheit repräsentieren. Die Betroffenen vermeiden in der Regel jede Konfrontation mit Beweisen, welche ihre Sichtweise in Frage stellen könnten, um die scheinbar hergestellte Stabilität nicht wieder zu gefährden. Festinger stellte fest, je größer die Dissonanz, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Person die neu gewonnene Sicht auf die Dinge nicht revidieren wird, um sich nicht wieder in den unangenehmen Gefühlszustand begeben zu müssen.[21]

3.    Zugehörigkeit und Gruppendruck

Oftmals fühlen sich Menschen mit ihren psychischen Problemen isoliert und/oder unverstanden. Durch die Erklärung „Überlebende ritueller Gewalt“ zu sein, kann ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Betroffenen entstehen. In Selbsthilfegruppen und Foren hat man Gelegenheit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und kann sogar Freundschaften schließen. Das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit ist ein mächtiger Anker gruppenspezifischer Abhängigkeitsstrukturen.

In vielen Studien konnte gezeigt werden[22], wie einfach Überzeugungen und Werte durch eine Gruppe beeinflusst werden können. Wenn alle in der Gruppe an dieselbe Theorie glauben und deren Inhalte wiedergeben, ist es sehr wahrscheinlich, sich ihrer Meinung anzuschließen. Wer Zweifel äußert, könnte in der Gruppe zurückgewiesen werden.

4.    Einzigartigkeit

Alleine die Bezeichnung „Überlebende“ hebt die Betroffene als etwas ganz Besonderes hervor. Man kann sich nicht einfach „nur“ als ein Mensch mit psychischen Problemen verstehen, sondern als jemand mit einer ganz exklusiven Vergangenheit. Dies kann, zumindest kurzfristig, das Selbstvertrauen steigern. In Selbsthilfegruppen kann man von den anderen Betroffenen durch die eigene Lebensgeschichte als einzigartig und mutig wahrgenommen werden.

5.    Identitätssuche und Aufmerksamkeit

Die Diagnose DIS wird sehr selten gestellt. Gerade bei TherapeutInnen, die sich noch wenig mit dem Störungsbild auskennen, können PatientInnen mit einer erhöhten Aufmerksamkeit und Faszination rechnen. Bei einer Interviewstudie mit DIS-PatientInnen konnte gezeigt werden, dass Betroffene oftmals eine über die Therapiebeziehung hinausgehende Betreuung erhalten.[23] Eine in ihrer Identität verunsicherte Person ist offen dafür, „[…] sich als unschuldiges Opfer zu definieren und Anerkennung zu erlangen.“[24]

6.    Erwartungen

Bei vielen psychischen Problemen ist die Bindungserfahrung, die während der Kindheit und Jugend gemacht wurde, von großer Bedeutung. In der Therapie kann durch das Vertrauensverhältnis und die erhöhte Zuwendung eine neue, positive Bindungserfahrung gemacht werden. Diese würde durch starke Zweifel an der von der eigenen TherapeutIn vertretenen Theorie und einem damit verbundenen Abbruch der Therapie gefährdet sein. Einfacher erscheint es, den Erwartungen der TherapeutIn zu entsprechen und die positive Bindung nicht zu gefährden.

7.    Vertrauen und Abhängigkeit

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Vertrauen, das in die Expertise der TherapeutIn gesetzt wird. Diese/r ist entsprechend fortgebildet und kennt sich mit psychischen Vorgängen aus. Ohne diese Vertrauensbasis wäre eine Therapie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dementsprechend folgt man den Empfehlungen und zweifelt die angewandten Interventionen in der Regel nicht an.


Teilaspekte des Erfahrungsberichts

Wie bereits zuvor angekündigt wird in diesem Teil auf einzelne Abschnitte des Erfahrungsberichtes eingegangen. Es soll geprüft werden, ob sich in der Literatur zur Theorie Hinweise finden lassen, welche den Aussagen aus dem Erfahrungsbericht entsprechen.

Typische Symptome

Als erstes wurde in dem Erfahrungsbericht darüber berichtet, dass es Anzeichen geben soll, an denen man angeblich erkennen kann, ob man sexuell („rituell“) missbraucht worden ist. Tatsächlich gibt es keine typischen Anzeichen, die eindeutig auf sexualisierte Gewalt schließen lassen.[25] Der amerikanische Psychologenverband (APA) bestätigt ebenfalls: „First, know that there is no single set of symptoms which automatically indicates that a person was a victim of childhood abuse. There have been media reports of therapists who state that people (particularly women) with a particular set of problems or symptoms must have been victims of childhood sexual abuse. There is no scientific evidence that supports this conclusion.“[26] Anhand einzelner Symptome wie beispielsweise starke Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen oder Problemen mit dem Essen darauf zu schließen, dass ein Missbrauch stattgefunden habe, ist unseriös. Viele dieser Symptome treffen auch auf zahlreiche Menschen ohne Missbrauchserfahrungen zu.

Verdrängte Erinnerungen

„Das Erinnern spielt sich in einem soziokulturellen Kontext ab, der beeinflusst, wie viel wir uns erinnern, an welche Dinge wir uns erinnern wollen, was wir als Beweis heranziehen und welches Kriterium wir verwenden", sagte PhD-Professorin Marcia Johnson von der Yale University.[27]

Das Thema „verdrängte“ Erinnerungen wird in den Medien oftmals sensationell dargestellt. Medien- und Unterhaltungsdarstellungen zu der Gedächtnisfrage haben dazu geführt, das am wenigsten wahrscheinliche Szenario (die Gesamtamnesie eines Kindheitsgeschehens) als das wahrscheinlichste Ereignis darzustellen.[28] 

Die Realität ist aber, dass die meisten Menschen, die Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kindheit waren, sich ganz oder zumindest teilweise an das erinnern, was mit ihnen passiert ist.[29] Es sind nur wenige Fälle dokumentiert, bei denen wiedererlangte Erinnerungen durch unabhängige Quellen belegt werden konnten.[30] Diese stellen aber lediglich Einzelfälle dar und sind keine typischen Erinnerungsverläufe traumatischer Ereignisse.

Zwar können sich Kinder meist nicht akkurat an alle Details erinnern, aber gerade ältere Kinder quälen oft die eindringlichen Erinnerungen an die Vorfälle bis ins Erwachsenenalter. Viele Opfer sexuellen Missbrauchs versuchen, mit ihren Erinnerungen alleine zurecht zu kommen und sprechen nicht darüber, um weniger daran erinnert zu werden oder wagen es nicht, sich jemandem anzuvertrauen.

Oftmals kommen auch Gefühle wie Scham, Gram oder Wut dazu. Nicht zu vergessen die Schweigegebote, die gerade bei Kindern oftmals eingesetzt werden. Selbstverständlich kommt es aus den zuvor genannten Gründen häufig dazu, dass man sich erst im Erwachsenenalter traut, über die sexuellen Übergriffe zu sprechen. Dies erfolgt aber nicht, weil man sie etwa vergessen hat, sondern im Gegenteil, weil man sie einfach nicht vergessen kann und der Versuch, aktiv zu vergessen, nicht hilfreich war.

Das häufigste Problem bei der Offenbarung eines sexuellen Missbrauchs ist nicht etwa das Vergessen der traumatischen Ereignisse, sondern die Angst vor möglichen Konsequenzen und das Fehlen von adäquaten Gesprächsangeboten.

Entstehung falscher Erinnerungen

Wie bereits im Jahresbericht 2017[31] dargestellt, ist es sehr leicht, falsche Erinnerungen zu erzeugen. Ohne bestätigende Nachweise ist es nicht möglich, falsche von richtigen Erinnerungen zu unterscheiden.[32] In einigen Berichten der Betroffenen werden Erinnerungen an Gewalterfahrungen im Säuglingsalter beschrieben, die aus entwicklungsphysiologischer Sicht nicht auf eigenen Erinnerungen basieren können. Die Autorin Frau Miller gibt an, dass es möglich sei, Erinnerung aus dem Säuglingsalter wiederzuerlangen.[33] Zahlreiche empirische Studien können allerdings belegen, dass das Gehirn eines Kleinkindes physiologisch nicht in der Lage ist, Erinnerungen langfristig zu speichern. Das bedeutet, dass Erinnerungen an die Kindheit im Durchschnitt überhaupt erst ab einem Alter von dreieinhalb Jahren möglich sind.[34]

Grundsätzlich ist es sehr wichtig und selbstverständlich, den Betroffenen erst einmal zuzuhören. Für die Therapie ist zunächst nicht entscheidend, ob die Erinnerung echt oder falsch ist, denn für die Betroffenen fühlen sich auch verfälschte Erinnerungen real an. Eine vertrauensvolle, empathische und tragfähige Beziehung ist der Schlüssel jeder erfolgreichen Therapie. Eine kompetente PsychotherapeutIn wird berücksichtigen, dass das aktuelle Wissen nicht den endgültigen Schluss zulässt, ob eine Erinnerung echt oder falsch ist, ohne dass andere bestätigende Beweise vorliegen.[35] Außerdem würde sie/er nicht versuchen, eine verfrühte Schlussfolgerung in eine bestimmte Richtung zu lenken.[36]

Internationale Entwicklungen wie beispielsweise in den USA zeigen, dass vom weltweit größten Psychologenverband (APA) ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Fragen zu einem Missbrauch in der Kindheit oder fragwürdige Techniken zur Gedächtnisgewinnung in der großen Mehrheit der Therapiebeziehungen nicht vorkommen.[37] Außerdem wird davon abgeraten, sich an TherapeutInnen zu wenden, die von einer großen Anzahl an PatientInnen berichten, die während der Therapie Erinnerungen an Missbrauch in der Kindheit wiedererlangten.[38]

Überraschend ist der Umgang der kanadischen Psychologin Alison Miller mit dem Thema falscher Erinnerungen, bei welcher der KlientIn selbst die Kompetenz aberkannt wird, zu wissen, bei welcher Erinnerung es sich um eine richtige oder eine falsche Erinnerung handelt. Obwohl sie einräumt, dass ihrer Überzeugung nach die meisten Rücknahmen von in der Therapie geäußerten Erinnerungen bei Opfern andauernder Gewalt zu finden sind, schreibt sie: „Wir wollen nicht wahrhaben, dass so etwas passiert, aber wenn es vorkommt, dann ist es eben so. Wenn Sie sich dieser Problematik bewusst sind und sie mit der Klientin direkt angehen, kann Sie das davor bewahren, unvorbereitet von einer Klientin überrascht zu werden, die alles zurücknimmt und Sie für ihre „Pseudoerinnerungen“ verantwortlich macht.“[39]

Amnesien – Erinnerungslücken

In der „Rituelle Gewalt Mind-Control“-Theorie wird davon ausgegangen, dass die einzelnen Innenpersonen amnestische Barrieren untereinander haben. Das heißt, dass sich die einzelnen „Personen“ über ihre Erinnerungen untereinander angeblich nicht austauschen können. In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte aber gezeigt werden, dass ein Austausch von Informationen zwischen den einzelnen „Identitäten“ stattfand, obwohl die teilnehmenden DIS-PatientInnen die Möglichkeit des Informationsaustausches untereinander selbst ausgeschlossen hatten.[40]

Neben den amnestischen Barrieren innerhalb einer Person soll es auch eine Amnesie über die Amnesie geben, also mit anderen Worten: Man weiß gar nicht, dass man Zeitlücken an einem Tag hatte. Eine kanadische Autorin beschreibt es so: „Die meisten Menschen mit DIS erleben Phasen der Amnesie, auch wenn sie es vielleicht gar nicht wissen.“[41] Außerdem „[…] können Überlebende viele Jahre Therapie durchlaufen, ohne dass sie oder der Therapeut auch nur den Verdacht haben, dass solche Anteile existieren.“[42] Sie geht davon aus, dass die Betroffenen ein „Training, das Überlebende ihren dissoziativen Zustand nicht wahrnehmen lässt“[43] durchlaufen haben. Dies kann dazu führen, dass sich verunsicherte KlientInnen noch mehr zurückziehen und isolieren, aus Angst davor, nicht zu wissen, was sie im nächsten Moment machen oder vielleicht am Vortag bereits gemacht haben.

Hierbei wird wie auch bei den „Therapiestörungsprogrammen“, auf die im nächsten Abschnitt eingegangen wird, die grundsätzliche Argumentation deutlich. Wenn an der Methode oder an der Kompetenz der TherapeutIn gezweifelt wird, ist dies auf den Einfluss der Täter bzw. auf deren Programmierungen zurückzuführen: „In der Psychotherapie mit einer „programmierten“ Betroffenen wird es irgendwann entweder zum Stillstand bzw. zum Therapieabbruch kommen, was bei der TherapeutIn das unbefriedigte Gefühl hinterlässt, dass die Therapie nur einen Teilerfolg brachte.“[44]

Programme und Fremdkontrolle

Angeblich sollen Mind-Control-Programmierer in gezielten Trainings Auslösereize (Trigger) bei ihren Opfern installieren, um antrainierte Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle auszulösen. Die Verhaltensweisen beinhalten dann beispielsweise das freiwillige und unbewusste Hinausgehen zu jemandem, von dem man an einen unbekannten Ort verschleppt und missbraucht wird, ohne Widerstand zu leisten. Oder als weiteres Beispiel sei das Durchführen eines Suizidversuches als Strafmaßnahme wegen Ungehorsamkeit oder fehlender Loyalität genannt.[45] Allein durch den Zuruf eines Codewortes, soll das vermeintlich programmierte Opfer andere Lebewesen körperliche und seelische Gewalt antun, oder sich sogar selbst töten.[46] Wörtlich wird aufgeführt, dass ein Codewort „[…] sofort das gewünschte Verhalten - etwa lächelnd um Sex betteln – […].“ auslöst.[47] Daher wird als Methode in der Therapie empfohlen: „letztendlich ist die einzige Lösung jedoch, die Erinnerungen an die Trainingsmethoden durchzuarbeiten, […]“[48].

Die Liste der angeblichen Programme ist lang. Besonders viel Wert scheinen die Täter darauf zu legen, dass „Therapiestörungsprogramme“ angelegt werden.[49] Bei der von Frau Huber erstellten Liste handelt es sich bei 11 von 18 aufgelisteten Programmen um die Verhaltensanweisungen, die sich auf eine Therapiesitzung beziehen. Laut der kanadischen Autorin scheint der Fokus der Programmierer eher auf den sogenannten Täuschungsprogrammen zu liegen.[50]

Die bloße Vorstellung von anderen Menschen fremdgesteuert zu werden, ist sehr beängstigend, erschüttert massiv das Selbstbewusstsein und gewinnt an zusätzlicher Brisanz, wenn die (vermeintlich) kontrollierenden Personen aus dem persönlichen Umfeld stammen.[51]

Denn es geht dabei um das Gefühl des Kontrollverlustes über das eigene Leben, die eigenen Emotionen, Gedanken und Handlungen. Man kann sich selbst nicht mehr trauen und fühlt sich machtlos.

An diesem Aspekt der Theorie des „rituellen Gewalt Mind-Control“ sind allerdings Zweifel angebracht:

Zum einen gibt es keine empirischen Untersuchungen, die zeigen, dass Mensch oder Tier soweit konditioniert werden könnten, dass man sie ohne ihr Wissen wie einen Roboter zu Taten verleiten könnte, deren sie sich selbst nicht bewusst sind. Klassisches Konditionieren funktioniert rein auf der Reflexebene, das heißt, es können keine neuen Verhaltensweisen erlernt werden. Es kann nur die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass auf im Verhaltensrepertoire bereits bestehende Verhaltensweisen Reaktionen gezeigt werden. Verhalten ist demzufolge nicht willkürlich steuerbar.[52] Im Gegenteil: Die Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften zeigen sogar, dass die direkte, unhintergehbare Fremdkontrolle nicht möglich ist.[53]

Zum anderen bleiben die BefürworterInnen der Theorie die wissenschaftlichen Beweise schuldig, dass solche Programmierungen überhaupt möglich sein könnten. Entgegen der fehlenden wissenschaftlich fundierten Ergebnisse zur Konditionierbarkeit von komplexen Verhaltensabläufen gibt die kanadische Autorin an, es gäbe „[…] Innenleute, die einen Kalender im Gedächtnis haben, indem die Aufgaben verzeichnet sind, die zu bestimmten Terminen zu tun sind“, wie beispielsweise die erwartete Wiederkehr Satans oder den Termin des eigenen Suizids.[54] Die deutsche Psychologin hebt die Bedeutung von Feiertagen dadurch hervor, dass sie empfiehlt, keine Traumaarbeit an (Kult-) Feiertagen oder am Geburtstag anzubieten.[55]

Feiertage

Je nach Quelle sind bis zu 135 Feiertage im „Satanischen Kalender“ pro Jahr aufgelistet.[56] Hinzu kommen die angeblichen kultspezifischen Feiertage, die je nach Gruppenzugehörigkeit variieren sollen. Es sollen Voll- und Neumondtermine ebenso dazu gehören wie Geburtstage der Kultmitglieder.[57] Wenn eine PatientIn an einem Feiertag geboren wurde, wird gemutmaßt, dass die Geburt manipuliert worden sei, damit das „Datum stimmt“.[58]

Im Selbsthilfebuch für Betroffene wird eine Internetseite aufgeführt, auf der man sich über anstehende „problematische Tage“ mit detaillierten Beschreibungen, welche Misshandlungen höchstwahrscheinlich stattfinden sollen, informieren kann. Dort findet man auch „[…] mehrere Ausreden, die Sie Ihren Verwandten gegenüber verwenden können,[…]“, um nicht an Feiertagen nach Hause fahren zu müssen.[59] Wie eine Therapiestunde abläuft, die an einem Feiertag oder an einem der Tage davor stattfindet, kann man sich anhand der Schilderungen der kanadischen Therapeutin vorstellen: „Wir werden – zusammen mit unseren Klienten – bei jedem Feiertag des Kults oder der Familie nervös und stellen uns den Horror vor, den sie womöglich durchmachen werden.“[60]

Zum einen wird an dieser Stelle deutlich, dass eine klare Abgrenzung zwischen den Themen der KlientIn und denen der TherapeutIn nicht zu gelingen scheint. Dabei ist es sowohl für KlientInnen als auch TherapeutInnen überaus wichtig, eine gewisse emotionale Distanz zueinander zu halten, um den Erfordernissen einer gelingenden Behandlung zu entsprechen. Zum anderen wird die Vorstellung bestärkt, dass man an einem bevorstehenden Feiertag schweren Misshandlungen ausgesetzt sein könnte. Dies kann zu einer Verfestigung von Ängsten und zu einem sozialen Rückzug führen. Dies widerspricht allerdings dem Ziel einer Psychotherapie, bei der KlientInnen gestärkt und stabilisiert werden sollten.

„Keine Form der Psychotherapie ist ihrer immanenten Verpflichtung enthoben, sich einer anhaltenden Analyse ihrer Beschränkungen und Schwachstellen zu unterziehen.“[61]

Die bisherigen Annahmen zu typischen Symptomen, verdrängten Erinnerungen, Gedächtnislücken sowie der angeblichen Fremdkontrolle durch installierte Programme verdeutlichen, unter welchen Umständen die Therapie stattfindet:
„Der Expertenstatus hinsichtlich ritueller Gewalt hingegen wird nicht der Klientenschaft, sondern den glaubenden Therapeutinnen und Therapeuten zugeschrieben.“[62] Das Gefühl der Machtlosigkeit und des Kontrollverlustes kann dadurch verstärkt werden und zu noch mehr Abhängigkeit auf Seiten der KlientIn führen.

Paradoxerweise entsprechen die Ziele und Techniken der TherapeutInnen, welche die Wiederherstellung von angeblich verdrängten Erinnerungen an „rituellen“ Missbrauch bei ihren PatientInnen herbeiführen und dadurch den Einfluss der Täter zu stoppen versuchen, selbst einer starken Einflussnahme auf die KlientIn.

Hineinsprechen

Bei der Methode des „Hineinsprechens“ wird der TherapeutIn eine besondere Rolle zugesprochen, denn manchmal sei es für die KlientIn schwierig, selbst Kontakt zu den Innenpersonen aufzunehmen.[63] Dieser Methode wird ein besonderer Stellenwert eingeräumt, denn der angeblich „beste und effektivste Weg“[64] bei der Therapie sei die direkte Kontaktaufnahme mit den Innenpersonen, um die vermeintlichen Programmierungen zu erfragen und aufzulösen.

Es besteht die Annahme, dass Überlebende alle Teile ihrer traumatischen Erinnerung zusammenführen müssen, um eine vollständige Heilung zu erreichen.[65] Die traumatische Erinnerung sei angeblich auf zehn oder mehr Innenpersonen aufgeteilt und es müssten alle beteiligten Innenpersonen an der Erinnerungsarbeit teilnehmen.[66] „Wenn nicht alle Innenpersonen des Mind Control Opfers an dem Prozess teilnehmen, könnten innere Beschützer die Innenpersonen, die verbotene Informationen zu früh offenbart haben, bestrafen.“[67]

Durch die spezielle Erinnerungsarbeit können sogar „Babyerinnerungen“ verarbeitet werden: „Wie ich festgestellt habe, können Überlebende, wenn sie Zugang zu ihren Erinnerungen als Säugling bekommen, oft heute einen Sinn darin erkennen, der ihnen als Baby noch verschlossen war.“[68]

Beim Hineinsprechen soll auch Kontakt zu sogenannten „schwebenden Teilchen (Wasserleichen)“ aufgenommen werden.[69] Dabei soll es sich um Anteile handeln, die nicht absichtsvoll von den Tätern abgespalten wurden, sondern rein zufällig entstanden sein sollen. Diese sollen die Fähigkeit besitzen „durch den Körper zu schweben“[70]  und unbemerkt an Informationen zu kommen. Ihnen wird ein enormes Wissen zugeschrieben und sie seien „eine große Hilfe auf dem Heilungsweg.“[71]

Körpererinnerungen

Ein weiterer Aspekt bei der Suche nach Hinweisen für angeblich stattgefundene Misshandlungen ist die Deutung von sogenannten Körpererinnerungen wie z.B.: starke Kopfschmerzen, Schwindel oder Bauchschmerzen. Angeblich können z.B. „plötzlich „Male“ auf der Haut auftauchen wie Narben, Brandblasen, Schnitte, Schürfwunden, Brandstellen, Würgemale.“[72] Sie würden unvermittelt „aufgrund plötzlich auftauchender Erinnerungen an Misshandlungen – der Körper erinnert sich auch ...“ erscheinen. „Abgestorbene“ Hände oder Füße würden aufgrund der Körpererinnerung an Fesselungen auftreten.[73] Diese und weitere körperliche Beschwerden werden als Hinweise für mögliche Misshandlungen und Folterungen gesehen und somit als Hinweis dafür herangezogen, „Überlebende“ zu sein.

Außerdem werden PatientInnen in dem „Selbsthilfebuch für Opfer extremer Gewalt“ dazu aufgefordert, sich eine innere Persönlichkeitsstruktur bildhaft vorzustellen.[74] Doch es geht nicht nur darum, sich eine innere Struktur vorzustellen. Darüber hinaus wird die LeserIn aufgefordert: „Tun Sie so, als wären Sie multipel, und zeichnen Sie Ihr System auf. Oder tun Sie so, als wären Sie sexuell belästigt worden, und schreiben oder zeichnen Sie auf, was geschehen ist. Oder tun Sie so, als wäre das Bild, das Sie vor Augen haben, eine Erinnerung, und beschreiben Sie es.“[75] Dies sind gezielte Aufforderungen, Situationen frei zu erfinden. Mehrfach durchgeführt kann diese Methode sehr leicht dazu beitragen, dass man diese fiktiven Situationen nicht mehr von echten Erinnerungen unterscheiden kann.[76]

Gerade bei Menschen, die eine stärkere Neigung zu Dissoziationen haben, wird angenommen, dass sie besonders offen für neue Erfahrungen sind und zu Phantasien neigen.[77] Dies wird von Frau Miller anders gesehen: „Das ist eine von den Tätern verbreitete Lüge zur Verschleierung des wahren Sachverhalts.“[78] 

Therapiedauer

Eine angekündigte Therapiedauer von mehreren Jahren kann bei der Klientel einerseits die Aussicht auf eine langfristige Unterstützung andererseits aber auch Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auslösen. Die deutsche Psychologin spricht von einer Therapiedauer von mindestens 300-500 Stunden, was bei einer wöchentlichen Therapiesitzung in etwa einer Zeitspanne von bis zu 10 Jahren entspricht.[79] Selbstverständlich ist es notwendig, darüber zu sprechen, wie lange eine Therapie möglicherweise andauern könnte, allerdings ist die Dauer einer Therapie auch sehr stark von vielen weiteren Aspekten als der Diagnose abhängig.

Dazu ist zu erwähnen, dass seit der Strukturreform der psychotherapeutischen Versorgung bei einer Kurzzeittherapie die Kosten von bis zu 12 Therapiestunden (bei Verlängerung bis zu 24 Std.) von den gesetzlichen Kassen übernommen werden.[80] Bei Langzeittherapien ist die Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen abhängig vom Therapieverfahren: Für Verhaltenstherapie sind es bis zu 60 Therapiestunden (bei Verlängerung bis zu 80 Std.), für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sind es bis zu 60 Therapiestunden (bei Verlängerung bis zu 100 Std.), bei Analytischer Psychotherapie sind es max. 160 Therapiestunden (bei Verlängerung bis zu 300 Std.). Wie man anhand der unten dargestellten Tabelle sehen kann, ist demnach eine Langzeittherapie auf maximal 300 Therapiestunden beschränkt.

Therapieversorgung


Therapieeinheiten

Jeder kennt die psychische Belastung nach emotional aufwühlenden Gesprächen. Auch aus diesem Grund sind therapeutische Sitzungen auf maximal drei Behandlungsstunden in der Woche begrenzt.[81] Gespräche sind nicht mehr hilfreich, wenn sie zu anstrengend sind und dadurch im Körper Stresshormone freigesetzt werden. Stress spielt eine entscheidende Rolle bei psychischen Störungen. Besonders kritisch ist daher zu betrachten, dass die kanadische Therapeutin Alison Miller angibt: „Bei manchen Klienten, die aktuell Kontakt zu ihren Tätern haben, führe ich ganztägige Marathonsitzungen aus, die ein ganzes Wochenende dauern.“[82]

Abstinenzgebot

„Der Psychotherapeut folgt dem Abstinenzgebot, das bedeutet, dass er in der Therapie keine eigenen Interessen verfolgen und sich während der Therapie nicht auf private Kontakte zum Klienten einlassen darf.“[83]

Aufgrund der Ergebnisse einer multimethodalen Untersuchung, bei der Interviews mit Betroffenen durchgeführt wurden, kann vermutet werden, dass TherapeutInnen sich bei DIS-PatientInnen oftmals nicht an diese Empfehlung halten.[84] Einige befragte PatientInnen beschreiben in den Interviews Situationen, die eindeutig über eine übliche Therapiesitzung hinaus gehen. Zur Regelung über Privatkontakte zum Patienten äußert sich der Präsident der Psychotherapeutenkammer: "Gerade weil die Grenze im Einzelfall manchmal schwer zu ziehen ist, müssen die professionellen Verpflichtungen grundsätzlich ohne Wenn und Aber eingehalten werden.“[85] Ein professionell arbeitender Psychotherapeut kommt dem Wunsch nach einem privaten Kontakt nicht nach. Außerdem gilt diese Regelung auch nach Beendigung der Therapie, in jedem Fall aber mindestens ein Jahr nach Behandlungsende.

Mystisches Bild

Neben den nicht wissenschaftlich fundierten Belegen zur Möglichkeit einer künstlich hergestellten DIS sowie zu Techniken zur Fremdkontrolle gibt es noch ein esoterisch geprägtes Bild. Frau Huber beschreibt, mit welchem Phänomen sie „mit großer Selbstverständlichkeit“ umgeht.[86] Sie glaubt an eine übersinnliche Begabung ihrer DIS-KlientInnen. Zum einen gibt sie an, die übersinnlichen Fähigkeiten im Kontakt mit ihren KlientInnen deutlich spüren zu können und zum anderen, habe sie erlebt, dass die Vorhersagen ihrer KlientInnen tatsächlich zutrafen. Vor allem spüre sie diese enorme Energie, wenn bei ihren KlientInnen „mehrere ´Personen´ kurz hintereinander die Kontrolle über den Körper übernehmen.“[87] Daher gibt sie einen Ratschlag, wie man am besten mit derartigen „Energieverschiebungen“ umgehen sollte: „Wenn ich mich dann deutlich seitlich von der KlientIn platziere und möglichst auch das Fenster öffne, spüre ich, wie der „energetische Sog“, den ich empfinde, nachlässt.“[88]

Als Belege für diese Annahmen wird erneut über anekdotische Episoden berichtet:[89] Ihre KlientInnen sollen davon berichtet haben, dass ihre Autos nicht anspringen und ihre Uhren stehen bleiben würden. Außerdem könnten sie angeblich die Gefühle anderer über weite Dis-tanzen erspüren und würden wissen, wer sie anrufe, bevor sie den Anruf entgegennehmen würden. Angeblich würden auch Forscher und Kliniken darauf hinweisen, „dass neben ´extrem guter Hypnotisierbarkeit´ auch ´häufige übersinnliche Wahrnehmungen´ zu den guten diagnostischen Kriterien für DIS gehören.“[90] Leider fehlt für diese Aussage die entsprechende Quellenangabe.

Innenpersonen

Zum Thema Innenpersonen finden sich in der deutschen Literatur Erklärungen, was es bedeute, sich nicht alleine im Körper zu fühlen, verschiedene Handschriften, Kleidungsstücke, Fähigkeiten (Sprachen, Händigkeit, u.v.m.) und Freunde zu haben. Die Autorin behauptet, KlientInnen würden ihre Augenfarbe wechseln, hätten deutliche Unterschiede in körpereigenen Gerüchen und würden Schuhe in verschiedenen Größen besitzen.[91]

Weiter beschreibt sie, dass bei Multiplen die Medikamentengabe besonders vorsichtig erfolgen müsse, denn beispielsweise würden Narkosen bei einer Unterdosierung nicht wirken oder es könnte die Gefahr einer Überdosierung drohen, wenn gerade die „Kinder herauskommen“. Besonders fragwürdig ist die Auflistung der Berichte von Multiplen, bei denen eine „Person“ erkrankt sei und die andere nicht. Dies gelte für Erkrankungen von Krebs, Diabetes, Asthma, Mandelentzündung (Angina tonsillaris), Allergien, Magengeschwüre bis hin zu Kurz- und Weitsichtigkeit. Diese Liste soll angeblich beliebig fortgesetzt werden können.[92]

Die kanadische Autorin kann ebenfalls von Erfahrungen ihrer KlientInnen mit ihren Innenpersonen berichten. Sie kenne eine KlientIn, die innerhalb eines Meetings gesehen haben will, wie eine ihrer „Innenleute“ den Raum verließ und sie ohne das erforderliche Wissen und die notwendigen Fähigkeiten zurückließ.[93] Eine PatientIn sei auf der Treppe gestürzt, da „ein inneres Baby, das noch nicht laufen konnte, plötzlich am oberen Treppenabsatz nach vorne kam.“[94] Eine andere DIS-PatientIn hätte feststellen müssen, sechsmal hintereinander gefrühstückt zu haben. Die Autorin nimmt an: „Sie können auch die Gesichter ihrer Innenpersonen im Spiegel sehen, was ein Grund dafür ist, weshalb sie häufig Spiegeln aus dem Weg gehen.“[95] Weiter wird postuliert, dass einige der Innenpersonen andere Sprachen sprechen und daher sollte man für sie nach einem „inneren Dolmetscher“ suchen.[96]

Die inneren Anteile sollen angeblich nach einer hierarchischen und sehr komplexen Struktur aufgebaut sein. Es scheint unmöglich zu sein, alle Innenpersonen tatsächlich „aufdecken“ zu können:„Insbesondere bei Überlebenden Ritueller Gewalt und Mind-Control können Sie davon ausgehen, dass manche Innenpersonen selbst multipel sind.“[97] Es geht dann so weit, dass sie behauptet, einer ihrer Klienten habe Anteile, die andere innere Anteile missbrauchen würden.[98]

Die Vorstellung, dass es sich bei den angeblichen Innenpersonen um echte Personen handelt, wird auch an diesem Beispiel deutlich: Wenn Betroffene unter Schlafproblemen leiden, soll es daran liegen, dass die meisten Rituale nachts stattfänden. Daher wird empfohlen, sich nachts im Schlafzimmer einzuschließen. Falls dies nicht möglich sei, „könnten Sie eine Innenperson finden, die wach bleibt und „Wache hält“, während Sie schlafen. Das sollte nicht schaden, solange die Innenpersonen sich dabei abwechseln, damit jeder etwas Schlaf bekommt.“[99]

Falls man sich einsam und isoliert fühlt, wird geraten: “Nun, wenn Sie multipel sind, können Sie innerhalb Ihres eigenen Persönlichkeitssystems Freundschaften entwickeln.“[100]

Täterkontakt

Ein besonderer Fokus wird auf das Thema Kontaktaufnahme der Täter gelegt. Dies wird auch in den Äußerungen der deutschen Psychologin deutlich: „Die wirkt bis in die Therapie fort. Es kommt vor, dass ein Opfer in einer Hilfeeinrichtung lebt und betreut wird und trotzdem in die Szene zurückkehrt. Da stehen dann plötzlich Autos mit dunkel getönten Scheiben vor der Tür, in die die Patienten einsteigen, um für ein Wochenende zu verschwinden – um dann mehr oder weniger schwer verletzt und ziemlich durch den Wind zurückzukehren.“[101] Doch nicht nur der „Zugriff“ der ursprünglichen Tätergruppe stellt angeblich eine Gefahr für die „Überlebenden“ dar. Laut der kanadischen Autorin ist die Gefahr weitreichender: „Wir müssen uns auch der gefährlichen Arme des weltweiten Netzes bewusst sein, die sich nach den Überlebenden ausstrecken.“[102] Auch in der Therapie oder in einer Klinik kann sich weder PatientIn noch TherapeutIn in einer sicheren Umgebung fühlen, auch wenn eine KlientIn angibt, derzeitig keinen Täterkontakt zu haben: „Sie müssen davon ausgehen, dass ein Teil Ihrer Klienten darauf abgerichtet ist, Bericht an die Täter zu erstatten.“[103] Und weiter: „Sekten, Kulte und andere kriminelle Gruppen überwachen viele psychiatrische Einrichtungen, um Überlebende zu finden und dort auch erneut zu trainieren.“[104]

In dem Buch „Werde, wer Du wirklich bist“, das sich direkt an Betroffene richtet, werden Übungen und Checklisten angeboten. Darunter befindet sich eine Übung, um einen möglichen Täterkontakt zu klären. Dabei ist eines der Anzeichen für anhaltenden Täterkontakt überraschenderweise, sich plötzlich besser zu fühlen. Außerdem wird darauf hingewiesen: „Allerdings bedeutet, alle Fragen mit „Nein“ zu beantworten nicht automatisch, dass kein Kontakt besteht. Zumeist ist gegenwärtiger Kontakt vor der Frontperson verborgen, die den Alltag lebt.“[105] Damit wird klar, ob man diese Übung macht oder nicht, Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet, das Ergebnis steht bereits fest: Man kann nie sicher sein!

Wenn eine Betroffene glaubt, dass ihre eigene Familie ungefährlich für sie ist, wird dennoch abgeraten, über die eigenen Erinnerungen zu sprechen. Gleiches wird auch beim Kontakt mit ÄrztInnen, PsychiaterInnen oder in der Klinik geraten, denn diese würden sich oft nicht gut genug mit Traumasymptomen auskennen und seien darauf trainiert, „[…], Überlebende von organisierter Gewalt zu identifizieren und sie wieder unter die Kontrolle der Tätergruppen zu bringen.“[106]

Diese Annahmen können bei der PatientIn große Angst vor weiteren Zugriffen und ihr selbst unbewussten Entführungen (s.a. Amnesien – Erinnerungslücken) hervorrufen. Obwohl kein Kontakt zu irgendjemandem aus der Vergangenheit besteht, da nach einem Umzug alle Kontakte abgebrochen wurden, kann man niemals wirklich wissen, ob man nicht unbewusst weiterhin an Gruppenaktivitäten beteiligt ist.[107]

Die Überzeugung des weiter fortbestehenden Täterkontakts und der dadurch weiter bestehenden Kontrolle wirkt sich allerdings nicht nur auf die PatientIn, sondern auch auf die TherapeutIn aus. Zum einen kann sich die TherapeutIn als „Heldin“ verstehen.[108] Denn sie setzt sich für ihre KlientIn ein, trotz der mutmaßlich weiter bestehenden Bedrohung durch die Täter. Zum Anderen erhält sie erneut sinnhafte Erklärungen, falls die Therapie plötzlich abgebrochen werden sollte, „Störungen der therapeutischen Beziehung“ auftreten, der Zweifel an der Diagnose bzw. der Grundannahmen der Theorie von Seiten der PatientIn aufkommen oder problematische Antworten beispielsweise auf die Frage „Ist jemand da drin, der den Sektenmitgliedern über das, was wir in den Therapiesitzungen besprechen, Bericht erstattet?“ erhält.[109] All diese „Therapiestörungen“ stellen neben weiteren Aspekten eine „akkurate Liste von Anzeichen“ für einen möglichen Täterkontakt dar, könnten aber angeblich genauso gut auch Anzeichen für eine Programmierung sein. Eine Erklärung für einen ungünstigen Therapieverlauf erhält die TherapeutIn in beiden Fällen und zwar ohne die angewandte Methodik oder die Theorie der „rituellen Gewalt“ Infrage stellen zu müssen.

Zweifel an der Diagnose

In diesem Artikel soll es nicht um die kontrovers geführte Diskussion gehen, ob es das psychische Störungsbild der DIS ohne iatrogenen Einfluss gibt. Dennoch soll angemerkt werden, dass diese Persönlichkeitsstörung selten diagnostiziert wird und Uneinigkeit über die Entstehung dieses Störungsbildes unter Fachleuten herrscht.[110]

In einer bereits zuvor erwähnten Studie[111], bei der DIS-PatientInnen interviewt wurden, konnte festgestellt werden, dass einige Betroffene selbst Zweifel an der Diagnose hegen. In der internationalen Klassifikation psychischer Störungen wird ebenfalls aufgeführt, dass PatientInnen mit dissoziativen Störungen oft ihre für andere offensichtlichen Probleme verleugnen.[112] Diese Bedenken werden von der kanadischen Autorin damit begründet, dass dieses Misstrauen auf eine Programmierung zurückzuführen sei.

In ihrem Buch Jenseits des Vorstellbaren verwendet die kanadische Autorin ein gesamtes Kapitel, um darauf zu verweisen, dass es für Opfer „ritueller Gewalt“ angeblich ein ausgeklügeltes Verleugnungstraining gebe. Dazu räumt sie ein: „Manchmal beharren sie auch darauf, dass nichts davon wahr sei, dass sie sich das alles ausgedacht hätten, aus dem Fernsehen oder dem Internet hätten, oder dass sie einfach eine blühende Fantasie hätten.“[113] Diese Aussagen ihrer Klientel nimmt sie allerdings nicht ernst, denn sie erklärt ausführlich wie ihre PatientInnen „[…] von Mind-Control-Tätern, die die Prozesse des Erinnerns und Vergessens studiert haben - und wie Dissoziation funktioniert -, darauf trainiert werden, ihre eigenen Erinnerungen und innere Multiplizität zu verleugnen und nicht an sie zu glauben.“[114] Das Verleugnen der Diagnose bei Personen mit dissoziativen Störungen soll eine Erklärung für die Zweifel an der Existenz „Ritueller Gewalt und Mind-Control“ darstellen. Zweifel seien ein Beleg mehr dafür, dass „die Überlebende“ ein Training der Täter durchlaufen musste, programmiert und getäuscht wurde.

Diese Trainings bringen die Betroffenen angeblich dazu, sowohl ihren eigenen Erinnerungen nicht zu glauben als auch polizeiliche Ermittlungen zu behindern.[115] Durch vorgetäuschte Morde, die tatsächlich nicht stattgefunden hätten, sollen die Täter ihre Opfer als unglaubwürdig dastehen lassen. Daher sei es „Kein Wunder, dass polizeiliche Ermittler an der Existenz von ritueller Gewalt zweifeln.“[116] Wie bereits mehrfach herausgestellt wurde, zeigt sich auch hier das in sich schlüssige Argumentationsmuster. Fehlende fundierte Fakten werden durch konstruierte Annahmen ersetzt und stiften Sinnhaftigkeit. Die Theorie ist selbstimmunisierend und dadurch entlastend, da sie die hochkomplexe Wirklichkeit durch ein einfaches Erklärungsmuster abbilden.

Erklärungsmuster, Immunisierung

Bei der Suche nach Argumenten der BefürworterInnen der „Rituelle Gewalt“ – Theorie, findet man in dem Buch Multiple Persönlichkeiten - Zersplitterung nach Gewalt eine Erklärung. Die Autorin Frau Huber benennt Gründe, weshalb sie davon ausgeht, dass es Geheimorganisationen gebe, die ihre Opfer „rituell“ missbrauchen und die Schilderungen der Betroffenen echt seien.[117]

Der erste Grund für die Authentizität der Erinnerungen sei der Detailreichtum (a) und die Tatsache, ihre ersten KlientInnen Ende der 1980-ziger Jahre[118] könnten diese nicht aus Romanen haben (b).

a)  In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Menschen verfälschte Erinnungen mit vielen Details erzeugt werden können. Detailreichtum ist ein wichtiges, aber bewiesenermaßen kein alleiniges Kriterium, um ein erinnertes Ereignis als erlebnisfundiert („echt“) beurteilen zu können. Um eine Aussage als erlebnisfundiert beurteilen zu können, müssen deutlich mehr Kriterien erfüllt werden.[119] Besondere Skepsis bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung von Erinnerungen ist unter anderem dann angebracht, wenn auf zunächst lediglich diffusen Gefühlen, Traumbildern und „Körpererinnerungen“ nachfolgend Erinnerungen mit visuellem Detailreichtum berichtet werden.[120]

b)  Der Bestseller Roman Sybil[121], in dem detailliert und in Tagebuchform der Therapieverlauf einer Multiplen beschrieben wurde, erschien bereits in den 1970-ziger Jahren. Die auf den Roman maßgeschneiderte, US-amerikanische Serie lief ab 1976. Die Autorin gibt an, bereits vor ihren beiden ersten multiplen Klientinnen die Bücher „Sybil“, „Aufschrei“ und „Ich bin viele“ gelesen zu haben.[122]; Womit die Aussage, ihre KlientInnen hätten keinen Zugriff auf Literatur oder Medien haben können, durch ihre eigenen Worte widerlegt ist. In Fachkreisen wird über die Entstehung der Persönlichkeitsstörung DIS kontrovers diskutiert. Zum einen besteht die Annahme, dass sich diese aus einem frühkindlichen Trauma entwickelt, zum anderen wird die These vertreten, dass sie durch einen iatrogenen Einfluss entstehe.[123] Beim iatrogenen Entstehungsmodell geht man davon aus, dass die Entstehung der Störung auf soziale Einflüsse wie beispielsweise durch Therapeuten und Medien zurückzuführen sei. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass vor Veröffentlichung des Bestsellers „Sybil“ die Diagnose der DIS sehr selten gestellt wurde (ca. 200 Diagnosen über einen Zeitraum von Jahrzehnten). Nach der Publikation des Buches bis Ende der 1980-ziger Jahre wurden ca. 40.000 Fälle alleine in den USA diagnostiziert.[124] Dies könnte ein Hinweis auf die iatrogene Entstehung der Störung sein. Ebenso wie die Tatsache, dass es in den USA einen regelrechten Tsunami an Anklagen gegen TherapeutInnen gab, denen suggestive Methoden und das Herbeiführen der Störung vorgeworfen wurde. Seither wurden etliche Kliniken geschlossen. Die Prävalenz der Diagnose DIS sowie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien nahm wieder deutlich ab.[125]

Als zweiter Grund wird die Art, in der die Erinnerungen in der Psychotherapie „zutage gefördert werden“[126] (c) genannt.

c)  Die Wiederherstellung von Erinnerungen an einen Missbrauch ist in Psychotherapien unüblich. Wenn Erinnerungen an einen Missbrauch erst in der Therapie wieder erinnert werden, sollte auch berücksichtigt werden, dass es sich um verfälschte Erinnerungen handeln könnte. Frau Huber berichtet, dass Betroffene mit der Zeit unterscheiden könnten, ob es sich beim Inhalt ihrer Träume um Erinnerungen oder einen Alptraum handele.[127] Wie bereits zuvor beschrieben konnte wissenschaftlich belegt werden, dass sich auch falsche, induzierte Erinnerungen wie reale Erinnerungen anfühlen und sich emotional nicht von falschen unterscheiden lassen.

Durch die zuvor genannten Annahmen wird das Argumentationsmuster deutlich. Es ist lediglich eine Frage des Glaubens, nicht aber der Prüfung des Realitätsgehaltes oder der Glaubhaftigkeit.[128] Außerdem werden zum einen allgemein gültige und unumstrittene Erkenntnisse zu sexuellem Missbrauch, Gewalt und Prostitution als Belege so herangezogen, als würde daraus folgen müssen, es gebe daher auch das Phänomen der „rituellen Gewalt“. Zum anderen werden Aussagen gemacht, die wissenschaftlich nicht belegt werden können, sondern nur auf dem Expertenstatus der TherapeutInnen beruhen: „Alle Verbrechen, von denen im Zusammenhang mit ritueller Misshandlung berichtet wird, […], gibt es; wir wissen das.“[129]

Die BefürworterInnen beziehen sich unter anderem auf den Abschlussbericht der Enquete-Kommission Sogenannte Sekten und Psychogruppen von 1998 und sehen darin eine Bestätigung für die Existenz des „rituellen“ Missbrauchs. Allerdings bleibt die abschließende Einschätzung unerwähnt, in der es heißt, dass „es keine gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, dass es weit verbreitet und vor allem in ‚satanistischen‘ Zusammenhängen zu „rituellem Missbrauch kommt“ – und „aufgrund der ungesicherten Datenlage auch kein Grund zur Dramatisierung einer ‚satanistischen Gefahr‘“[130] besteht. Vielmehr wurde schon damals gefordert, dass empirische wissenschaftliche Studien zur Erziehungs- und Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die in diesen Gruppen und Milieus aufwachsen, die Existenz der „rituellen Gewalt“ belegen.

Seit der Forderung der Kommission des Deutschen Bundestages sind über 20 Jahre vergangen. Studien, die nach den Methoden der empirischen Wissenschaft (ausreichende Teilnehmerzahl, Kontrollgruppen, validierte Testinstrumente, etc.) Gültigkeit hätten und die Existenz der „Rituelle Gewalt und Mind-Control“-Theorie belegen könnten, liegen noch immer nicht vor.

 

Bedenkliche Aspekte der Theorie

Fehlen wissenschaftlicher Fakten

„Alles, was ich hier mit Ihnen teile, habe ich von Überlebenden gelernt.“[131] 

Treffender könnte man einen der problematischen Punkte bei der Konstruktion der „Rituelle Gewalt und Mind-Control“-Theorie kaum in einem kurzen Satz zusammenfassen. Jedes der für diesen Fachartikel herangezogenen Sachbücher über „rituelle Gewalt“ enthält detaillierte Betroffenenberichte. Eine Herangehensweise, die bei empirischer Literatur sehr unüblich ist. Bei all diesen Berichten handelt es sich um Anekdoten und es stellt sich die Frage, welchen Aussagewert die geschilderten Erlebnisse haben sollen.

Zwar werden immer wieder Quellen aufgezählt, welche die Argumentation zur Entstehung einer DIS stützen sollen, allerdings handelt es sich entweder um weitere Betroffenenberichte oder aber meist um Studien mit methodischen Mängeln (z. B.: fehlende Kontrollgruppen, eine oder wenige Probanden), die wenig zur Aufklärung beitragen können.[132] Als Belege für die psychophysiologischen Unterschiede (z. B.: Atemfrequenz, EEG-Messungen) werden wissenschaftliche Studien genannt, deren Ergebnisse allerdings den endgültigen Beweis nicht erbringen, dass DIS-Innenpersonen unterschiedliche Identitätszustände darstellen.[133] Es wäre daher wünschenswert, mehr wissenschaftliche Ergebnisse aus kontrollierten Studien zu erfassen, die einen höheren Aussagewert haben.

In wissenschaftlichen Fachbüchern finden sich gewöhnlich die theoretischen Annahmen von kontroversen Positionen. Kritische Veröffentlichungen zum Thema „rituelle Gewalt“ schaffen es hingegen nicht, in den für diesen Artikel herangezogenen Büchern Erwähnung zu finden. Dem wissenschaftlichen Anspruch muss beispielsweise die deutsche Autorin nach eigenen Worten seit 2011 nicht mehr gerecht werden, denn sie schreibt selbst über sich in der dritten Person: „Sie muss in ihrem zarten Alter von fast 60 Jahren keine Rücksichten mehr nehmen, muss sich also z.B. nicht nach den Regeln der Wissenschaftspublikationen richten.“[134]

Die Sozialforscher Schetsche und Schmidt fassten in ihrem Buch Fremdkontrolle zusammen:

„So stimmig die Argumentation in diesem Gefahrendiskurs intern auch sein mag, krankt sie doch an der Tatsache, dass sich – außer den von auf dieses Thema spezialisierten Psychotherapeuten und -therapeutinnen gesammelten ‚Erfahrungs´berichten vermeintlich Betroffener – keine Belege irgendeiner Art für die Existenz der behaupteten weltweiten satanischen Netzwerke finden lassen, weder polizeiliche, noch strafprozessuale, noch wissenschaftliche.“[135]

 

Übernahme eines vorgegebenen Erklärungsmodells   

Bei den Büchern zur Theorie besteht Grund zur Sorge, dass sich Betroffene anhand von Anekdoten und Betroffenenberichten inspirieren lassen. Denn die bildhaften Ausführungen können dazu führen, diese Erzählungen als eigene Erfahrungen wahrzunehmen.[136] Zudem könnten Begebenheiten und Situationen als vermeintliche Bedrohung interpretiert werden. Dies lässt sich am Beispiel von selektiver Wahrnehmung gut erklären: Die eigenen Sinne sind darauf geschärft, dunkle Fahrzeige mit getönten Scheiben gezielt wahrzunehmen und als Bedrohung einzuordnen, während andere PassantInnen diese Fahrzeuge als zum normalen Straßenbild zugehörig klassifizieren. Ein anderes Beispiel ist ein verlegter Gegenstand, dessen Auffinden an einem anderen als dem vermuteten Ort, als ein Hinweis auf einen vermeintlichen Einbruch gewertet werden kann.

Neben den Anregungen aus Büchern, Foren, Selbsthilfegruppen und den Therapiemethoden ist auch die Erwartungsrolle der PsychotherapeutIn von größerer Bedeutung.[137]

Eine TherapeutIn, die davon ausgeht, dass sexueller Missbrauch die Ursache der Symptomatik ihrer PatientIn ist, wird dieser ihre Überzeugung (auch nonverbal) vermitteln. Sich als PatientIn gegen die Annahmen der TherapeutIn zu stellen, würde eine Urteilsfähigkeit und psychische Stabilität erfordern, die zurzeit der Inanspruchnahme der Therapie vermindert ist. Außerdem ist die Beziehung zwischen TherapeutIn und PatientIn dadurch gekennzeichnet, dass beide ein gemeinsames Ziel verbinden. Sie sind auf der Suche nach einer Erklärung für die Symptome.[138] Wenn bei der TherapeutIn ein Erklärungsmodell vorhanden ist, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die PatientIn dies aufgrund der Autorität einer Fachperson und einer gewissen Abhängigkeit zunächst nicht hinterfragen und dankbar annehmen wird.

Wenn erst einmal die Annahme eines „rituellen“ Missbrauchs in der Kindheit und die Möglichkeit eines Verdrängens der Erinnerung daran in den Raum gestellt wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass man den Gedanken daran nicht mehr los wird. Oftmals beschäftigt man sich auch außerhalb der Therapie intensiv mit den möglichen Missbrauchserlebnissen angeblicher Überlebender. Das ist sehr gut nachvollziehbar, denn selbstverständlich möchte man alles über andere Betroffene wissen und bestens informiert sein. Diese eindringliche Beschäftigung mit Büchern, Internetforen, Selbsthilfegruppen und den detaillierten Beschreibungen Betroffener kann zu einer mentalen Vorstellung einer eigenen veränderten Lebensgeschichte führen.

Aufgrund ihrer Lebhaftigkeit, Vertrautheit und guten Abrufbarkeit kann diese dann leicht für eine tatsächliche Erinnerung gehalten werden.[139]

Die Verunsicherung, die zweifelsohne auch ohne den Verdacht auf einen sexuellen Missbrauch in der Kindheit bei einem Menschen mit psychischen Symptomen vorhanden ist, kann durch die bereits erwähnten Annahmen der Theorie verstärkt werden. Anstatt die PatientIn darin zu unterstützen, ein besseres Selbstkonzept zu entwickeln, wird der PatientIn erklärt, sie habe nicht nur eine Persönlichkeit, sondern bestehe aus einem „System“ mit vielen Innenpersonen. Diese Innenpersonen sollen intensiv befragt werden: Ein „Nein“ oder ein „Ich weiß nicht“ sind laut den Vorstellungen der kanadischen Autorin keine Antworten. Sie fordert dazu auf, weiter nachzuforschen und solange zu fragen, „[…], bis Sie eine echte Antwort erhalten.“[140] Außerdem sollte an dieser Stelle die sehr lange Therapiedauer[141] in Betracht gezogen werden, denn eine einzelne suggestive Frage oder zweifelhafte Methode wird kaum dazu führen, dass man eine Fehlerinnerung an ein traumatisches Ereignis bildet. Wenn man sich allerdings vorstellt, dass über viele Jahre hinweg immer wieder Anregungen gegeben werden in Form von detaillierten Betroffenenberichten, Imaginationsverfahren, das Vorstellen „als-ob“, das „Hineinfragen“ und nicht zuletzt durch eine Verstärkung erwartungskonformer Antworten, ist leicht nachvollziehbar, dass bildreiche Pseudoerinnerungen entstehen können. In der Regel erfolgen solche suggestiven Befragungen nicht absichtlich. Zur Qualitätssicherung der eigenen therapeutischen Arbeit ist es daher unerlässlich, stetig über die Möglichkeit suggestiver Einflussnahmen zu reflektieren. Andernfalls kann es vorkommen, sich von der eigenen Weltanschauung bei der Bildung von Hypothesen leiten zu lassen und dadurch eine Erwartungshaltung einzunehmen. Es ist falsch, anzunehmen, Suggestionseffekte seien bei persönlich bedeutsamen, insbesondere bei Missbrauchserfahrungen nicht zu erwarten.[142]

Zusammenfassung

Das Ziel dieses Artikels ist es, einen Überblick über die „Rituelle Gewalt Mind-Control“- Theorie und die daraus abgeleiteten Methoden zu ermöglichen. Dabei stellte sich die Herausforderung, die komplexen und in sich selbst bestätigenden Zirkelschlüsse der „Rituelle Gewalt Mind-Control“-Theorie aufzuzeigen und nacheinander darzustellen. Denn durch die Fülle der Argumente, die multidisziplinäre Bereiche betreffen, ist man sehr schnell an den eigenen Wissensgrenzen und kann den Argumenten nur mit einem Achselzucken begegnen.
Im Wesentlichen betrifft die „Rituelle Gewalt Mind-Control“-Theorie drei Fachbereiche:   

  1. Bei den psychologischen Themenbereichen sind selbst erfahrene PsychologInnen und PsychiaterInnen aufgrund der Seltenheit der Diagnose DIS oftmals nicht genug mit der aktuellen Forschung betraut. Für einen Laien ist es erst recht schwierig, die angeblich wissenschaftlichen Erkenntnisse einiger weniger ExpertInnen auf mögliche methodische Mängel zu prüfen.

  2. Die polizeilichen Ermittlungen haben bisher noch nicht dazu führen können, dass die Theorie der „Rituellen Gewalt Mind Control“ bestätigt werden konnte. Im Gegenteil haben zahlreiche Ermittlungen ergeben, dass angebliche Straftaten nicht stattgefunden haben.

  3. Bei den ideologischen Themen können erfahrene Weltanschauungsbeauftragte die Vernetzung destruktiver (satanistischer) Kulte, die mit solchen Methoden transgenerational aktiv sein sollen, nicht bestätigen.

Personen aus den jeweiligen Fachbereichen können zwar vielleicht die vorgebrachten Argumente des eigenen Bereiches beurteilen, scheitern in der kompletten Analyse aber daran, dass sie die jeweils anderen Fachbereiche nicht genügend kennen. Dieser Artikel soll einen ersten Anstoß dazu geben, sich multidisziplinär auszutauschen und im Gespräch zu bleiben.

Bei der „Rituelle Gewalt Mind-Control“-Theorie handelt es sich um eine Ideologie. Denn nach dem wissenschaftlichen Anspruch können die Annahmen dieser Theorie nicht verifiziert werden. Es handelt sich lediglich um Spekulationen, für die es in Teilen durchaus nachvollziehbare Argumente gibt. Nicht der Glaube an diese Ideologie ist allerdings der bedenkliche Aspekt. Kritisch ist zu sehen, dass daraus eine Therapieform für psychisch instabile Menschen entwickelt wurde, die auf vielen Spekulationen basiert.

Die vermeintlich „Überlebenden ritueller Gewalt“ fühlten sich mehrfach geschädigt. Ihnen wurde keine hilfreiche Therapie angeboten und sie verloren wertvolle Lebenszeit, in der sie verängstigter und verunsicherter waren als jemals zuvor. Dabei sollte man nicht vergessen, dass es sich für die Geschädigten sehr real anfühlte und sie fest daran glaubten, „programmiert“ worden zu sein. Die verfälschten Erinnerungen fühlten sich wie reale Geschehnisse an und waren für die Betroffenen jeden Tag aufs Neue sehr quälend und belastend.

Die Verbreitung dieser Ideologie ist glücklicherweise auf einen sehr kleinen Kreis von SozialarbeiterInnen, PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen beschränkt. Aus der Vergangenheit haben wir aber gelernt, wie schnell sich diese Ideologie in Nordamerika verbreitet hatte. Tausende Opfer kämpften, abgesehen von den psychischen und persönlich erlittenen Schäden, jahrelang für Ihre Rechte und erhielten finanzielle Entschädigungen von Kliniken und Psychotherapeuten. Eine Abfindung, die an ein Opfer nach einem sechsjährigen Prozess ausgezahlt werden musste, belief sich auf die Rekordsumme von $ 10,6 Millionen.[143] Obwohl es momentan nur wenige Menschen im deutschsprachigen Raum betrifft, ist die Aufklärung notwendig. Durch permanente Hinweise auf die Gefahren bedenklicher Therapieformen können weitere Betroffene vor Schäden bewahrt werden.

Die hier aufgeführten Kritikpunkte richten sich gegen die „Rituelle Gewalt Mind-Control“-Theorie sowie den darauf basierenden Methoden. Der Artikel lässt keinerlei Zweifel an der Tatsache zu, dass es in unserer Gesellschaft eine hohe Dunkelziffer an Opfern sexualisierter Gewalt gibt und es eine große Anzahl an komplex traumatisierten Menschen gibt, denen eine supportive Therapie zuteilwerden muss!

Die Suche nach der geeigneten Psychotherapie:

Als Konsequenz aus dem bisher gelesenen könnte nun eine große Verunsicherung entstanden sein. Jedem kann es passieren, psychologische Unterstützung in einer Krisensituation zu benötigen. Welche TherapeutIn ist die/der Richtige für mich ist?

  • Informieren Sie sich gut über die Ausbildung Ihrer PsychotherapeutIn. Gibt es einen Internetauftritt, können Sie etwas über die Therapiemethode erfahren?

  • Hören Sie auf Ihre innere Stimme! Es ist wichtig, dass Sie sich bei Ihrer PsychotherapeutIn gut aufgehoben fühlen und eine Vertrauensbasis besteht. Ein positives und vertrauensvolles Verhältnis zwischen PatientInnen und PsychotherapeutInnen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg. Nach wissenschaftlichen Studien können die meisten PatientInnen bereits nach einigen Probesitzungen gut beurteilen, ob sie mit Ihrer TherapeutIn gut zurechtkommen und ihrem Therapieziel näherkommen werden.[144] Vereinbaren Sie deshalb zunächst einen Termin für eine probatorische Sitzung, bei kassenzugelassenen Praxen übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

  • Wenn Sie sich vor Therapiebeginn selbst nicht an ein traumatisches Erlebnis erinnern können, seien Sie sehr skeptisch, wenn allein aufgrund unspezifischer Symptome Spekulationen über Ihre Vergangenheit/Kindheit angestellt werden. Dissoziationen treten bei sehr vielen psychischen Erkrankungen auf und sind nicht alleiniges Kriterium für die Diagnose einer Dissoziativen Identitätsstörung.

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen berichtet wird, dass Ihre TherapeutIn schon einer großen Anzahl an PatientInnen geholfen habe, sich wieder an einen Missbrauch in der Kindheit zu erinnern!

  • Kritsch zu beurteilen ist auch, wenn eine TherapeutIn Ihnen rät, den Kontakt zu Ihren engsten Familienmitgliedern und FreundInnen abzubrechen, ohne dass sie sich tatsächlich an missbräuchliche Erlebnisse erinnern.

  • Ein wichtiger Punkt ist die Frage nach der Fähigkeit zur Selbstkritik der TherapeutIn. Jede Methode und auch jede PsychotherapeutIn sollte auf ihre Schwächen und Unsicherheiten hin überprüft werden bzw. sich selbst überprüfen. Dazu gehört, die eigenen Methoden nicht als die einzig wahren zu verstehen, die eigenen Grenzen zu kennen, sich der eigenen weltanschaulichen Ansichten bewusst zu sein und diese möglichst außen vor zu halten. Achten Sie darauf, wie Ihre TherapeutIn mit Kritik und Zweifel umgeht!

  • Lassen Sie sich die während der Therapie angewendeten Methoden erklären und sprechen Sie offen mit Ihrer TherapeutIn darüber, wenn Sie sich bei den Interventionen unwohl fühlen.


Empfehlung zum Umgang mit der Vermutung von Traumatisierungen: [145]

Diese Empfehlungen richten sich vor allem an Psychotherapeuten und Fachpersonal in Beratungsstellen. Dennoch sind die Hinweise auch für Personen, die einen Verdacht auf eine Traumatisierung haben, sicherlich hilfreich, um mögliche Einflussnahmen ausschließen zu können. Beim Verdacht auf Traumatisierungen sollten vermieden werden:    

  • Definierende und wertende Umschreibungen
    (z.B.: „Ihrer Schilderung nach wurden Sie ausgebeutet“)

  • Suggestivfragen
    (z.B.: „Ist Ihre Mutter auch so missbräuchlich mit Ihnen umgegangen?“)

  • Verfrühte Schlussfolgerungen oder Einschätzungen
    (z.B.: „Diese Unruhezustände, die Sie berichten, deuten auf eine Traumatisierung hin.“)

  • Wunsch der PatientIn nach Verifizierung oder Falsifizierung der Annahmen durch Einschätzung der TherapeutIn nachzukommen

 

Endnoten

(1) Uta Bange: „Ritueller Missbrauch im Satanismus“ auf unserer Webseite.

(2) Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) ist eine psychische Erkrankung, deren Existenz kontrovers diskutiert wird (DSM V). Viele Wissenschaftler (u.a.: Patihis, L., Pendergrast, M., Frances, A.) gehen davon aus, dass sie erst innerhalb einer Therapie entsteht (iatrogene Entstehung). Die Annahme, DIS entstehe durch frühkindliche Traumaerfahrungen, ist umstritten (u.a.: Spanos, Pope & Hudson). Eine Person mit der Diagnose DIS nimmt wahr, dass verschiedene Persönlichkeitszustände (dissoziative Identitäten) abwechselnd die Kontrolle über das Denken, Fühlen und Handeln übernehmen. Diese verschiedenen Persönlichkeiten verfügen über eigene Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wahrnehmungs- und Denkmuster.

(3) In der internationalen Klassifikation psychischer Störungen wird Dissoziation definiert als teilweiser oder völliger Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen, sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. (9. Auflage). S. 212. Bern: Hans Huber.

(4) Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen. Prävention, Intervention und Hilfe für Betroffene stärken. Empfehlungen an Politik und Gesellschaft des Fachkreises » Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen« beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S. 5., April 2018.

(5) Schetsche, M., Schmidt, R.-B. (2015). Fremdkontrolle. Ängste Mythen Praktiken. S. 14. Wiesbaden: Springer.

(6) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. Kröning: Asanger, S. 281: „Training, das Überlebende dazu bringt, ihren eigenen Erinnerungen nicht zu glauben (und Ermittler dazu bringt, den Überlebenden nicht zu glauben)“; sowie S.281-282 Kapitel: „Vorgetäuschte Morde“.

(7) Huber, M. (1993). Multiple Persönlichkeiten – Überlebende extremer Gewalt. In: R. Burgard. Wie Frauen verrückt gemacht werden. Diskriminierung in Alltag, Psychiatrie und Psychotherapie. S. 173-174. München: Wilhelm Heyne.

(8) Hahn, A. Rituelle Gewalt in satanistischen Gruppen – ein populärer Mythos? Materialdienst der EZW 07/2019.

(9) Mack, L. (2014). Tat ohne Täter. Das Problem der falschen Erinnerungen. (7), S.461. Kriminalstatistik Schweiz.

(10) Huber, M. (2011). Viele Sein. Ein Handbuch. S. 25. Paderborn: Junfermann.

(11) „Die Kommission ist sich darüber bewusst, dass Betroffene, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Unterstützerinnen und Unterstützer nicht selten Unglauben, Diskreditierung, fachliche und/oder persönliche Isolation erlebt haben. Das kann selbstverständlich Auseinandersetzungen prägen und beeinflussen. Die Kommission will die genannten Beobachtungen nicht als Kritik an den im Diskurs stehenden Menschen verstanden wissen, sondern als Aufforderung an alle beteiligten Akteure, respektvoll und vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen und konstruktiv im Gespräch zu bleiben.“ S.125. Bilanzbericht 2018 der UBSKM.

(12) Meiser-Stock, E. (2019). Der Umgang mit der Ahnung – Vermutung von Traumatisierungen in der Vergangenheit. PiD Psychotherapie im Dialog, (20), S. 70-73. Stuttgart: Thieme.

(13) Mehr als 118.000 Mitglieder, https://www.apa.org/about/index, 05.07.2019.

(14) „First, know that there is no single set of symptoms which automatically indicates that a person was a victim of childhood abuse. There have been media reports of therapists who state that people (particularly women) with a particular set of problems or symptoms must have been victims of childhood sexual abuse. There is no scientific evidence that supports this conclusion.“ https://www.apa.org/topics/trauma/memories, 12.02.2020.

(15) „However, you should be concerned if your therapist reports to you that a large number of his or her patients recover memories of childhood abuse while in treatment.“ https://www.apa.org/topics/trauma/memories, 12.02.2020.

(16) Betroffene werden in der Literatur als „Überlebende“ bezeichnet.

(17) De Rivera, J. & Sarbin, T.R. (1998). Believed-In Imaginings: The Narrative Construction of Reality. Umschlagtext. Frei übersetzt. Washington: American Psychological Association.

(18) Yapko, M.D. (1996). Fehldiagnose: Sexueller Mißbrauch. S. 156. München: Knaur.

(19) Artyl (Diskussion) - selbst erstellt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6952190, 12.11.2019.

(20) Festinger, L. (2012). Theorie der Kognitiven Dissonanz. (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1978). Bern: Huber Verlag.

(21) Pendergrast, M. (2017). Memory Warp. S. 150. Hinesburg, Vermont: Upper Access Books.

(22) Bianca Liebrand: „Wenn die Gruppe Druck macht!“ auf unserer Webseite.

(23) Hasselmann, P. (2017). „Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung. Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem. Lengerich: Pabst.

(24) Stoffels, H., Ernst, C. (2002). Erinnerung und Pseudoerinnerung. Über die Sehnsucht, Traumaopfer zu sein. Nervenarzt (5), S. 445-450.

(25) Goldbeck, L., Allrogen, M., Münzer, A., Rassenhofer, M. & Fegert, J.M. (2017). Ratgeber Sexueller Missbrauch. S. 13. Göttingen: Hogrefe.

(26) https://www.apa.org/topics/trauma/memories, 05.07.2019.

(27) Award Winners: Awards for Distinguished Scientific Contributions (2006). American Psychologist, 61(8), S. 736–813.

(28) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „The issue of repressed or suggested memories has been overreported and sensationalized by the news media. Media and entertainment portrayals of the memory issue have succeeded in presenting the least likely scenario (that of a total amnesia of a childhood event) as the most likely occurrence. 08.07.2019.

(29) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „The reality is that most people who are victims of childhood sexual abuse remember all or part of what happened to them.“ 08.07.2019

(30) Volbert, R. (2014). Sexueller Missbrauch. Wie Pseudoerinnerungen entstehen können. PiD - Psychotherapie im Dialog. 15(01): S. 82-85.

(31) Bianca Liebrand: „Neue Publikation zum Thema Erinnerungsfälschung“ auf unserer Webseite.

(32) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „The mechanism(s) by which both of these phenomena happen are not well understood and, at this point it is impossible, without other corroborative evidence, to distinguish a true memory from a false one.“ 08.07.2019.

(33) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 313. Kröning: Asanger.

(34) Shaw, J. (2016). Das trügerische Gedächtnis. S. 28. München: Carl Hanser Verlag.

(35) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „A competent psychotherapist is likely to acknowledge that current knowledge does not allow the definite conclusion that a memory is real or false without other corroborating evidence.“ 05.07.2019.

(36) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „A competent psychotherapist will attempt to stick to the facts as you report them. He or she will be careful to let the information evolve as your memory does and not to steer you toward a particular conclusion or interpretation.“ 05.07.2019.

(37) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „The issues of childhood abuse or questionable memory retrieval techniques never enter into the equation in the great majority of therapy relationships.“ 05.07.2019.

(38) https://www.apa.org/topics/trauma/memories: „However, you should be concerned if your therapist reports to you that a large number of his or her patients recover memories of childhood abuse while in treatment.“ 05.07.2019.

(39) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 270. Kröning: Asanger.

(40) Huntjens, R.J.C., Verschuere, B., & McNally, R.J. (2012). Inter-Identity Autobiographical Amnesia in Patients with dissociative Identity Disorder. Plosone.

(41) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 44. Kröning: Asanger. Sowie: Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S. 43: „Die meisten Überlebenden von Mind Control und Ritueller Gewalt haben ein gespaltenes Selbst, auch wenn die Dissoziation im Außen verborgen bleibt oder sogar der/dem Betroffenen selbst verschlossen ist.“

(42) Ebd., S. 70.

(43) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 280. Kröning: Asanger.

(44) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 233. Paderborn: Junfermann.

(45) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 67. Kröning: Asanger.

(46) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 222. Paderborn: Junfermann.

(47) Huber, M. (2009). Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung. Teil 1. S. 197. Paderborn: Junfermann.

(48) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei Ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 269. Kröning: Asanger.

(49) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 229 ff. Paderborn: Junfermann.

(50) Mehr dazu unter: „Zweifel an der Diagnose“ in diesem Artikel.

(51) Hurst, M. (2015). Im kinematographischen Kabinett des Dr. Caligari, Fremdkontrolle und Ich-Verlust im Film. In: Michael Schetsche, & Renate-Berenike Schmidt (Hrsg.), Fremdkontrolle. Wiesbaden: Springer. S. 91.: „Fremdkontrolle, ob als Realität oder bloße Vorstellung, ist ein Phänomen, das Selbstbewusstsein und Willenskraft des Subjekts zu unterwandern und massiv zu erschüttern vermag; sie wird im sozialen Kontext besonders dann relevant, wenn die (vermeintliche) kontrollierende Instanz im gesellschaftlichen Umfeld im weitesten Sinne verortet wird, als Einfluss anderer Menschen, als kulturelle Erscheinung, als politische Kraft, als technische Apparatur oder gar als nichtmenschliche, dämonische Macht.“

(52) Mienert, M. (2012). Anatomie der Seele – Konditionierung in der Erziehung – Irrwege zwischen Eltern und Kind. Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift, 7(4), S. 20-23.

(53) Schleim, S. (2015). Vom Hirnstimulator zur Gedankenkontrolle, Entwicklungen in den Neurowissenschaften. S. 277. In: Michael Schetsche, & Renate-Berenike Schmidt (Hrsg.), Fremdkontrolle. Wiesbaden: Springer.

(54) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S.69: „Manche Überlebende haben auch Anteile, die wichtige Daten in der Zukunft verwalten, so wie die erwartete Wiederkehr von Satan, oder den Termin, zu dem eine politische Gruppierung plant, die Weltherrschaft zu übernehmen.“ Sowie: „[…] Termine, zu denen Kultanteile mit Alltagsanateilen verschmelzen sollen, Termine für den eigenen Suizid oder um krank zu werden.“

(55) Huber, M. (2009). Wege der Traumabehandlung. Trauma und Traumabehandlung Teil 2. S. 180. Paderborn: Junfermann.

(56) z.B.: Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 417-424. Kröning: Asanger.

(57) https://survivorship.org/2020-dates/ „If bizarre rituals are to occur, within organized satanic groups, they will most likely occur on or about one of these dates.“ Z.B.: 1. März: „St. Eichatadt Day: Blood rituals involving the drinking of human blood for strength and homage/honours to demons.“, 20.02.2020.

(58) Huber, M. (2009). Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung. Teil 1. S. 190. Paderborn: Junfermann.

(59) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. (3.Auflage). S. 235. Kröning: Asanger.

(60) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei Ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 20. Kröning: Asanger.

(61) Hoffmann, S. O., Rudolf, G., & Strauß, B. (2008). Unerwünschte und schädliche Wirkungen von Psychotherapie. Eine Übersicht mit dem Entwurf eines eigenen Modells. Psychotherapeut 53, S. 14.

(62) Hasselmann, P. (2017). „Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung. Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem. S. 35. Lengerich: Pabst.

(63) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. Kröning: Asanger. S. 46: „Es ist schwierig für den ANP, mit den Innenpersonen zu kommunizieren, da sie einander nicht hören können und in ein Buch hineinschreiben oder sich durch mich verständigen müssen.“

(64) Ebd., S. 65: „Generell gilt für die Arbeit mit dieser Art von Klienten die Regel, direkt mit den Innenpersonen zu reden. Es ist der beste und effektivste Weg.“

(65) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S. 299: „Überlebende von Mind-Control und Ritueller Gewalt müssen für eine vollständige Heilung alle Teile der traumatischen Erinnerung zusammenfügen, durch die es zur Abspaltung ihrer Innenpersonen kam.“

(66) Ebd. S. 299: „Eine einzelne traumatische Erinnerung kann sich auf zehn oder mehr Innenpersonen aufteilen.“

(67) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S.360. Kröning: Asanger.

(68) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 313. Kröning: Asanger.

(69) Ebd. S. 79: „Es gilt auch Ausschau nach „schwebenden Teilchen (Wasserleichen)“ zu halten.“

(70) Ebd. S. 79: „Sie sind fähig, durch den Körper zu schweben, alles zu lernen was möglich ist, häufig auch von anderen Innenleuten unbemerkt.“

(71) Ebd. S. 79.

(72) Huber, M. (2009). Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung. Teil 1. S.188. Paderborn: Junfermann.

(73) Ebd. S. 188.

(74) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S. 70: „Wenn man innen schaut, ist es richtig, dass der suchende Anteil genau hinsieht und hineinspürt in praktisch alle virtuellen Dinge, um herauszufinden, ob sich jemand darin befindet.“

(75) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 191. Kröning: Asanger.

(76) Lynn, S.J., Krackow, E., Loftus, E.F. et al. (2015). Constructing the Past. Problematic Memory Recovery Techniques in Psychotherapy. S. 210-244. In: Scott O. Lilienfeld, Steven Jay Lynn, & Jeffrey M. Lohr (Hrsg.). Science and Pseudoscience in Clinical Psychology (2. Auflage). New York: Guilford.

(77) https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/dissoziative-stoerungen/haeufigkeit-entstehung-und-verlauf/, 18.10.2019.

(78) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 3. Kröning: Asanger.

(79) Hinrichs, A. (2013). Satanische Welten. (7, 8), S. 5. Eppendorfer, Zeitung für Psychiatrie und Soziales. Neustadt: Eppendorfer.

(80) https://www.kbv.de/html/26956.php, Kassenärztliche Bundesvereinigung, 20.12.2019.

(81) Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses über die Durchführung der Psychotherapie zuletzt geändert am 18. Oktober 2018 veröffentlicht im Bundesanzeiger (BAnz AT 20.12.18 B2) in Kraft getreten am 21.12.2018.

(82) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 270. Kröning: Asanger.

(83) http://www.bkk-psychisch-gesund.de/bkk-psychisch-gesund/wegweiser-psychotherapie/11-regeln-der-psychotherapie/, 02.08.2019.

(84) Hasselmann, P. (2017). „Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung. Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem. Lengerich: Pabst.

(85) https://www.ptk-nrw.de/de/patienten/patientenrechte.html, 4.9.2019.

(86) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Zersplitterung nach Gewalt. S. 113-114. Paderborn: Junfermann.

(87) Ebd., S. 114.

(88) Ebd., S. 114.

(89) Ebd., S. 113 f.

(90) Ebd., S. 115.

(91) Ebd., S. 102 ff.

(92) Ebd., S. 106.

(93) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 67. Kröning: Asanger.

(94) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 58. Kröning: Asanger.

(95) Ebd., S. 46.

(96) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 57. Kröning: Asanger.

(97) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 60. Kröning: Asanger.

(98) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S. 72: „Einer meiner rituell missbrauchten Klienten hatte Kulttrainer-Anteile, die in einer umgekehrten Pyramide lebten, und die in einem Haus lebenden „zu Hause missbrauchten“ Anteile dort missbrauchte.“

(99) Ebd., S. 220.

(100) Ebd., S. 410.

(101) Hinrichs, A. (2013). Satanische Welten. (7, 8), S. 5. Eppendorfer, Zeitung für Psychiatrie und Soziales. Neustadt: Eppendorfer.

(102) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 258. Kröning: Asanger.

(103) Ebd., S. 255.

(104) Ebd., S. 272.

(105) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 150. Kröning: Asanger.

(106) Ebd., S.231 und: Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 291. Kröning: Asanger.

(107) Ebd., S. 254 f.: „Möglicherweise wird eine ganze Weile lang nicht offenbar, dass eine KlientIn, die aufrichtig glaubte, keinerlei Kontakt zu ihren Tätern mehr zu haben, unbewusst weiterhin an allen möglichen Gruppenaktivitäten beteiligt ist.“

(108) Gedächtnisprotokoll. Tagung der DGTD im September 2019.

(109) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 256. Kröning: Asanger.

(110) Lynn, S. J., Lilienfeld, S. O. (2015). Dissociative Identity Disorder, A Contemporary Scientific Persepctive. S. 113-152. In: Scott O. Lilienfeld, Steven Jay Lynn, & Jeffrey M. Lohr (Hrsg.). Science and Pseudoscience in Clinical Psychology (2. Ed.). New York: Guilford.

(111) Hasselmann, P. (2017). „Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung. Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem. S. 34-35. Lengerich: Pabst.

(112) ICD-10 Kapitel V (F) (2014). Klinisch-diagnostische Leitlinien. (9. Auflage). S. 213. Bern: Hans Huber. 

(113) Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei ritueller Gewalt und Mind-Control. S. 279, Kröning: Asanger.

(114) Ebd., S. 279 f.

(115) Ebd., S. 281: „Training, das Überlebende dazu bringt, ihren eigenen Erinnerungen nicht zu glauben (und Ermittler dazu bringt, den Überlebenden nicht zu glauben)“.

(116) Ebd., S. 282.

(117) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 81. Paderborn: Junfermann.

(118) Huber, M. (2011). Viele Sein. Ein Handbuch. S. 39. Paderborn: Junfermann.

(119) Steller, M. (2008). Glaubwürdigkeitsbeurteilung. In: R. Volbert & M. Steller (Hrsg.). Handbuch der Rechtspychologie. Göttingen: Hogrefe. S. 300-310.

(120) Stoffels, H. & Ernst, C. (2002). Erinnerung und Pseudoerinnerung. Der Nervenarzt. S. 449.

(121) Schreiber, F.R. (1974). Sybil. Eine Frau mit vielen Gesichtern. München: Scherz.

(122) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 36. Paderborn: Junfermann.

(123) „Iatrogen (altgriechisch […]) werden Krankheitsbilder bezeichnet, die durch ärztliche Maßnahmen verursacht oder verschlimmert wurden […].In gleicher Bedeutung wird diese Bezeichnung auch in der Psychologie verwendet, wenn Diagnostik, Diagnosen oder Beurteilungen zur Ausprägung oder Verstärkung psychischer Störungen oder Befindensbeeinträchtigungen allein durch die Art der Vermittlung beitragen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Iatrogen , 30.09.2019.

(124) Elzinga B.M., van Dyck, R., & Spinhoven, P. (1998). Three controversies about dissociative identity disorder. Clinical Psychology and Psychotherapy. S. 13-23.

(125) Paris, J. (2012). The Rise and Fall of Dissociative Identity Disorder. Journal of Nervous and Mental Disease. (200), S.1076-1079.

(126) Huber, M. (2010). Multiple Persönlichkeiten. Seelische Zersplitterung nach Gewalt. S. 81. Paderborn: Junfermann.

(127) Ebd., S. 83: „Meiner Erfahrung nach können die Betroffenen mit der Zeit genauer unterscheiden, ob sie einen Erinnerungstraum hatten oder einen Alptraum […].“

(128) Hasselmann, P. (2017). „Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung. Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem. S. 34-35. Lengerich: Pabst.

(129) Huber, M. (2009). Wege der Traumabehandlung. Trauma und Traumabehandlung Teil 2. S. 166. Paderborn: Junfermann.

(130) Endbericht der Enquete-Kommission. Deutscher Bundestag 1998, S. 97.

(131) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. S. 41. Kröning: Asanger.

(132) Lilienfeld, S., Lynn, S.J. & Lohr, J.M. (2015). Science and Pseudoscience in Clinical Psychology. S. 120 ff. New York: The Guilford Press. S. 119: „Nevertheless, virtually all of these reported differences derive from anectotal and unccontrolled reports.“ S.: 139: „Moreover, even those studies that purport to provide such corroboration (e.g. Coons, 1994; Lewis et al., 1997) are plagued by numerous methological shortcomings.“ [Anmerkung: Gemeint sind Studien, die den Zusammenhang zwischen der Entstehung der DIS und einem Kindesmissbrauch untersuchten].

(133) Lynn, S. J., Lilienfeld, S. O. (2015). Dissociative Identity Disorder, A Contemporary Scientific Persepctive. S. 113-152. In: Scott O. Lilienfeld, Steven Jay Lynn, & Jeffrey M. Lohr (Hrsg.). Science and Pseudoscience in Clinical Psychology (2. Ed.). New York: Guilford. S.120: „Hence, these findings do not provide definitive evidence for or against the contention that DID alters represent distinct identity states.“

(134) Huber, M. (2011). Viele Sein. Ein Handbuch. S. 18. Paderborn: Junfermann.

(135) Schetsche, M., Schmidt, R-B. (2015). Fremdkontrolle. Ängste Mythen Praktiken. S. 14. Heidelberg: Springer.

(136) Mehr dazu unter: „Entstehung falscher Erinnerungen“ in diesem Artikel.

(137) Stoffels, H. (2017). Realität oder Phantasie? Wenn Erinnerungen in der Psychotherapie auftauchen. In: Thomas Stompe & Hans Schanda (Hrsg.). Sexueller Kindesmissbrauch und Pädophilie. S. 361 ff. Berlin: MWV.

(138) Victor, J.S. (1998). Social Construction of Satanic Ritual Abuse and the Creation of False Memories. S. 191-216. In: Joseph De Rivera, & Theodore R. Sarbin (Hrsg.). Believed-In Imaginigs. The Narrative Construction of Reality. Washington: APA.

(139) Volbert, R. (2014). Sexueller Missbrauch. Wie Pseudoerinnerungen entstehen können. PiD - Psychotherapie im Dialog. 15(01): S. 82-85.

(140) Miller, A. (2018). Werde, wer Du wirklich bist. Kröning: Asanger. S. 245: Erforschen Sie es mithilfe Ihrer Innenpersonen und fragen Sie nach, bis Sie eine Antwort erhalten. „Ich weiß nicht“ ist keine Antwort; fragen Sie solange, bis Sie eine echte Antwort erhalten.“

(141) Mehr dazu unter: „Therapiedauer und Frequenz“ in diesem Artikel.

(142) Volbert, R. (2014). Sexueller Missbrauch. Wie Pseudoerinnerungen entstehen können. PiD – Psychotherapie im Dialog. 15(01): S. 82-85.

(143) https://www.chicagomag.com/Chicago-Magazine/June-1998/Dangerous-Therapy-The-Story-of-Patricia Burgus-and-Multiple-Personality-Disorder/, 15.01.2020.

(144) https://www.psychotherapiesuche.de/pid/faq, 19.09.19

(145) Meiser-Stock, E. (2019). Der Umgang mit der Ahnung – Vermutung von Traumatisierungen in der Vergangenheit. PiD Psychotherapie im Dialog, (20), S. 70-73. Stuttgart: Thieme.