Beratung und Information zu neuen religiösen und ideologischen Gemeinschaften und Psychogruppen
gefördert durch das
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Bericht über die Arbeit des Sekten-Info NRW und die Aktivitäten neuer religiöser Gemeinschaften 2025


2025 auf einen Blick

Im Jahr 2025 meldeten sich 857 Personen bei unserer Beratungsstelle. Das Verhältnis von kurzen, einmaligen Kontakten mit Informationsanfragen zu intensiveren Beratungen mit mehreren Gesprächen hat sich gegenüber dem Vorjahr erneut zugunsten der Beratungskontakte verschoben. Es gab 337 Personen mit Informationsanfragen und 520 Personen mit Beratungsbedarf. Dies folgt dem Trend der letzten Jahre, demnach sich Bürger zunächst im Internet eigenständig informieren und weniger als früher bei der Beratungsstelle Informationen einholen. Allerdings liefert die Internetsuche nach seriösen Informationen oft verwirrende Ergebnisse. Auskunfts-”Gespräche” mit KI-Chatbots liefern nicht selten fehlerhafte Informationen. Und manch unseriöser Anbieter schafft es, unbequeme Rezensionen entfernen zu lassen oder den Anteil positiver Bewertungen über entsprechende Agenturen käuflich zu erhöhen. Wir werden daher oft um eine Einordnung gebeten. Zu den Kategorien mit erhöhtem Informations- und Beratungsbedarf folgen kurze Informationen auf den nächsten Seiten.

Erstmals wurden dieses Jahr in unserer Statistik die beiden Themen Verschwörungstheorien und Coaching aus der Kategorie Psychogruppen gelöst und einzeln erfasst. Grund hierfür sind die anhaltend hohen Fallzahlen in beiden Bereichen. Eine separate Aufführung dient der besseren Sichtbarkeit der beiden Themen. Die ursprünglich gemeinsame Rubrik Psychogruppen umfasst Angebote, die (pseudo-) psychotherapeutische Verfahren anbieten, sowie sozialutopische Lebensgemeinschaften, die ein hohes Konflikt- und Abhängigkeitspotential aufweisen. 

Information- und Beratungsanfragen 2025
Diagramm: Information & Beratung
 

Anfragenstruktur

Die meisten Anfragen und Beratungen kamen im Jahr 2025 von Angehörigen (30 %) und von selbst betroffenen Personen (27 %). Seltener meldeten sich Freund*innen/Bekannte/Kolleg*innen (9 %) und die Partner*innen (6 %). Schulen und Hochschulen sind mit 6 %, andere Institutionen mit 14 % vertreten.

Pressearbeit

63 mal (8%) wurden Anfragen von Medienvertreter*innen beantwortet. Dabei wurde nach Christlichem Fundamentalismus und sogenannten „Christfluencer*innen, unseriösen Coaching-Anbieter*innen, Esoterik und Anbieter*innen unseriöser Heilverfahren gefragt.

Gesprächskreise

Insgesamt fanden 11 digitale Austauschtreffen für Betroffene statt. Neben dem bereits seit 2021 laufendem Online-Gesprächskreis für Angehörige von Verschwörungsgläubigen startete Ende letzten Jahres ein Gesprächskreis für junge Erwachsene für einen Austausch zur Distanzierung von christlich fundamentalistischen Gemeinschaften. 

Vorträge 

In Rund 40 Vorträgen zu unterschiedlichen Themen wurden Fachleute der Bereiche Sozialpsychologie, Psychologischer Psychotherapie, Jugendamt und Schule (Lehrkräfte und [Berufs-] Schüler*innen) informiert. Erreicht wurden auf diese Weise - teils hybrid - ca. 1080 Personen.

Über 40 Gremien und Vernetzungsveranstaltungen

Es gab deutschlandweite Treffen der Beratungsstellen im Weltanschau-ungsbereich sowie speziell zum Thema Verschwörungstheorien. Beim „DACHS“-Treffen findet die Vernetzung der Beratungsstellen über den gesamten deutschsprachigen Raum statt (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol). Vertieft wurde die Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus. Es fanden Arbeitstreffen mit der NRW Landtagsfraktion der SPD statt. Schließlich erfolgten Treffen mit unserem Dachverband (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) sowie Vorstands- und Vereinstreffen.

Wer fragt an?
Diagramm: Wer fragt an

Kinderschutz

In 59 Fällen wurden Sorge oder Verdacht auf eine Kindeswohl-gefährdung geäußert. In 17 dieser Fälle wurde ein begründeter Verdacht sowie Maßnahmen besprochen, Weiterleitungen empfohlen oder eingeleitet. Sowohl bei der Sorge um das Kindes-wohl als auch beim erhärteten Verdacht bezieht sich die Mehrheit der Fälle auf den Bereich des Christlichen Fundamentalismus.

Rechtsberatung

Die Möglichkeit einer Rechtsberatung wurde im Jahr 2025 von 111 Klient*innen genutzt. Der größte Teil der in Anspruch genommenen Rechtsberatung bezog sich auf Fragestellungen im Kontext esoterischer Angebote. Dabei ging es insbesondere um die Frage, inwieweit die teilweise horrenden Honorare für „übersinnliche“ Dienstleistungen zurückgefordert werden können. Viele Klient*innen beklagten, dass sie sich vom jeweiligen Anbieter finanziell ausgenutzt fühlten. Die wiederkehrende Frage nach rechtlichen Schutzmöglichkeiten war Anlass eines entsprechenden Fachartikels in diesem Jahresbericht.

In einem weiteren großen Anteil der Rechtsberatung ging es um familienrechtliche Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit Konflikten der Eltern über die religiöse Kindererziehung. Hintergrund der elterlichen Konflikte ist häufig, dass sich nur ein Elternteil einer neuen religiösen Bewegung anschließt und die Kinder in dem praktizierten Glauben erziehen möchte. Ein dritter großer Komplex der Rechtsberatung betraf den Bereich der Coaching-Angebote. Vielen Kund*innen kamen die abgeschlossenen Verträge im Nachhinein intransparent und überteuert vor. Sie fühlten sich des Öfteren auch „überrumpelt“ und fragten nach rechtlichen Möglichkeiten sich von dem Vertragsabschluss wieder zu lösen. Teilweise wurden die Verträge in öffentlichen Cafés oder in privaten Räumlichkeiten abgeschlossen, so dass in einigen Fällen – abhängig von der fristgerechten Geltendmachung – auch die Ausübung des Widerrufsrechts erfolgreich zur Aufhebung entsprechender Verträge führte.

Rechtsberatung
Diagramm: Rechtsberatung

Unsere Themen:

Fundamentalistische Gruppen

Die Anfragen zum christlichen Fundamentalismus bleiben weiterhin auf einem konstant hohen Niveau und machen den größten Teil der 90 Informations- und 110 Beratungsfälle der Kategorie “Fundamentalistischen Gruppen” aus. Dabei zeigt sich eine große Vielfalt – sowohl hinsichtlich der Anfragenden als auch der Gruppen und Inhalte. Insgesamt ist die Szene breit gefächert, weshalb kontinuierliche Recherche einen zentralen Bestandteil unserer Arbeit darstellt.

Im Jahr 2025 traten jedoch insbesondere zwei Gruppierungen verstärkt in den Fokus: die „Freie christliche Jugendgemeinschaft Lüdenscheid“ (FCJG) sowie das „Wera-Forum“ in Duisburg. Beide wurden im Laufe des Jahres mehrfach medial aufgegriffen. So wurde Anfang 2025 über eine Razzia im Zusammenhang mit dem Wera-Forum berichtet; die weiteren Ergebnisse stehen derzeit noch aus. In der Beratung stehen bei der Auseinandersetzung mit solchen Gruppen häufig strikte Glaubens- und Verhaltensvorstellungen im Mittelpunkt. 

Die gesellschaftliche Relevanz des Themas spiegelte sich zudem in zahlreichen Medienanfragen und Berichten wider. Dokumentationen verdeutlichten unter anderem, wie ideologische Einflussnahme über soziale Medien erfolgt und in welchen Zusammenhängen sich christliche Influencer mit rechtsextremen Akteuren vernetzen. Ein gemeinsamer Nenner ist dabei häufig die Ablehnung einer liberalen, pluralistischen Gesellschaft; vereinzelt werden sogar Vorstellungen eines christlichen Gottesstaates vertreten.

Auch auf internationaler Ebene wurde sichtbar, wie religiöse Narrative politisch instrumentalisiert werden können – etwa in den USA im Zusammenhang mit der Ermordung des christlichen Aktivisten Charlie Kirk. Die Trauerfeier entwickelte sich zum politisch stark aufgeladenen Staatsakt. Weniger Aufmerksamkeit erhielt hingegen eine religiös motivierte Anschlagsserie eines Abtreibungsgegners gegen Politiker*innen der demokratischen Partei, bei der zwei Menschen getötet wurden.

Solche Entwicklungen finden auch in Deutschland Resonanz. Teile der christlich fundamentalistischen Szene greifen Narrative über eine angeblich bedrohliche „radikale Linke“ auf und übertragen sie auf den hiesigen Kontext. Menschen, die sich aus diesen Zusammenhängen lösen möchten, sehen sich oftmals mit erheblichen persönlichen Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehört insbesondere rigide moralische Vorgaben hinter sich zu lassen und eigene Lebensentwürfe zu entwickeln. In diesem Prozess spielen Ängste, depressive Verstimmungen sowie Fragen des Selbstwerts eine wichtige Rolle. Gerade für junge Menschen ist es zentral, Schuld- und Schamgefühle sowie überhöhte Verantwortungszuschreibungen zu überwinden. In einigen Fällen kann dabei auch psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang ein neu eingerichteter Gesprächskreis für junge Erwachsene, die aus christlich-fundamentalistischen Strukturen ausgestiegen sind, der auf gute Resonanz stößt. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine vorherige Beratung.

Rechtlicher Beratungsbedarf zeigte sich wie gewohnt in Bezug auf mögliche Kindeswohlgefährdungen oder Sorge ums Kindeswohl. Anfragende sind hier meist getrenntlebende Eltern, die unterschiedliche Weltanschauungen vertreten oder Fachpersonen aus dem Bereich Kindheit und Jugend. Bei der Umsetzung von unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen helfen wir dabei, eine das Kindeswohl schützende rechtliche Lösung zu erarbeiten. Dabei kommunizieren wir nicht nur mit Eltern, sondern auch mit Anwälten oder Verfahrensbeiständen. Im Themenfeld christlich-fundamentalistischer Weltanschauungen sind die häufigsten Themen Züchtigung, massive religiöse Beeinflussung, angstmachende Gottesvorstellungen und soziale Abschottung – all das kann die physische und psychische Entwicklung schädigen.

Neben den Betroffenen selbst suchten auch Eltern Unterstützung, insbesondere wenn ihre Kinder im Zuge neuer Partnerschaften Interesse an fundamentalistischen Angeboten entwickelten. Häufig spielt hierbei eine starke Orientierung an einer neuen Beziehung eine Rolle. Eltern äußern in solchen Situationen oft die Sorge vor einem möglichen Kontaktverlust. In der Beratung wird daher gemeinsam geklärt, wie begründet diese Befürchtungen sind und welche Möglichkeiten bestehen, die Beziehung stabil zu halten – zumal Druck und anhaltende Kritik eher zu weiterer Abschottung führen können.

Esoterik

Im Jahr 2025 wurden in diesem Bereich 14 Informationsanfragen und über 100 Beratungsfälle bearbeitet, was die hohe Nachfrage und die praktischen Problemlagen unterstreicht. Viele Menschen wenden sich insbesondere in Krisenzeiten oder auf der Suche nach Sinn, Orientierung und ganzheitlicher Heilung esoterischen Angeboten zu. Während einige komplementärmedizinische Verfahren unterstützend wirken können, fehlt für zahlreiche Praktiken eine wissenschaftliche Grundlage.

Obwohl esoterische Angebote wie astrologische Beratung, Hellsehen, Kartenlegen oder Pendeln häufig als harmlos wahrgenommen und in ihrem Gefährdungspotenzial unterschätzt werden, ist der konkrete Beratungsbedarf in diesem Feld hoch. Dies verweist auf eine anhaltende Verbreitung und gesellschaftliche Relevanz esoterischer und alternativer Heilmethoden und stützt die These einer fortschreitenden „Esoterisierung“ der Gesellschaft. Gleichzeitig widerspricht dies der Annahme, dass Kirchenaustritte automatisch mit einer kritischen Säkularisierung oder einer Abkehr von Spiritualität einhergehen.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Klient*innen in finanzielle oder emotionale Abhängigkeiten geraten, hohe Geldsummen verlieren oder notwendige medizinische und psychotherapeutische Behandlungen zugunsten esoterischer Angebote vernachlässigen. Zudem können esoterische Weltbilder mit Verschwörungsglauben oder extremistischen Ideologien verknüpft sein und soziale sowie familiäre Konflikte verschärfen.
Der Jahresbericht greift diese Entwicklungen in zwei Fachartikeln auf: Uta Bange beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Sinnsuche, Protest und dem Wunsch nach „sanfter“ Heilung und zeigt anhand anonymisierter Fallbeispiele konkrete Risiken auf. Anja Massenberg ergänzt dies durch eine Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und verweist auf Gerichtsurteile, in denen Betroffene nach unseriösen Geschäftspraktiken zu ihrem Recht gekommen sind.

Coaching

Unseriöse Coaching-Angebote haben in den letzten Jahren, insbesondere durch Digitalisierung und die COVID-19-Pandemie, stark zugenommen. Da die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist und verbindliche Qualitätsstandards fehlen, ist der Markt unübersichtlich und birgt für Verbraucher*innen ein erhöhtes Risiko.

Mit 49 Anfragen und 28 Beratungsfällen bleibt dieser Bereich stark nachgefragt. Unseriöse Angebote werben häufig mit überhöhten Erfolgsversprechen zu Themen wie beruflichem Erfolg, persönlicher Erfüllung oder Beziehungen und richten sich besonders an Menschen in Krisen oder Umbruchsituationen. Die Abgrenzung zur Psychotherapie ist dabei oft unklar, obwohl viele Anbieter nicht entsprechend qualifiziert sind.

Typisch sind kostenlose Einstiegsangebote und gezielte Marketingstrategien, die Teilnehmende in kostenintensive Programme führen können. Dies geht nicht selten mit finanziellen Belastungen, emotionaler Abhängigkeit, sozialem Rückzug und Konflikten im persönlichen Umfeld einher. Besonders kritisch ist der Umgang mit psychischen Belastungen: Ohne fachliche Kompetenz können angestoßene emotionale Prozesse zu Destabilisierung oder Krisen führen. Zudem zeigen sich teilweise manipulative Gruppendynamiken und grenzüberschreitendes Verhalten. Insgesamt handelt es sich um ein wachsendes und risikobehaftetes Feld, das weiterhin hohen Beratungsbedarf erzeugt.

Verschwörungstheorien

Bei den Fällen zu Verschwörungstheorien meldeten sich – wie schon in den Jahren zuvor – in erster Linie Angehörige, bei denen es aufgrund des Verschwörungsglaubens ihrer Familienmitglieder oder Partner*innen zu Beziehungs- und Familienproblemen kam. Viele Klient*innen berichteten weiterhin, dass die betroffenen Personen schon lange Interesse an alternativen Heilmethoden oder esoterischen Angeboten gezeigt hatten, der Glaube an Verschwörungstheorien aber seit der Corona-Pandemie in den Vordergrund gerückt sei. Betroffen sind meist die Eltern, Geschwister oder Partner*innen der Ratsuchenden. Die zu Streit führenden Themen betreffen häufig Meinungsverschiedenheiten bei gesundheitlichen Fragen und die Rechtfertigung rechtsextremen Gedankenguts mithilfe von Verschwörungstheorien. Weiterhin findet ein von uns moderierter Online-Gesprächskreis für Angehörige von Verschwörungsgläubigen statt. Zugangsvoraussetzung ist eine vorhergehende Beratung, um einen Schutz zu gewährleisten.

Es gab 21 Informationsanfragen. Unter die 56 Beratungsfälle fielen auch jeweils drei zur völkischen Anastasiabewegung sowie zum „Königreich Deutschland“. Im Mai wurde das dem Reichsbürgermilieu zuzurechnende „Königreich Deutschland“ verboten. Innenminister Dobrindt: 
„Die Mitglieder dieser Vereinigung haben einen „Gegenstaat“ in unserem Land geschaffen und wirtschaftskriminelle Strukturen aufgebaut. So untergraben sie beharrlich die Rechtsordnung und das Gewaltmonopol der Bundesrepublik. Dabei untermauern sie ihren vermeintlichen Herrschaftsanspruch durch antisemitische Verschwörungserzählungen. Das kann in unserem Rechtsstaat nicht geduldet werden.“

Im laufenden Verfahrens-Komplex um die Umsturzpläne des mutmaßlichen "Reichsbürger"-Netzwerks um Heinrich XIII. Prinz Reuß hat es drei weitere Festnahmen gegeben. Der Vorwurf lautet Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zum Ziel, die staatliche Ordnung gewaltsam zu beseitigen, teilte das LKA Bayern mit. 

Im Zuge der Ermittlungen zu den „Epstein Akten“ fällt auf, dass es bei verschwörungsideologischen Akteur*innen eine Vermischung mit den Narrativen um Q-Anon gibt. Zuletzt fiel dabei Sänger Xavier Naidoo mit unhaltbaren Behauptungen von Kannibalismus auf.

Ideologische Therapieverfahren

Neu erfasst werden „Ideologische Therapieverfahren“. Darunter fallen unwirksame und/oder gefährliche Therapieverfahren, die durch eine Weltanschauung geprägt sind. Klient*innen wird suggeriert, es handele sich um seriöse, „anerkannte“ Therapieverfahren. Beipiele für eine ideologisch geprägte Behandlung sind die ”Rituelle Gewalt-Mind-Control-Therapie” (RG-MC) oder die ”Germanische Neue Medizin”.

Die “Germanische Neue Medizin” erhält durch den Einsatz künstlicher Intelligenz einen modernen Anstrich. Der Spiegel berichtet über die Werbung für die gefährliche „Germanische Neue Medizin“ mit einem KI-Chatbot, der vermeintliche medizinische Ratschläge gebe. Bei abgeschlossenem Abo können Nutzer auch Bilder ihrer Symptome hochladen.
(https://www.spiegel.de/panorama/germanische-neue-medizin-erhaelt-im-netz-neue-anhaenger-gefaehrliche-pseudomedizin-a-fb982291-cd21-4e9b-9e75-1f774b740e01https://www.spiegel.de/panorama/germanische-neue-medizin-erhaelt-im-netz-neue-anhaenger-gefaehrliche-pseudomedizin-a-fb982291-cd21-4e9b-9e75-1f774b740e01)

Bistümer veröffentlichen Untersuchung zu Vorwürfen „Ritueller Gewalt“
Die Bistümer Essen und Münster sowie das Erzbistum Köln ließen durch eine Anwaltskanzlei untersuchen, ob es kirchliche Täternetzwerke mit „ritueller Gewalt“ gegeben hat. Die umfangreiche und intensive Untersuchung fand jedoch keine belastbaren Hinweise darauf, dass die beschuldigten Personen solche Taten begangen haben oder dass entsprechende Netzwerke existieren. Laut einem aussagepsychologischen Gutachten beruhen viele der geschilderten Erinnerungen vermutlich auf Scheinerinnerungen, die möglicherweise durch suggestive Einflüsse – etwa im Therapiekontext – entstanden sind. Die Bistümer betonen dennoch, dass sie Betroffene weiterhin ernst nehmen und unterstützen wollen, jedoch künftig nur Therapien finanzieren, die nicht auf der umstrittenen Rituelle-Gewalt-Theorie basieren. Eine zum Schutz der Betroffenen anonymisierte und geschwärzte Fassung des Untersuchungsberichts ist online verfügbar (https://www.bistum.ruhr/rituellegewalt).

Blinder Fleck
Im letzten Jahr wurde die Dokumentation „Blinder Fleck“ von Liz Wieskerstrauch über angebliche organisierte rituelle Gewalt in deutschen Programmkinos gezeigt. Der Film gibt vor allem Betroffenen eine Stimme, liefert jedoch keine neuen Belege für solche Täternetzwerke, deren Existenz bisher nicht nachgewiesen ist. Kritisiert wird, dass der Film emotional erzählt ist, skeptische Positionen kaum einordnet und der Begriff „rituelle Gewalt“ unklar bleibt. Der Film „Blinder Fleck“ wurde in NRW beim Snowdance Filmfestival als bester Dokumentarfilm nominiert; dies löste heftige Kritik aus. Die WAZ in Essen berichtete darüber ausführlich. Die Nominierung wurde zwar nicht zurückgezogen, jedoch erhielt den Preis ein anderer nominierter Film.

Synkretistische Neureligionen

Gerade christliche Sondergemeinschaften wie die koreanischen Gruppen „Shincheonji“ und „Weltmissionsverein Gemeinde Gottes“, sowie die chinesische „Kirche des allmächtigen Gottes“ missionieren verstärkt im Internet - auch bei Minderjährigen. Wer auf Social Media Content dieser christlichen Sondergemeinschaften kommentiert oder mit Emojis auf Einträge reagiert kann leicht von einer der Gemeinschaften angeschrieben werden. Auf zunächst unverfängliche Gespräche und Freundschaftsanbahnungen folgen Einladungen zu intensiveren Glaubensgesprächen und Bibelkursen. Das missionarische Agieren von Shincheonji wurde bereits in Dokumentationen beschrieben. Problematisch sind vor allem Anwerbeversuche ohne Nennung des Namens der koreanischen Gemeinschaft. 2025 erschien im Herder Verlag ein Buch, welches klassische Anwerbe-, Ein- und Ausstiegsszenarien skizziert und auf die konfliktträchtigen Aspekte eingeht: „Die Seelenfänger von Shincheonji“ von Oliver Koch und Johannes Lorenz.

Die synkretistischen Gruppen vereinigten letztes Jahr 23 Informationsanfragen und 49 Beratungsfälle. Mit 28 Fällen hatten Beratungsgespräche im Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas einen hohen Anteil. Themen waren unter anderem die Sorge vor sozialer Isolation nach Distanzierung von der Gemeinschaft oder das Leiden an der empfundenen Ächtung durch Freund*innen und Verwandte, die in der Gemeinschaft verbleiben.

Psychogruppen

Die Kategorie Psychogruppen umfasst Angebote, die (pseudo-) psychotherapeutische Verfahren anbieten und ein hohes emotionales Abhängigkeitspotential aufweisen. Teils treten sie mit sozialutopischen Lebensmodellen in Erscheinung. Dabei kann es in einigen konfliktträchtigen Gemeinschaften auch zu psychischer und/oder physischer Gewalt kommen. Im letzten Jahr hatten wir in diesem Bereich 5 Anfragen und 17 Beratungsfälle zu verschiedenen Gruppen.

Scientology

Etwas gestiegen sind die Zahlen zur Scientology-Organisation mit 14 Informationsanfragen und 15 Beratungsfällen. Anlass zur Beratung waren die Aufarbeitung der eigenen Scientology Vergangenheit ehemaliger Mitglieder und Probleme am Arbeitsplatz von Mitarbeitenden, die in von Scientologen geführten Unternehmen eingestellt waren. Darüber hinaus führten auch die von Scientology kostenlos angebotenen Persönlichkeitstests und Anwerbungen zu Verunsicherung und Beratungsbedarf. Hinzuweisen ist hier auf die zunehmende Nutzung von Social Media Plattformen zur Bewerbung von Scientology und scientologischen Inhalten, z.B. auf TikTok oder YouTube.

Forschungsprojekte und Wissenschaftskommunikation

Auch in diesem Jahr haben wir Forschende, Studierende oder Mitarbeitende an Universitäten und Bildungseinrichtungen bei Ihren Arbeiten und Projekten unterstützt. Durch Hintergrundgespräche, Interviews, Fachgespräche oder Fragebögen konnten wir unser Wissen für laufende oder geplante Forschungsvorhaben zur Verfügung stellen. Dabei waren wir beispielsweise zu Podcastaufnahmen oder Fachgesprächen sowie Podiumsdiskussionen eingeladen.

Besonders hervorzuheben ist das Projekt SWOKJA, bei dem sich das Sekten-Info beteiligt hat. Hinter dem Akronym (SW)OKJA steckt ein Lehrforschungsprojekt an der Hochschule Düsseldorf (HSD). Angegliedert ist das Projekt am Lehrstuhl für Psychologie der Lebensspanne von Prof.in Dr. Fatma Çelik, welche sich u.a. auf Kinderschutz-Themen spezialisiert. Ziel des Lehrforschungsprojekts ist es, ein Konzept zur Förderung der Selbstwirksamkeit von Jugendlichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln, zu implementieren und zu evaluieren.

Im Rahmen des interdisziplinären und partizipativen Lehrforschungsprojekts wird eine bisher für Schulen konzeptionierte Kurzmaßnahme zur Stärkung der allgemeinen Selbstwirksamkeit dem Kontext der offenen Kinder- und Jugendarbeit angepasst, implementiert und evaluiert. Hierbei arbeiten Studierende, Fachkräfte aus der Praxis, ein Forschungsteam und schließlich Jugendliche zusammen, um die Bedarfe der Altersgruppe partizipativ zu erfassen und zu adressieren. Die aus dem Seminar gewonnenen Erkenntnisse werden für Interessent*innen bei Studienabschluss in Form eines Manuals zur Verfügung gestellt.

Das Sekten-Info war im Rahmen eines Expert*innen-Hearings an der Hochschule Düsseldorf mit einer Fachkraft vertreten. Zudem gab es einen großen YOUth Day in einem Jugendzentrum in Duisburg, bei dem Jugendliche unterschiedliche Stationen besuchen konnten. Das Sekten-Info gestaltete mit zwei Mitarbeiter*innen eine Station zu weltanschaulichem Content auf Social Media. Ziel war es, Emotionen und Gedanken zu diesen Videos zu reflektieren. Das Angebot traf auf Zustimmung und soll wiederholt werden. 

Aktuelle Buch- & Podcast-Empfehlungen siehe Literaturverzeichnis