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Die "Universale Kirche" als Beispiel einer problematischen, esoterischen Gruppierung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Christoph Grotepass   

Der Artikel beschäftigt sich mit einer eher kleinen Gruppierung. Das missionarische und elitäre Bewusstsein der Mitglieder birgt jedoch Konfliktpotential und sorgt regelmäßig für Informationsanfragen und Beratungsfälle. Daher möchte der Artikel Problembewusstsein für die konfliktträchtigen Strukturen dieser Gruppierung schaffen. Mit einem Blick auf die Traditionen, auf welche sich die Universale Kirche bezieht, sollen dabei die zum Teil bedenklichen thematischen Parallelen zu anderen neuen religiösen Gemeinschaften und anderen Angeboten des Esoterikmarktes aufgezeigt werden.

Denn esoterische Elemente durchziehen mittlerweile mit einiger Selbstverständlichkeit unsere Gegenwartskultur. Vielfach belächelt, werden viele Themen als harmlose Spinnerei erachtet. Manches wird mit dem Hinweis „Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde,...“ für möglich gehalten oder toleriert. Einiges als ernsthafter Versuch alternativer Betrachtungsweise wertgeschätzt. Angesichts der unüberschaubaren Fülle esoterischer Angebote ist nicht immer leicht zu erkennen, ob man sich im allgemeineren „Esoterikmarkt“ bewegt, oder sich auf eine Gruppierung mit problematischen Strukturen einlässt.


Viele Namen – eine „Bruderschaft“

Die „Universale Kirche“ tritt auch unter folgenden Bezeichnungen auf: „Fundament für höheres geistiges Lernen“, „Bruderschaft der Menschheit“, „Der Heilige Orden und die Innere Bruderschaft der Universalen Kirche“, „Neue Franziskanische Welt-Missionsbestrebung“.

Dem Namen „Universale Kirche“ liegt ein umfassender Anspruch zugrunde, der von der „Bruderschaft der Menschheit“ trotz der geringen Größe der Anhängerschaft (2500; 1000 im deutschsprachigen Raum) deutlich erhoben wird. Die Selbstbezeichnungen vermitteln einen Eindruck von dem elitären Charakter der Gemeinschaft. Dies teilt sie mit einer ganzen Reihe von anderen neuen religiösen Gemeinschaften, etwa dem „Universellen Leben“, oder der „Universalen weißen Bruderschaft“. Lehren und Anspruch haben zu einem erheblichen Anteil gemeinsame Wurzeln und begegnen dem spirituell Suchenden auch auf dem Esoterikmarkt.
 
Zentrale der Gemeinschaft und Sitz des Führers Peter Leach-Lewis ist das Shenandoah-Sanktuarium in Centreville in Virginia/USA. Leach-Lewis versteht sich als „Orakel“, als Kanal göttlicher Wesenheiten, bzw. „aufgestiegener Meister“. Mit der Durchgabe ihrer Weisheiten diene er der Anleitung der „Schüler“. Die europäische Hauptstelle befindet sich im schweizerischen Walzenhausen. Ihr sind die Schlüsselhalter der einzelnen Länder unterstellt, denen die Gottesdiensträume, die „Sanktuarien“ zugeordnet sind. Die Sanktuarien befinden sich zumeist in Privatbesitz und müssen auch eigenständig unterhalten werden. Das deutsche Zentrum ist in Herrenberg. Aktiv ist die Gemeinschaft vor allem in den USA und der Schweiz.

Die gerne genannten 12 Dollar an jährlichen Verpflichtungen sind deutlich zu tief gegriffen. Der finanzielle Aufwand besteht neben ständigen Spendenaufforderungen (Aussteiger berichten von 100 Euro monatlich zur Unterstützung der 14-tägigen Botschaften „Lifeline“) aus weiteren Verpflichtungen: Kosten für die teilnahmepflichtigen Seminare und weltweit ein bis zweimal jährlich stattfindenden Kongresse, die Unterhaltung der Sanktuarien, die 400 Euro teure Robe. Hinzu kommen beträchtliche Zeitaufwände für die wöchentlichen Fahrten zu den wenigen Sanktuarien, für etliche Dienste dort, für Einführungskurse und andere Werbeaktionen. Dies führt nach Aussage ehemaliger Mitglieder zu einem starken Druck auf die Familien und zu Verschuldungen. Der hohe Aufwand, den die Anhänger betreiben müssen und der geforderte Gehorsam sorgt für eine hohe Fluktuation. In einem „persönlichen Brief“ vom 14.2.2000 schreibt Leach-Lewis von 25.000 oder mehr, die Teil der „Aktivität“ waren und sie wieder verließen. Nach außen herrscht über die Tätigkeiten und Inhalte der Kirche Stillschweigen; dies wird auch schon den Kindern eingeschärft. Der Kontakt zu Ehemaligen ist den Mitgliedern verboten, da sie nun zum Antichristen gehören. Der Gemeinschaftsdruck wird erhöht, indem jedes Mitglied jährlich eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben und einzusenden hat:

"(...) Im Einklang stehend mit der grossartigen Tradition dieses jährlichen Bekenntnisses zur Verpflichtung... bekräftige ich erneut mein vorbehaltloses Vertrauen zu den Meistern der Weisheit und Ihren Lehren und ich gelobe unerschütterlichen Gehorsam gegenüber Ihren Wünschen in allen Angelegenheiten, die mit meiner fortschreitenden geistigen Entwicklung verbunden sind. (...) Zusätzlich anerkenne ich meine persönliche Verantwortung und die Fähigkeit, meine mir eigenen Talente und Gaben, wann und wo auch immer, zu teilen; ebenso auch die notwendige finanzielle Unterstützung beizutragen und dadurch mitzuhelfen, diese einzigartige Aktivität des Lichtes zu errichten, auszudehnen und zu erhalten..."

 

Themenbereiche und Aktivitäten der Universalen Kirche

Franziskaner, Schafe und trainierte Welpen

Den Anspruch der Universalen Kirche und Bruderschaft untermauern die Mitglieder auch sichtbar durch das Tragen von Kutten, die den franziskanischen Mönchsroben nachempfunden sind. Diese werden bei Gottesdiensten, gelegentlich auch öffentlich getragen. Der Anspruch, Erben der von Franz von Assisi gegründeten katholischen Ordensgemeinschaft zu sein, ist aufgrund der Differenzen absurd. Doch die Ähnlichkeit der Roben täuscht eine inhaltliche Verwandtschaft vor und die Eigendefinition als Christen wird von den Mitgliedern selbstsicher vorgetragen. Dies hat z.B. beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin bei angesprochenen Besuchern zu beträchtlicher Verwirrung geführt, denn eine ökumenetaugliche Gesprächsebene existiert nicht.

Die Übernahme einer mit Franz von Assisi (wie auch immer) assoziierten Ethik ist ehrenwert und ist nicht Gegenstand der Kritik. Die Mitglieder sollen durch ihre praktizierte Nächstenliebe der Welt als Vorbild dienen. Sie gehören zur spirituellen Elite, die ihr göttliches Ich – das „Christus-Selbst“ - erkennen, trainieren und damit zur Erlösung der Menschheit beitragen. Zu dieser Aufgabe wurde der „Chela“ von den Meistern in vorherigen Leben vorbereitet und nun zur Bruderschaft gerufen. Entsprechend hoch ist die Anforderung an sein ethisches Handeln, bzw. an seine Anpassungsbereitschaft an Lehre und Regeln. Die Selbstbezeichnung Chela (Schaf) kommt aus dem hinduistischen Kontext und meint „Schüler“. Der Schüler weiß durch die Einführungsvorträge, dass sein elitärer Status verdient ist. Vor seinem derzeitigen (evtl. belanglos erlebten) Leben tut sich ein Vermächtnis auf, welches ihm eine entsprechend würdige Aufgabe zuweist. Dies erfordert die Anleitung der Meister und damit den Gehorsam gegenüber dem vermittelnden Orakel. Leach-Lewis nimmt damit eine kritische, nicht hinterfragbare und heilsnotwendige Position ein:
"Wenn ihr eure Persönlichkeit ablegt, werdet ihr feststellen, dass euer Leben glücklicher wird. Menschliche Persönlichkeiten mögen es nicht, wenn man ihnen sagt, was sie zu tun haben. Ihr werdet feststellen, dass ein trainierter Welpe ein glücklicher Hund ist." ("Das Innere Licht", 14.09.1994)

 

Die „Lifeline“ (zuvor „Das innere Licht“)

„Eine fortlaufende zweiwöchentlich erscheinende Folge exklusiver und zeitgemäßer, nirgends sonst erhältlicher Höherer Geistiger Lehren, als ein Mittel der Individuellen Entfaltung, des Direkten Kontaktes mit Der Gottheit und des Gemeinschaftlichen Welt-Dienstes.“     
Die Lifeline enthält eingangs Anweisungen zur meditativen Betrachtung. Die wechselnd zur Sprache kommenden Meister oder Hierarchen repräsentieren verschiedene spirituelle Aspekte, Farben, Orte, usw. Im Januar 2003 las sich das wie folgt (Lifeline, 1.1.2003):

„DER TEMPEL DES AUFSTIEGS
Im ätherischen Reich direkt über der Hypostylon-Halle des Karnak Tempels, Luxor, Ägypten.
Hierarch: „Der geliebte Serapis Bey“, der Direktor der Seraphim
Flammenfarbe: kristallin-weiß mit einer hellen sonnen-goldenen Strahlung
Die achtfache rhythmische Verlautbarung zur Anpassung und Projektion des heiligen Atems: (I) ICH BIN einatmend... (II) ICH BIN aufnehmend... (III) ICH BIN projizierend... Und erhebend / Mein Sein / mit Allem, was / der Meister / Serapis / ist Gebend!“
Tempel Schlüsselmelodie: Liebestraum - F. Liszt (...)“


Anschließend folgt die Ansprache des Serapis Bey („Einhüllender Geist für das Jahr 2003“). Der lobt den Leiter des Wuppertaler Tempels, andere Chelas werden getadelt. Es werden geschichtliche Zusammenhänge aufgezeigt. Der Leser erfährt, dass der aufgestiegene Meister unzufrieden mit den liturgischen Änderungen des 2. Vatikanischen Konzils (1962-65) ist, weil sich der Priester während der Wandlung nun der Gemeinde zuwendet. In den Anmerkungen dazu liest man dann, dass das Konzil nicht nur das universelle Latein in der Liturgie durch die Landessprachen ersetzte, sondern dass es „zusätzlich“ von „jüdischen Interessensgruppen“ gezwungen wurde, öffentlich die Verfolgungen und den Antisemitimus zu beklagen, unter denen Juden zu leiden hatten. Ein Blitzeinschlag in eine Uhr des Petersdoms am letzten Tag des Konzils, sei dazu eine Botschaft von oben.

Plaudereien der aufgestiegenen Meister aus ihren verschiedenen Inkarnationsbiographien (und über historische Ereignisse, bei denen sie anwesend waren) wechseln sich in den Lifelines ab mit Aufrufen zur Disziplin: Ausgebildete Chelas - so „Lord Morya“ (Lifeline, 1.9.2002, S.8) - seien wie ein zugerittenes Pferd. Es tue etwas Konstruktives, indem es sich, an Gebiss und Zaumzeug gewöhnt, den kosmischen Kräften unterwerfe. Ein öfter vorkommendes Thema ist die enorme Bürde des wahren Orakels und „geliebten Peter“ (Leach-Lewis), welche nicht immer genug gewürdigt würde.

Die Mitglieder sind gehalten, monatliche Schreiben an einen Meister ihrer Wahl zu schreiben und an das Hauptsanktuarium zu senden, wo sie verbrannt würden. Antworten auf Fragen seien in den Durchgaben der Meister enthalten. Die „Lifeline“ wird so zum Kontrollinstrument, das der Gleichschaltung der Mitglieder dient.

Primary Lessons, Seminare und Kongresse

Die „Primary Lessons“ genannten Einführungsvorträge finden unter anderem in Hotelräumlichkeiten oder Heilpraktikerpraxen statt und führen den Interessierten in die Vorstellungswelt der theosophisch-esoterischen Lehre ein. Bei der Anwerbung neuer Mitglieder wird das besondere Anliegen ethischen Handelns in den Vordergrund gestellt. Dies bedient eine im esoterischen Bereich oft anzutreffende Sehnsucht und unterstreicht gleichzeitig die elitäre Selbstwahrnehmung. Der Themenplan beinhaltet u.a.: Die eigene Welt verbessern, aber wie? Schulungsraum Erde, Reinkarnation, Karma, die aufgestiegenen Meister und ihr Tun, Schutz, Heilung. Für die letzten 3 der 9 Vorträge der Reihe muss sich der Interessent bereits als Mitglied verpflichten. Solche Vorträge werden verschiedentlich auch für Kinder angeboten. Es folgen weitere Seminare, die „Secondary Lessons“. Die weltweit ein bis zweimal jährlich stattfindenden Kongresse sind für alle Mitglieder verpflichtend. Zusätzlich werden Seminare und Kongresse von dem „Weltfundament für Naturwissenschaft“ abgehalten.
 

„Weltfundament für Naturwissenschaft“

„Mikrowellenherde sind schädlicher und heimtückischer als die Gasöfen von Dachau. Denn da werden Hunderte von Millionen Menschen tangiert – weil sie Krebs bekommen.“
(Hans Ulrich Hertel, früherer Europapräsident des Weltfundaments, in „der schweizerische Beobachter“, 4/96)

Das "Weltfundament für Natur-Wissenschaft" dient der Universalen Kirche dazu, ihre Anliegen der Bevölkerung auf „wissenschaftlicher“ Ebene nahe zu bringen. Daher sind Leiter und etliche Mitglieder Anhänger der Universalen Kirche. Mit einem Jahresbeitrag von 90 Euro (Einzelperson) unterzeichnet man unter Angabe seiner Fähigkeiten eine jährliche Verpflichtung, „... aus dieser Welt einen besseren Ort zu machen.“ Von hier werden Kongresse organisiert, die offenbar insbesondere Wissenschaftlern mit mangelnder allgemeiner Akzeptanz als Forum dienen. Infolgedessen mischen sich neben üblichen Themen zum Naturschutz und alternativen Heilverfahren auch verschwörungstheoretische Zusammenhänge. Auf der Webseite des Weltfundamentes für Natur-Wissenschaft heißt es zur Selbstdarstellung:
"Das Weltfundament für Natur-Wissenschaft (The World Foundation for Natural Science) ist die neue franziskanisch-wissenschaftliche Weltbestrebung der Neuen Welt-Kirche. Es repräsentiert ein starkes Fundament aus Tausenden von verantwortungsbewussten, gebildeten und intelligenten Männern und Frauen aus Wissenschaft und Industrie, die (vertreten in 74 Nationen) in der äußeren Welt dienen und sich ausschließlich der Wiederherstellung und Heilung der Welt durch Verantwortung und Verpflichtung im Einklang mit dem Natürlichen und Göttlichen Gesetz widmen."
 
Auf der Webseite werden unter verschiedenen Themenrubriken Vorträge angeboten und Informationsmaterial zum Herunterladen bereitgestellt. Z.B. zum Thema Mikrowellen der Info-Flyer für Kinder und Jugendliche „Mobilfunk – Handys sind out!“ Unter dem Slogan von Keith Richards „Ich benutze keine Handys. Da kannst du deinen Kopf ja gleich in einen Mikrowellenherd stecken“ wird eher Panikmache als Aufklärung betrieben:
„Da es sich beim Mobilfunk um eine widernatürliche Strahlung handelt, ist sie auch in kleinen Mengen schädlich.“ „Die Wissenschaft weiß ganz genau, dass Veränderungen im Erbgut Krebs auslösen können. Aber auch andere Beschwerden werden mit der Mobilfunkstrahlung in Verbindung gebracht: Fruchtbarkeitsstörungen, Hirnkrämpfe (Epileptische Anfälle), Hirntumor und andere Krebsarten.“
„Mit der Klasse einen sinnvollen Umgang mit dem Handy üben.“ Unter dieser Bezeichnung haben Mitglieder des Weltfundaments und der Universalen Kirche Kurse an Schulen und Volkshochschulen in der Schweiz durchgeführt und 2008 auch in Deutschland angeboten.

Es ist ein schätzenswertes Anliegen, Wissenschaft mit spiritueller Weisheit und Intuition verbinden zu wollen. Kritische Inspiration und begleitende ethische Diskussion stehen aber im Gegensatz zu pseudowissenschaftlicher Panikmache. In der Schulbroschüre des Bundesamtes für Strahlenschutz von 2006 wird zwar ebenfalls Keith Richards zitiert. Hier wird die Behauptung aber durch die sachliche Aufklärung über Strahlenarten und deren Nutzen und Gefahren widerlegt. Aufgrund nicht vollständig auszuschließender Risiken werden auch hier Verhaltensempfehlungen im Umgang mit dem Handy gegeben.
 

„ZeitenSchrift“ und Verschwörungstheorien

Seit 1993 geben Ursula und Benjamin Seiler-Spielmann die vierteljährlich erscheinende Esoterik-Zeitschrift „ZeitenSchrift“ im schweizerischen Berneck heraus. Die Auflage liegt bei 10.000 Exemplaren. Leach-Lewis gab bei einem Kongress der Universalen Kirche am 23.07.1993 in Toronto dem anwesenden Paar seinen Segen zu diesem Projekt und rief zu dessen Unterstützung auf. Laut dem Schweizer Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Jürg Frischknecht erhielten die Mitglieder die Aufforderung, Kleinbürgschaften für das Projekt ZeitenSchrift zu leisten - als Garantie für einen Kredit, den die anthroposophische „Freie Gemeinschaftsbank“ Dornach gewährte. (Klartext, Ausgabe 2, 1996)  Offiziell unabhängig, wird in der ZeitenSchrift nicht für die Universale Kirche geworben. Doch sind deren Themen und damit auch die des Weltfundamentes für Naturwissenschaft in den Ausgaben präsent: Ein unkommentierter Abdruck der 17 goldenen Regeln der Gemeinschaft, Interviews mit Leach-Lewis und Hertel, dem ehemaligen Europapräsident des Weltfundamentes, Porträts von Meistern, Schädlichkeit der Mikrowellen und vieles mehr. Umgekehrt beziehen sich Leach-Lewis und die Meister in den Publikationen der Universalen Kirche oft auf Themen der Zeitschrift. Der Leserkreis wird auf der Webseite wie folgt beschrieben:
„Die ZeitenSchrift richtet sich an den Menschen, der wissen will. Der tun will. Der wittert, daß etwas nicht stimmt, und nicht länger hinters Licht geführt werden möchte. Der offen ist für die höheren Gesetzmäßigkeiten des Lebens. (...) Am meisten unterscheidet sich die ZeitenSchrift von anderen Magazinen vermutlich darin, daß die Themen, die sie bringt, auf denselben, geistig-naturwissenschaftlichen Gesetzen basieren, die wiederzuerkennen das Privileg des Menschen im Wassermann-Zeitalter ist.“

Die Nr. 1 hat dazu u.a. folgende Themen: „Die Erde ist hohl; 1829: Zwei Norweger reisen ins Innere der Welt; Mikrowellen – Gefahr für das Leben; Kinder erzählen vom Jenseits.“
Der pseudowissenschaftliche und verschwörungstheoretische Themenmix will anbieten
„... was die Massenmedien nicht schreiben wollen, mögen oder dürfen: Berichte über die wirklichen Drahtzieher unserer Politik. Artikel über die wahren Gesetze der Natur. 'Rezepte' zur Heilung von Mensch und Erde. Einblicke in die unsichtbare Welt des Geistes.“

Die Massenmedien wollen oder dürfen z.B. nicht schreiben, dass Aids mit gentechnisch veränderten Killervieren (hierbei halfen Außerirdische) durch die Regierungen über Impfkampagnen verbreitet wurden - zur Bekämpfung der Überbevölkerung (Nr. 5).
Dass die „Anschläge“ auf das World Trade Center am 11.9.2001 „in Wirklichkeit“ gar keine waren, hat der eine oder die andere vielleicht schon gehört... (Nr. 36)
Aber auch schon davon, dass die mysteriöse Morgellonsche Krankheit, bei der unter der Haut Käfer zu krabbeln scheinen und vom FBI nicht identifizierbare farbige Fasern aus der Haut wachsen, mit „Chemtrails“ zusammenhängen könnte, mit denen die Regierung durch Flugzeuge Aluminiumpulver zur Reflektion der Sonnenstrahlen versprühen lasse, um der Erderwärmung entgegenzuwirken? (Nr. 59)

Manche Themen haben deutlich wahnhafte Züge, andere greifen mehr oder weniger latent vorhandene Ängste in der Gesellschaft auf. Diese Ängste erfahren leider keine Aufklärung durch seriöse Aufarbeitung, sondern werden massiv geschürt. Die „unnatürliche“ wissenschaftliche Forschung beweist entweder diese Thesen, oder sie steht unter dem Verdacht, von entsprechenden nutznießenden Kreisen gekauft zu sein und wahre Forschung zu unterdrücken. Um so wichtiger wird dann wohl die Kenntnis der absoluten „Wahrheit“, wie sie von göttlicher Quelle offenbart wird. Der universalen Kirche dient das Wissen der Meister zum Beweis der Verschwörungstheorien.
 

Die Chelas als Vertriebspartner von Strukturvertrieben

Immer wieder greifen die Durchsagen der Meister Themen der ZeitenSchrift auf. In der Nr. 52 von 2006 wurden ausführlich Nahrungsergänzungsmittel vom amerikanischen Multilevelmarketing-Unternehmen Mannatech beworben: Insbesondere der Ambrotose Complex enthielte die acht essentiellen Zucker, die der Körper aufgrund der schlechter werdenden Nahrungsmittelqualität nicht mehr herstellen könne. Bei Mangel drohten Autoimmunkrankheiten und Krebs. (S. 24). Nach dem Hinweis, dass die Produkte nur beim deutschen Büro der ZeitenSchrift bestellt werden könnten, folgt das Angebot, Vertriebspartner von Mannatech zu werden. Dreist ist die Bewerbung dieser Mittel durch Leach-Lewis, respektive den Meistern. Er schreibt in seinem Brief „Aus dem Büro des Patriarchen der Neuen Welt-Kirche“, vom 14.02.2008 eine Warnung an seine Chelas, die Empfehlungen der Meister nicht zu ignorieren. Sonst könnte es Ihnen so ergehen wie einem
„...unserer langjährigen Mitglieder dieser Aktivität in Neuseeland. (...) sie hat Krebs! Aber sie müsste keinen Krebs haben und sie leidet fürchterlich. Aber das ist ihre Wahl, ...“
3 Jahre zuvor hätte sie sich als Mannatech-„All Star“-Vertiebspartnerin eingeschrieben, aber nicht für eine „automatische monatliche Bestellung“, um Produkte für monatlich 120 Dollar mit anderen zu teilen. Grund zur weiteren Mahnung:
„DU MUSST HEUTE IN DEINE GESUNDHEIT INVESTIEREN, sonst wirst du morgen einen gewaltigen Preis zahlen, genauso, wie diese dumme Chela in Neuseeland es nun tut.“
„Wäre es also folglich nicht weiser, wenn du pro Monat etwa 100 Dollar in Deine Gesundheit investiert, damit du nicht krank wirst, anstatt mindestens diesen Betrag für Zahlungen an eine nutzlose Krankenkasse abzugeben...für den Fall, daß du eines Tages krank wirst?“

Da sie nicht auf die Meister gehört hätte würde ihr deren Hilfe nun nicht zuteil. Und auch sonst:  „Sie verdient weder die Aufmerksamkeit noch das Mitleid.“

Leach-Lewis selbst fühle sich mit der täglichen Einnahme gesünder, bekäme keine Grippe und hätte trotz seiner Belastung noch keinen Herzanfall bekommen. Anschließend stimmen Lord Hanuvah und Lord Chronos bezüglich der Wundersubstanz Ambrotose überein. Letzterer mahnt, dem Effekt nicht mit Mikrowellen-Essen entgegenzuwirken; dieses führe letztlich zu Krebs. Medikamententherapie heile den Körper auch nicht und sei aufgrund negativer Medikamenten-Reaktionen die 4. häufigste Todesursache in den USA.

2007 erhob der texanische Justizminister Klage gegen Mannatech wegen wettbewerbswidriger Behauptungen von Heilwirkungen. 2009 wurde sie beigelegt: 4 Mio Dollar sind an Kunden zu zahlen, 2 Mio an den Staat, 1 Mio zahlt der Gründer. ZDF WISO, 17.03.2008, griff Vorwürfe in Deutschland auf und erklärte die Unwirksamkeit von Ambrotose Bestandteilen.

 

Entwicklungsgeschichte der esoterischen Themen

Für ein grundlegenderes Verständnis der Gedankenwelt der Universalen Kirche ist es unerlässlich, sich mit deren Wurzeln im 19. Jhd. zu beschäftigen. Hier soll in Ansätzen eine Entwicklungslinie hin zur Universalen Kirche nachgezeichnet werden. Dabei werden die Parallelen zu anderen Gruppierungen und zu Themen des Esoterikmarktes augenfällig.

Kennzeichnend für die Geschichte des 19. Jahrhunderts ist einerseits die kulturgeschichtliche Beschäftigung mit anderen Völkern und Epochen (Übersetzungen assyrischer Keilschriften, dem altindischen Sanskrit, der altägyptischen Hieroglyphen). Andererseits beförderten die rasanten Entwicklungen der Naturwissenschaften (elektrisches Licht, Darwins Evolutionstheorie, Telefon, Röntgenstrahlen) das Tempo der Industrialisierung. Beides war geeignet insbesondere die gesellschaftlichen Eliten zu inspirieren, aber auch die Gesellschaft zu verunsichern. Wurde einerseits eine stetige Entwicklung mit phantastischen Möglichkeiten gesehen, bedeutete dies andererseits die massive Relativierung der tradierten Weltanschauungen und deren Institutionen.

Die neuentdeckten physikalischen Kräfte führten auch zu Experimenten mit „noch“ verborgenen, „okkulten“ Naturkräften und lösten damit eine Spiritismuswelle aus. Der Okkultist Eliphas Levy begründet die Suche nach einer inneren, „esoterischen“ Lehre, welche die Kulturgeschichte seit ältesten Zeiten beeinflusse. Seine Forschung zur Magie aus den Überlieferungen der Hermetik, Alchemie und Kabbala inspirieren rosenkreuzerische Zirkel und den Orden des Golden Dawn. Auch die zunächst durch spiritistische Seancen bekannt gewordene Helena Petrowna Blavatsky greift auf Levy zurück. Sie verbindet dessen Vorstellung einer esoterischen Lehre mit den übersetzten religiösen Lehren aus Nah- und Fernost. Die ab 1875 von ihr mit gegründeten Theosophischen Gesellschaften hatten die Enthüllung des in den Weltreligionen und Philosophien verborgenen Urwissens der Menschheit zum Ziel. Dieses Urwissen sollte in Übereinstimmung mit den bekannten und okkulten Naturkräften eine freie, universelle Brüderlichkeit begründen. Auf eine solche Bruderschaft bezieht sich neben vielen anderen Gruppierungen auch die „Universale Kirche“.

In den Schriften „Isis entschleiert“ und „Die Geheimlehre“ zeichnet Blavatsky eine phantasievolle Geschichte des Urwissens, infolge der nur noch Initiierte die Schlüssel zum Wissen haben. Blavatsky stellt ihre okkultistische Interpretation überlieferter Weisheiten Asiens und Europas als diese Urlehre vor, die ihr nun durch höhere Seinsformen offenbar gemacht würde. Diese „Theosophie“ begründet eine enorme Wirkungsgeschichte bis in die heutige Esoterik. Insbesondere folgende drei Elemente werden immer wieder aufgegriffen:

„Channeling“ oder medialer, telepathischer Kontakt: Auf diese Weise helfen aufgestiegene Meister" wie „El Morya“ oder „Kuthumi“ - einst selbst menschliche Wesen - den rückständigen Menschen auf ihrem Weg. Bei späteren Gruppierungen treten jeweils weitere Meister hinzu. Sie sind Teil der „planetarischen Hierarchie“, „der großen weißen Bruderschaft“ welche zum Wohle der Menschen wirken, indem sie sich durch Kanäle wie Blavatsky - später bei der Universalen Kirche durch Leach-Lewis - mitteilen.

Reinkarnationslehre: Die im ursprünglichen östlichen Kontext eher belastende Vorstellung wiederholter Erdenleben, wird umgedeutet zum notwendigen, vielstufigen Entwicklungsweg der Seele hin zur göttlichen Vervollkommnung. Die Inkarnationen beginnen beim Mineral und gehen von Pflanzen zu Tieren, Menschen und schließlich zu Meistern und Engelwesen über. Dieser lineare Entwicklungsgedanke bezieht sich auch auf die Weltgeschichte selbst. Auch die Anhänger der Universalen Kirche haben diverse Inkarnationen hinter sich und bilden einen Schlüsselpunkt in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

Karma: Die Geschichte und das aktuelle Leben unterliegen dem „unfehlbaren Gesetz der Vergeltung“, dem nach Ausgleich strebenden Verhältnis der Taten aus diesem und den vorangegangenen Leben. Anderen zugefügtes Leid fällt auf denjenigen zurück, der gegen die kosmische Harmonie verstoßen hat. Doch nicht nur individuelles Leid, auch Krieg und Gewalt lassen sich nach Blavatsky karmisch erklären. So erfahren auch rassistische und antisemitische Ideologien eine neue okkulte Legitimation.

Die im Zusammenhang der Erforschung von Urvölkern diskutierte These von mehr oder weniger entwickelten Menschenrassen fügt Blavatsky in eine Geschichte von fünf Wurzel-Rassen, welche verschiedenen Zeitepochen zugeordnet wären. Die derzeitige Epoche ist demnach diejenige der arischen Wurzelrasse. Andere sind z.B. die lemurische und die atlantische Wurzelrasse. Im weiteren kann aus verschiedenen Hautfarben auf niedrigere oder höhere Entwicklungsstufen des Menschen geschlossen werden. Als sich Rudolf Steiner 1912 mit Gründung der „Anthroposophischen Gesellschaft“ abtrennt, bleibt die „Rassenlehre“ in seinen europäisch-christlich akzentuierten Vorstellungen erhalten. Mit der Schöpfung seines Schulkonzeptes, welches in der Erziehung auch eine Inkarnationshilfe sieht, fließen die Rassenvorstellungen in die Lehrinhalte der Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen ein.

Auch Guy Ballard übernimmt 1934 das theosophische Gedankengebäude und fügt christliche Lehren hinzu. Ausgehend von der biblischen Selbstaussage Gottes in Exodus 3,14 "Ich bin, der ich bin" formuliert Ballard die Vorstellung, dass jede Seele ein Teil Gottes ist. Dessen muss sich der Mensch zu seiner spirituellen Entwicklung bewusst werden. „Ich bin“ - „I AM“ stand Pate für den Namen der Bewegung. Nach Ballards Tod treten mehrere "I Am"-Mitglieder mit dem Anspruch auf, Ballards Werk fortzusetzen. Aber in den durch verschiedene Kanäle vermittelten Weisheiten gleicher Meister entstehen Widersprüche. Die Frage nach der Authentizität der Botschaften und der „Reinheit“ des Kanals führen zur Aufsplitterung der "I Am"-Bewegung und beschäftigt auch die Nachfolgebewegungen.
Beim Nachfolger "Ashtar-Command" werden Botschaften auch von Außerirdischen, nämlich Raumschiff-Kommandant Ashtar von der „interplanetaren Föderation" empfangen - passend zu den beginnenden russischen und amerikanischen Raumfahrtprogrammen in den 1950’ern. Diese Vorstellung inspirierte wiederum verschiedene Neuoffenbarer-Gemeinschaften wie „Fiat Lux“ und „Universelles Leben“, in denen später die Trance-Medien Botschaften Gottes und auch von Raumschiffkommandanten erhielten, welche die Evakuierung der Erde vorbereiten sollten.
Mit „ICH BIN...“ soundso beginnen traditionsgemäß auch die Botschaften der Meister durch Leach-Lewis“. In den Meister-Lehren werden auch außerirdische Begebenheiten berichtet.

Die Begründerin der "Brücke zur Freiheit", Geraldine Innocente, war ein ehemaliger "I Am"-Kanal. Über sie ließen die Meister 1952 mitteilen, dass zur ethischen Fortentwicklung der Welt besonderer missionarischer Einsatz vonnöten sei. 1971 wurde der Meistergottesdienst dieser „Bridge to Freedom“ in Washington DC von Peter William Leach-Lewis besucht. Leach-Lewis, 1938 in England geboren, war zunächst berittener Polizist der Kolonialtruppen in Rhodesien (Zimbabwe). Er trat der Gemeinschaft bei und erhielt 1979 die Berufung der Meister zum Orakel. Unter Einfluss von Leach-Lewis hieß die Mitarbeit an der Realisierung des Neuen Zeitalters ab 1979: „New Age Church of Christ“ (Neuzeit-Kirche des Christus). Andere Kanäle und Anhänger der "I Am"-Bewegung und der Brücke zur Freiheit, wurden als nicht mehr mit den Meistern in Verbindung stehend betrachtet. Die Namensänderung und die neue Färbung der gechannelten Botschaften durch Leach-Lewis veranlasste beispielsweise den Berliner Tempel, sich zu distanzieren:
„Wir sind die neue Ausdrucksweise...von den Meistern nicht gewohnt. Es treten Zweifel auf an der Reinheit des neuen Kanals. (...) Es fehlt die Liebe, die sonst auch bei harten Botschaften immer durchklang.“ (zitiert in Lifeline 17 1.9.2002, S.19)

Leach-Lewis gründete aufgrund der Auseinandersetzungen 1981 „The Foundation for Higher Spiritual Learning“ (Fundament für höheres geistiges Lernen). Als „neue Weltreligion“ nannte er sie auch „Universale Kirche“, mit ihm als einzigen Orakel der Meister. In den „Meisterlehren“ sind wiederholt Hinweise auf diese Streitigkeiten enthalten - verbunden mit Versicherungen der Rechtmäßigkeit und Reinheit des Orakels Leach-Lewis. Laut Botschaft der Meister begann am 1.1.1980 das neue goldene Zeitalter der Universalen Kirche, das „Wassermann-Zeitalter". Die New-Age-Tradition bezieht sich auf die astrologische Wende vom christlich-autoritären Fische-Zeitalter zum spirituell-intuitiven Wassermann-Zeitalter. Wie jedes Zeitalter bräuchte auch dieses einen göttlichen Erlöser oder „Avatar“ (im hinduistischen Kontext: menschlich inkarnierte Gottheit). Laut Leach-Lewis soll nun die Universale Kirche als Bruderschaft und als Gruppenavatar für die Entwicklung der Menschheit Sorge tragen. Der Gruppenavatar wird dabei durch die „Geistige Hierarchie“ der Meister mit „Unser Vater-Mutter-Gott“ an der Spitze geleitet. Zu diesem Zweck unterstützen („sponsern“) die Meister im monatlichen Turnus abwechselnd ihre Tempel, die sich sphärisch über verschiedenen irdischen Orten wie dem ägyptischen Luxor befinden. Die irdischen Sanktuarien werden ebenfalls einem Meister zugerechnet. Über Leach-Lewis erfahren die Mitglieder vom jeweiligen Meister Unterweisung und Zuspruch. Dies geschieht durch die zweiwöchentlich zugesandte Schrift „Lifeline“ aber auch indem Leach-Lewis vor versammeltem Publikum die Meister durch sich sprechen lässt.

Entsprechend dieses Selbstverständnisses wird er bezeichnet als "Patriarch und Vorsitzender Erzbischof der Universalen Kirche", "Göttlicher Repräsentant" der Meister, "Beloved Peter", "Geliebter Peter" und auch schon mal in päpstlichen Gewändern abgebildet. In „Die Grundsätze der Verpflichtung und der Verhaltenskodex für die bekennenden Mitglieder der Heiligen Bruderschaft“ bezieht er die biblische Einsetzung des Simon Petrus durch Jesus als Grundstein der Kirche (Matthäusevangelium 16,18) auf sich:
„Ich bin Peter und mein Bekenntnis ist der Eckstein für den christlichen Glauben; ein Fels der Stärke. Auf diesen Fels wird die Kirche des Christus gebaut... Mir sind die Schlüssel des Himmlischen Königreiches gegeben worden... ...das ich fortfahren werde, vor alle Völker zu treten, um den neuen Bund Gottes mit den Menschen zu verkünden.“

 

Rechtsextreme Spuren in der Esoterik und ihre Verflechtungen

Die deutlich gewordenen gemeinsamen Wurzeln führen dazu, dass sich aufgrund der rassegeschichtlichen Spekulationen der Theosophie in weiten Teilen der Esoterik und auch bei der Universalen Kirche rassistische und antisemitische Spuren wiederfinden lassen.

Im Jahr 2000 wollte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das für die Vorbereitung des Geschichtsunterrichts an Waldorf-Schulen verwendete Buch „Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst“ des Anthroposophen und Waldorf-Schul-Lehrers Ernst Uehli auf rassistische Stellen hin begutachten. Der Verlag zog die Restauflage des erstmals 1936 erschienenen Buches ein. Anstoß hatten u.a. folgende bekannt gewordene Zitate erregt:
„Der heutige Neger ist kindlich, ist ein nachahmendes Wesen geblieben. Der heutige aussterbende Indianer ist in seiner äußeren Erscheinung verknöchert, im Denken greisenhaft.“ „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Mit der Radikalisierung der okkulten theosophischen Themen durch die Ariosophie zeigen sich Verbindungslinien zur Thule-Gesellschaft und nachfolgend zur NSDAP. Doch rechtsextreme Ansichten, Rassismus und Geschichtsrevisionismus – in Form von Leugnung oder Relativierung des Holocaust – durchziehen auch heute die Ideologien neuer religiöser Gruppierungen und etliche Angebote des Esoterikmarktes. Vom theosophischen Karma-Gedanken ausgehend werden NS-Verbrechen als notwenige Elemente im Karma-Drama der spirituellen Entwicklung interpretiert. Der „Reinkarnationstherapeut“ Trutz Hardo Hockemeyer stellt 1996 in seinem Buch "Jedem das Seine" den Holocaust als eine kollektive karmische Reinigung dar: Die ermordeten Juden hätten ihr Schicksal aufgrund der Schuld in früheren Leben selbst ausgesucht. Das Buch wurde 1998 verboten und Hockemeyer wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

In der Schrift „Das ist mein Wort“ führt die Gründerin des „Universellen Leben“ Gabriele Wittek als Sprachrohr Gottes aus:
„Ich, Christus, erkläre, berichtige und vertiefe das [Bibel-] Wort: (...) Prüft euch und euer Leben, (...) denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Seit nahezu 2000 Jahren ernten die Juden von einer Fleischwerdung zur anderen, was sie damals und auch in ihren weiteren Einverleibungen gesät haben – bis sie ihren Erlöser an- und aufnehmen und das bereuen, was sie verursacht haben.“ (4. Aufl. 2004, S. 733f)

Bert Hellinger und viele Anbieter seiner problematischen Blitztherapie der „Familienaufstellung nach Hellinger“ haben ebenfalls geschichtsrevisionistische Relativierungen rassistischer Gewalttaten anzubieten. Im Dunst solcher Vorstellungswelten finden, ungeachtet des klaren Fälschungsnachweises, auch die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ Anerkennung. Auf die darin kolportierte Weltverschwörung der Juden wird u.a. auch von den Meistern durch Leach-Lewis hingewiesen:
„Dieses Land, das gegenwärtig 'Israel' genannt wird, ist ein Krebsgeschwür im Körper der Mutter Erde, und deswegen trete ich gegen den Anti-Christen an, denn der Anti-Christ wird hier in Israel stark. Es ist der Sitz des Antichristen. (...) Ich trete mit der ganzen Kraft des Christus dagegen an. Ja, es ist wichtig, dass ihr die Protokolle Zions veröffentlich. Sie sind echt; sie sind wahr!" („Zu diesem Zweck...“ 9.9.1991)

In „Geheimgesellschaften" schreibt Udo Holey, alias Jan van Helsing, die Juden hätten 1933 den Deutschen den Krieg erklärt. Im Mai 1996 ließ die Staatsanwaltschaft Mannheim den Lagerbestand beschlagnahmen. Die indizierten Bücher werden im Rahmen der Verschwörungstheorien gerne zitiert. In der ZeitenSchrift Nr. 12 wird Holey interviewt. Udo Holey betreibt mit Jo Conrad (zwischenzeitlich als Autor für die ZeitenSchrift tätig) und anderen die Webseite Secret-TV mit verschwörungstheoretischen Videos.

Auch Helmut Pilhar, Propagandist von „Krebsheiler“ Ryke Geerd Hamer, kommt in ZeitenSchrift öfter zu Wort. Hamer, mehrfach verurteilt wegen Verstößen gegen das Heilpraktikergesetz, sieht sich mit seiner „Neuen Germanischen Medizin“ im Kreuzfeuer der von jüdischen Interessen geleiteten Pharmakonzerne und Politik. Für die Universale Kirche war er als Referent tätig. Die Nr. 13 der ZeitenSchrift beinhaltet ein Interview mit Leach-Lewis und ist aufgrund seiner volksverhetzenden Äußerungen verboten (u.a.: „Natürlich ist Israel der Sitz des Anti-Christen. Die Fakten sind zu überwältigend.“ („ZeitenSchrift“ 13/97, S. 9)

Die Schweizer Journalisten Hugo Stamm und Jürg Frischknecht, welche die antisemitischen Äußerungen anprangerten, wurden von Leach-Lewis als „rassistischer jüdischer Reporter und sich offen bekennender Anti-Christ“ und als „bewährte rassistische, bigotte Person und überzeugter Jude (kein Zufall!)“ bezeichnet (Brief von Leach-Lewis vom 15.06.1996). Zu den Inhalten der Kritik meint Leach-Lewis, dass diejenigen selbst schuld seien, die sich von der „Wahrheit“ beleidigt fühlten. Im Einladungsbrief zur Jahreskonferenz in Toronto (1.7.1995) formuliert er einen weiteren Grund:
"Du und ich werden immer jene 'beleidigen', die der jüdischen 'Überzeugung' angehören, einfach deshalb, weil ihnen in sehr jungen Jahren ein programmierter Beleidigungsmechanismus eingepflanzt worden ist."    
 

Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sich alle Mitglieder der Universalen Kirche durchweg mit solchen Aussagen identifizieren. Es sind derzeit keine aktiven Verbindungen zu politisch rechtsextremen Gruppen bekannt. Doch wird das Gedankengut aktiv weiterverbreitet und damit ein gefährlicher Nährboden geschaffen.

 

Wer glaubt denn so was?! – Aufklärung tut Not

Diese Frage stellen sich viele, die geballt mit der Lehre der Universalen Kirche konfrontiert werden; insbesondere, wenn es bisher wenig Berührungspunkte mit esoterischen Themen gab. Angehörige und Freunde eines Mitgliedes dieser Gruppierung können den Gesinnungswandel oft nicht nachvollziehen, da ein Verständnis meistens auf der Sachebene gesucht wird. Üblicherweise spielen für die Annäherung an solche Gruppierungen emotionale Themen die gewichtigere Rolle. Welche Versprechungen treffen auf welche Sehnsüchte oder beruhigen welche Ängste? Welche Plausibilitätselemente für die eigene Geschichte bieten die Lehre und die Anhänger?

Das Angebot zur Rückbindung (religio) an eine esoterische Tradition beinhaltet die Möglichkeit zur Übernahme eines Vermächtnisses, sowie einer sinnvollen Aufgabe - auch in Abgrenzung zu tradierten Strukturen. Das Leben erhält eine Bestimmung, aus der heraus der Alltag getragen (oder ihm entflohen) werden kann. Auch ohne tieferes Verständnis der esoterisch-geheimnisvollen Weisheiten darf der interessierte Neuling schon jemand Besonderes sein. Ein Neuanfang scheint möglich, die Integration der anderen „Welt-Anschauung“ erscheint mithilfe der Gemeinschaft vielleicht leichter als der fortgesetzte Allein-Kampf zur Bewältigung der komplexen „Alltagsrealität“. Die neuen spirituellen Erfahrungen geben das trügerische Gefühl eines selbst mitverantworteten Zugangs zu spirituellen Weisheiten oder einer gleichberechtigt gemeinsamen Suche danach. Dahinter steht jedoch oft die Suche nach einer allwissenden Autorität und der Wunsch nach Regression. Angesichts des Informationsüberflusses einerseits und der abnehmenden Möglichkeit diese zu sortieren und rezipieren, ist laut Umfragen die Anfälligkeit für esoterische und auch verschwörungstheoretische Deutungen inzwischen weit verbreitet. Solche Deutungen bestätigen dabei oft ein latentes Gefühl, dass etwas mit der bisherigen Weltsicht nicht stimmen könnte. Das Eingeweiht-Sein bedient die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Besonderheit.

Auf Kosten einer sachlichen Auseinandersetzung mindert die esoterische Lehre die (oft belastend erlebte) Komplexität der Lebensbezüge. Mit diesem Angebot erweisen sich sowohl esoterische als auch verschwörungstheoretische Deutungen als antiaufklärerische Reaktionen. Mit der Arroganz des höheren Wissens, dem intuitiven Zugang zur Wahrheit, wird Andersdenkenden jeglicher echte Dialog verweigert. Die wichtige Verbindung von Gefühl und Intuition mit der Vernunft gerät damit auf Kosten der Ratio schnell zu einer - individuelle Emotionen erstickenden - Harmoniediktatur.

Bei der Universalen Kirche werden aktuelle Veränderungen der Lehre und Sanktionierungen der Mitglieder auf die beständige Verbindung zu einer höheren Wahrheitsquelle zurückgeführt, die durch Leach-Lewis repräsentiert wird. Eine individuelle, gläubige Übernahme durch die Mitglieder kann nur durch absoluten Gehorsam erzielt werden. Denn die Zugehörigkeit zur Elite besteht nur, insofern das Mitglied mit den Meistern in Verbindung steht. Außerhalb des Gehorsams gegenüber Leach-Lewis ist das Mitglied nichts. Dennoch stellt das geforderte blinde und gehorsame Vertrauen für manche Menschen eine Verlockung dar. Obwohl immer wieder gefordert, wird solcher Gehorsam nicht von allen Mitgliedern geleistet. Manche ehemaligen Mitglieder sprechen beispielsweise nur von den Treffen, die schön und besinnlich erlebt wurden. Anderen war die eigene Hingabe an eine übergeordnete sinnvolle Aufgabe wichtig. Doch die Ablehnung verschiedener Aspekte der Lehre führte aber auf Dauer zu Konflikten. Nr. 7 des Verhaltenskodex:
„Weder bilde dir noch äußere eine Meinung, wenn du nicht dazu aufgefordert bist, und auch dann nur nach stillem Gebet und einem Anruf um Führung. (...)“

Der Esoterikmarkt bietet mit alternativen Heilverfahren und Lebenshilfeangeboten etwas zur „schnellen Problemlösung“ oder Wiederherstellung des individuellen Wohlbefindens an. Der Konsument am Esoterikmarkt muss sich nicht intensiv mit den zugrundeliegenden Themen beschäftigen. Systemesoterische Gruppierungen allerdings fordern mit ihrem elitären Charakter eine höhere Anpassungs- und Einsatzbereitschaft. Bei wachsender Diskrepanz von Alltagswelt und Glaubens-Welt entstehen zunehmend Konflikte. Dies führt zur Ablösung von der Gemeinschaft oder zu verstärktem Bemühen um die angestrebten Ideale und erhöhtem Druck. Bei schwierigen Lebensthemen oder entsprechenden psychischen Prädispositionen besteht hier die Gefahr, dass sich eine Psychose oder wahnhafte Störung ausbildet – insbesondere unter dem Einfluss von Verschwörungstheorien.

Wenn ein Partner, Familienmitglied oder Freund sich vermehrt esoterischen Themen zuwendet wird die Fokussierung der Interessen oft nicht genügend wahrgenommen und thematisiert. Eine zunächst leichte Veränderung der Person wird möglicherweise begrüßt. Fallen die Veränderungen massiver aus – wie es aufgrund einer Mitgliedschaft bei der Universalen Kirche oft beschrieben wird – geht die Besorgnis schnell in verständnislose Bestürzung über. Dies erschwert eine Verständigung oft zusätzlich. Bei der Beratung von Angehörigen und Freunden geht es sowohl um die Frage nach der sachlichen Berechtigung der Sorgen, als auch um die Wahrnehmung der eigenen Ängste, welche die Veränderungen des anderen auslösen. Dann kann ein Verständnis für die Bedürfnisse und Themen des anderen gesucht und damit die Kommunikation erleichtert werden. Die Themen einer Beratung von (Ein- oder) Ausstiegswilligen sind neben der Aufarbeitung emotionaler Verletzungen, auch das Treffen eigenverantwortlicher Entscheidungen, die Entwicklung alternativer Lebenskonzepte und die Wiederherstellung von sozialen Bezugssystemen.

Angesichts der vorherrschenden rationalistischen und materialistischen Weltdeutungen ist der Wunsch berechtigt, mithilfe „ganzheitlichen“ Denkens oder kosmischen Gesetzen ein sinngebendes Lebensgefühl zu erlangen. Die Betonung der Intuition, des Gefühls ist ein wichtiger Impuls zu mehr Menschlichkeit. Die arrogante elitäre Diktatur der Empfindungen und Eingebungen Einzelner über das freie Denken und Fühlen Anderer ist als Alternative allerdings ungeeignet. Die Komplexität der Lebensbezüge wird vermutlich nicht abnehmen. Daher muss den ideologisierenden, vereinfachenden Welterklärungen mit Aufklärung begegnet werden.

 

Literatur:

Christiansen, Ingolf; Fromm, Rainer; Zinser, Hartmut: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Behörde für Inneres – Landesjugendbehörde, Februar 2006

Schmid, Georg Otto: Universale Kirche, Bruderschaft der Menschheit/Fundament für höheres geistiges Lernen. Mai 1997. Unter http://www.relinfo.ch/uk/infotxt.html am 26.01.2009. Webseite der „Evangelische Informationsstelle: Kirchen - Sekten – Religionen“, Wettsteinweg 9, 8630 Rüti ZH

http://www.bfs.de/de/bfs/druck/Unterricht
“Unterrichtsmaterial Mobilfunk“ auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz

http://en.wikipedia.org/wiki/Glyconutrient  am 15.03.2009
Artikel zu Mannatech in der Online-Enzyklopädie Wikipedia

http://www.zeitenschrift.com/
http://www.naturalscience.org/html/start_de.html  (Weltfundament für Naturwissenschaft)

 
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