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Erfahrungs-Bericht eines Angehörigen über ein Lichtzentrum PDF Drucken E-Mail

Anonymer Erfahrungs-Bericht eines Angehörigen über ein esoterisches “Lichtzentrum”

1. Kurze Beschreibung der eigenen Lebenssituation, bevor es zur Begegnung mit der Gruppe (oder zu dem besonderen Erlebnis) kam.

Im Jahr 2008 stand ich kurz vor einer Scheidung. Die Eheprobleme waren eine Folge von mehrfachen Todesfällen in beiden Familien über einen Zeitraum von ein paar Jahren. Die Eigentumswohnung musste verkauft werden und ich wohnte sehr weit weg von meiner Familie. Kontakte waren nur über Telefon und Internet möglich.

Bis es zu den Eheproblemen kam, habe ich ziemlich viel Sport getrieben und war sozial aktiv gemeinsam mit vielen Bekannten und Freunden. Meine Interessen sind: u.a. Geschichte, Asiatische Philosophie (Buddhismus) und Komödien (z.B. Dick und Doof).

2. Wie kam es zum ersten Kontakt mit der Gruppe?

Der erste Kontakt fand am Arbeitsplatz in 2008 statt. Die Mitarbeiterin war neu bei der Firma und wir haben uns dort kennengelernt. Es wurde klar, dass eine gewisse Anziehungskraft zwischen mir und der Frau zu spüren war. Kurz danach waren wir ein Paar. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass die Frau eine Anhängerin bzw. “Ausgebildete Geist-Heilerin” von einem “Lichtzentrum” bzw. einer Sekte in Süddeutschland war.  Die erste “private” Begegnung fand nicht im Unternehmen statt, sondern in der Wohnung der Geist-Heilerin.

3. Was war bei der ersten Begegnung besonders beeindruckend, faszinierend?

Es war mir von Anfang an klar, dass ich mit dieser Frau über alles reden konnte. Themen wie Leben nach dem Tod, Philosophie und die Beziehung zwischen den Menschen und das “himmlische Wesen“. Dazu kam das Gefühl, dass meine Lebensansichten ernst genommen wurden. Ein gleichseitiges Interesse und Gemeinsamkeiten waren mir in diesem Moment und zu dieser Zeit wichtig. Auch das Gefühl, dass eine ernsthafte Lebenspartnerin vor mir stand, die mich in allen Dingen unterstützen könnte.

4. Wie ging es weiter? Was hat sich in ihrem persönlichen Leben verändert?

Die folgende Zeit war  sehr schön. Wir tauschten uns oft über unsere Interessen aus und sprachen viel miteinander. Ich habe mich wohl gefühlt und habe auch gedacht, dass ich zu einer Familie gehört habe.

Nach und nach passierten aber Sachen, die mich zum Nachdenken brachten. Die “Kleinigkeiten” wurden mehr und mehr, so dass ich angefangen habe bei diesen “Kleinigkeiten” nachzufragen. Bei einem Gespräch über das Leben nach dem Tod sagte ich, dass manche Leute ein “gewisses Problem” mit Gott haben, ob es überhaupt wirklich einen Gott gibt. Da wurde die Heilerin plötzlich wütend und, als ich in mein Auto gestiegen bin, schrie sie, dass Gott und Mensch eins seien, dass sie selbst ein “lebendiger Gott” sei. Ich fuhr weg zu meiner Wohnung mit einem unguten Gefühl.

In einer anderen Unterhaltung stellte die Heilerin mir die Frage. “Bist du stark genug, um  mit mir zusammen zu sein?” Diese Frage hat mich überrascht, aber ich habe „ Ja“ gesagt. Sie fing an, über einen “ISHTAR” zu reden. Die erste Aussage war, dass Sie zu keiner Religion gehörte und dass dieser “ISHTAR” so in etwa die “Wahrheit” ist. „ISHTAR“ ist die Schöpfungsmacht, ein ewiger Kreislauf von Liebe. Das Höchste, das man erreichen kann, ist die ewige Wiederkehr. Sie erzählte mir auch, dass es „ISHTAR“ - Menschen in der Weltgeschichte gegeben hat. Das hatte irgendwie keinen Sinn für mich. Ein Mensch ist ein Mensch, egal ob die berühmt sind, Philosophen sind, egal welche Hautfarbe sie haben. Diese “ISHTAR Menschen” schienen auserwählt zu sein, aber zu welchem Zweck?

Eines Tages merkte ich, dass sie Ihre Hände in einer Art Dreieck über den Essteller formierte. Dies fand immer vor dem Essen statt. Allerdings ist dies nie in Restaurants passiert. Ich habe dann eines Nachmittags, mit ein bisschen Spaß, gefragt ob die Glaubensgemeinschaft eine Sekte sei. Die Antwort war ein “hartes” Nein. Sie erzählte mir, dass die Gemeinschaft schon Probleme in der Vergangenheit gehabt hätte, da ein Journalist in die “Gemeinde” eingetreten sei. Er habe sämtliche “Sachen” missverstanden und die Informationen, die in der Vergangenheit im Fernsehen gezeigt wurden,  seien im Grunde genommen falsch. Sie sagte, dass es aber kein “langfristiges Problem” gewesen sei, da die Gemeinde Leute überall habe und man sich an “führender Stelle” schon um die Situation “gekümmert” habe.

Ich habe auch gefragt, ob sie vergangenen Partnern von dieser Glaubensgemeinschaft rzählt hat. Sie sagte, dass Sie es kaum erzählt hat. Wenn sie gefragt wurde, habe sie immer esagt, dass Sie zur Abendschule oder zu Philosophie-Kursen hingeht. Sie erzählte mir auch, dass Ihre “Partnerin” im „ISHTAR“-Bereich dachte, dass eine Beziehung für eine „ISHTAR“ Heilerin fast unmöglich ist, da die erste Priorität in deren Leben „ISHTAR“ ist. Ihr Weg sei der von „ISHTAR“ und kein anderer.

Trotz diesem unguten Gefühl, dass etwas nicht stimmte, habe ich die Beziehung nicht abgebrochen. Der Hauptgrund dafür war, dass ich diese Frau geliebt habe. Ich konnte nicht verstehen, dass ein Mensch von einer “Glaubensgemeinschaft” so gelenkt werden kann. Der andere Grund war die Entfernung zu meiner Familie. Ich habe mich trotz der Beziehung und der vorherigen Gemeinsamkeiten allein gefühlt.

Nach der Aussage, dass das Internet und Nachrichten im Fernsehen “nur schlechte Informationen” rüberbringen und dass die Gemeinschaft auf gar keinen Fall im Internet zu finden sei, habe ich mich dann mit meiner Recherche begonnen. Die “Gemeinschaft” war doch im Internet zu finden. Die Art der Information über die “Gemeinschaft” hat mir wieder gezeigt, dass hier etwas nicht in Ordnung war.

Mein Leben hat sich so geändert, dass grundlegende Sachen, die ich immer geglaubt habe, Stück für Stück auseinander genommen wurden. Theorien von einem “Wissens-Pool”, den die Menschen für das ganze Wissen der Vergangenheit nutzten können. Die Liste der “ISHTAR” Menschen, die damals gelebt haben. Es wurde nicht gesagt, aber es wurde deutlich, dass sich die Gemeinschaft für eine Elite hielt. Zu diesen Theorien gehörte auch die “Entwicklung des perfekten menschlichen Körpers”, unter anderem durch die Ersetzung “nicht benötigter Körperteile/ Organe”. Informationen zur Methode gab es nicht. Das war bei vielen kritischen Fragen, die ich gestellt habe, der Fall. Von Krankheit werde ein „ISHTAR“ Mensch kaum betroffen sein. Falls ein „ISHTAR“ Mensch krank wird, liegt es an den “negativen Schwingungen”, die innerhalb des „ISHTAR“ Menschen sind. Der „ISHTAR“ Mensch sollte dann die negativen Schwingungen durch positive Schwingungen ersetzten, so dass er/ sie wieder gesund wird. Der menschliche Körper hat (laut der Aussage der „ISHTAR“ Geist-Heilerin) dreizehn “Punkte“. Diese können durch einen „ISHTAR“ Meister/ in gemessen werden. Die Heilerin hat mich “gemessen” und sagte, dass ich die notwendigen Punkte besitze. Sofort habe ich gefragt, wie ein Mensch ohne die ausreichenden Punkte zu betrachten sei. Sie antwortete mir mit folgender Aussage: “Die Menschen, die nicht genügend Punkte haben,  sind Tiere. Aber jeder Mensch hat diese Punkte.”

Hierin lag eine thematische Verbindung zu den Theorien über die Tierwelt. Laut der Glaubensgemeinschaft funktionieren Tiere mit reinem Instinkt. Tiere haben keine Seele oder kein Bewusstsein. Dies habe ich auch in Frage gestellt, an Hand von Beispielen mit Affen und Delphinen. Die Antwort war, dass Tiere Tiere sind und nicht die göttliche Anbindung haben, die Menschen haben. Die tun nichts, was nicht instinktiv gesteuert ist. Ich habe ein Beispiel vom zweiten Weltkrieg gebracht, wo amerikanische Marinesoldaten von Delphinen vor den Haien geschützt wurden. Das hat keine Wirkung gebracht, nur ein halb interessiertes “Ok”.

5. Gabe es unangenehme, negative Erlebnisse? Wenn ja, welche?

Das Schlimmste fing an nach einer von vielen “Meinungsverschiedenheiten” über das Thema "ISHTAR“. Ich konnte nicht mehr mit meiner damaligen Partnerin zusammenleben und bin in eine eigene Wohnung eingezogen, die aber noch nicht 100% fertig eingerichtet war. Meine Wohnung habe ich nie fertig hingekriegt, da das Thema „ISHTAR“ und die “Gemeinschaft” immer im Vordergrund stand. Kaum ein Tag ging vorbei, an dem das Wort „ISHTAR“ von meiner damaligen Partnerin nicht erwähnt wurde. Ich habe sie gebeten, dass das Wort „ISHTAR“ nicht mehr in meiner Anwesenheit benutzt werden soll. Das fiel ihr offensichtlich schwer, aber sie hat sich daran gehalten.

Kontakt zu meiner Familie war kaum vorhanden. In der Zeit, in der ich mit der Heilerin zusammen gewohnt habe, habe ich gemerkt, dass meine Familie bei den Telefonaten nicht natürlich zu mir waren, als ob sie mir etwas sagen wollten, aber nicht wussten wie. Als ich dann in die unfertige Wohnung eingezogen bin, habe ich langsam wieder offener mit meiner Familie gesprochen und es wurden die ihre Ängste deutlich.

Auch das Thema Dualismus und das Ende des Dualismus hat sie angesprochen. Auch hier hatte ich ein ungutes Gefühl, als sie gesagt hat, dass es nichts Böses gibt. Ich habe gefragt, wie man einen Massen-Mörder, der zum Beispiel 25 Menschen umgebracht hat, zu betrachten hat. Dies führte zu einem “Treffen” wo das Thema genauer besprochen werden sollte. Nach einer kurzen Zeit bekam ich die „Antwort“: Ein Massen-Mörder begeht die Taten durch “Gedankenlosigkeit”. Diese “Gedankenlosigkeit” war die Begründung, dass der Massenmörder nichts Böses getan hat.

Zu dieser “Neuen Weltanschauung” gehörte auch das Thema “Behinderung und behinderte Menschen”. Als ich diese “Theorie/ Idee” hinterfragt habe (die vorgesehene Methode ist die “generelle Beseitigung der Behinderung”), habe ich auch keine klare Antwort bekommen. Die deutlichste Antwort, die ich bekommen habe, war, dass es in der zukünftigen Welt keine behinderten Leute geben wird, weil Behinderungen auf der genetischen Ebene abgeschafft  werden. Auch damit hatte ich meine Probleme. Ich habe darin eine Nähe zu nationalsozialistischen Ideen gesehen.

Bei der Glaubensgemeinschaft gibt es eine Buchreihe zu kaufen. Die Bücher wurden in „Göttlicher Sprache“ geschrieben und in unsere Sprache übersetzt. Da ich das Thema Behinderung und die Begründung nicht vergessen konnte, habe ich weiter gefragt. Eine Buch-Passage wurde vorgelesen, in der steht, dass ein Embryo, bei dem eine Behinderung diagnostiziert wird, nicht geboren werden sollte. Dies habe ich für mich insoweit akzeptiert als eine neutrale Antwort, habe aber nicht vergessen, dass diese Einstellung eine Einstellung ist, die von manchen Menschen so nicht  akzeptiert wird. Mindestens war jetzt eine klare und verständliche Antwort zu einer Frage vorhanden.

An einer anderen Stelle wurde mir gesagt, dass gewisse leitende Menschen eine gewisse “Aufgabe” in der Welt haben. Als Beispiel wurde mir gesagt (das damals aktuell war), dass Präsident George Bush Jr. die Aufgabe bekommen hat, das “Böse” zu beseitigen. Das Böse (zur Erinnerung: Böses gibt es nicht) war in diesen Fall  in Form von Saddam Hussein präsent. Wenn Hussein beseitigt worden ist, wird Bush Jr. die nächste Wahl verlieren, weil er dann keine weitere Aufgabe hat.

Kurz vor Weihnachten des Jahres 2009 fragte meine damalige Partnerin, ob ich eine gekaufte DVD kopieren könnte. Diese war für eine Projekt-Arbeit vorgesehen. Das habe ich gemacht und habe dann die DVD angeschaut (Triumph des Willens von Lenie Riefenstahl). Als ich den Film gesehen habe, habe ich eine Angst bekommen, die ich nicht beschreiben kann. Viele Punkte kamen im Film vor, die wir miteinander schon besprochen hatten. Die  Intensität, mit der die Leute im Film ihre Überzeugung vertreten, hat mich geschockt, obwohl ich bei sämtlichen Konversationen mit meiner ehemaligen Partnerin das Gleiche schon erlebt hatte.

Die Kombination der genannten Erfahrungen ließen mich traurigerweise einen Ausweg im Alkohol suchen. Ich habe meiner damaligen Partnerin gesagt, dass es wegen der Angst vor der Glaubensrichtung ist. Hilfe gab es keine, sondern nur Kritik. Auch als ich diese Begründung zurück genommen habe, bekam ich nicht die benötigte Unterstützung.

Zu dieser Zeit habe ich selber gesehen, dass ich nicht mehr der Mensch war, den man kannte. Mein Respekt vor mir selbst war weg und auch meine eigene Disziplin. Kurzum, ich habe den Willen zum Leben immer mehr verloren. Ich habe mit Freunden gesprochen, habe denen erzählt, was ich befürchtet habe, und von der Angst, die ich gehabt habe. Wie schon meine Familie waren auch die hilflos und konnten nichts tun.

In dieser Zeit bin ich Weinachten in Deutschland geblieben, statt wie sonst  meine Familie zu besuchen. Die Heilerin wollte auf ein Fest gehen, welches anstelle von Weihnachten gefeiert wurde. Ich kann mich an vier Feste erinnern, die anstelle der herkömmlichen Feiern stattfanden. Diese Feste vom “Licht Zentrum / ISHTAR” kamen meiner Erfahrung nach immer an erster Stelle. Im Anschluss daran wurden die herkömmlichen Feste gefeiert.

Anstatt dass ich meine Familie wieder sehen konnte und das christliche Fest nicht allein verbringen musste, war ich doch allein. Da habe ich gedacht, dass es möglich ist, dass Menschen einander in tiefe Verzweiflung stürzen können, indem sie einander gar nichts Körperliches antun, sondern nur auf der geistigen Ebene. Ich wusste, dass die Glaubensrichtung für meine damalige Partnerin an erster Stelle kam, hatte es aber nicht wahrhaben wollen, dass es wirklich wichtiger als alles andere für sie war.

Im folgenden Monat war eine Reise nach Norddeutschland vorgesehen. Wegen meiner Arbeit konnte ich nicht die ganze vorgesehene Zeit dabei sein. Ich fuhr mit dem Auto hin mit dem Vorsatz, klare Antworten zu bekommen. Ich bin angekommen und alles war ok. Dann habe ich gefragt, ob ihre Lebenseinstellung tatsächlich so elitär sei und ob die so genannten „ISHTAR“ Menschen zu dieser Elite gehörten. Meine damalige Partnerin antwortete mit einem Nein. Als ich nochmals fragte, verließ sie das große Zimmer im Hotel und ging schnell zu unserem Zimmer. Ich befand mich allein und ohne Zimmerschlüssel. Ich kam schließlich doch in das Zimmer und während der nächsten Tage hatten wir einige unerfreuliche Diskussionen.

Die Beziehung ging über die folgende Monate so weiter. Immer hatte ich die Hoffnung,  dass meine Partnerin eines Tages doch sehen würde, das diese Theorien nicht gut waren.

In 2010 wollte ich an meinem Geburtstag zu meiner Familie. Ich habe meine damalige Partnerin gefragt, ob sie mit kommen wollte. Bis kurz vor meinem Geburtstag war es kein Thema mehr. Dann fragte sie mich, ob ich noch hinfahren wollte. Ich sagte Ja. Sie sagte, dann könnte ich die Beziehung vergessen. Meine “Familie” wäre bei ihr und nicht bei meiner Mutter und Schwester. Dies hat mich wieder schockiert, aber ich hatte mich entschlossen, zu meiner Familie zu fahren. Aus außergewöhnlichen Gründen habe ich es wieder nicht geschafft. Danach fuhr ich zu einer Brücke. Ich hatte drei Möglichkeiten. Runterspringen oder zu meiner Familie fahren und die Beziehung beenden, oder wieder zurückfahren. Ich bin zurück gefahren...

Kurze Zeit später erzählte mir meine damalige Partnerin, dass sie wegziehen wollte, um an einem berufsbezogenen Projekt zu arbeiten. Nach dem Erlebnis auf der Brücke hatte ich gedacht, dass ich die zunehmende “Lebensangst” besiegt hätte, doch ich hatte sie nur ein bisschen aus dem Weg geschoben. Es wurde schlimmer; sowohl die Lebenslust als auch die körperliche Kraft hatten mich verlassen. Anstatt Unterstützung von meiner Partnerin zu bekommen, wurde ich kritisiert: Sprachfehler, Aussehen, Hygiene, und dies immer mit den Worten: “Es war nur eine Feststellung...“

Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte.

Im Sommer 2010 passierte dann etwas, was ich bis heute noch nicht verstehen kann. Eines Nachmittags hörte ich eine laute Stimme, erst eine männliche Stimme und dann mehrere Stimmen. Sie waren alle bedrohlich. Ich habe ab diesem Zeitpunkt sofort mit dem Alkohol aufgehört. Die Stimmen waren aber ständig bei mir, in der Arbeit, in der Wohnung, überall. Die haben mich mit allem Erdenklichen bedroht. Ich habe alles in meiner Wohnung geprüft und gecheckt, das Auto auch. Ich fand aber keine Hinweise, dass jemand Fremdes bei mir war. Dies habe ich Bekannten erzählt, doch die konnten wieder nichts tun. Ich hatte das Gefühl, dass etwas richtig Böses hier war, war aber auch hilflos dagegen. Alles wurde so schlimm, dass ich nicht mehr in dieser Wohnung bleiben konnte. Mit Hilfe von Freunden habe ich eine neue Wohnung bekommen. Meine damalige Partnerin hat mit ihrem Projekt begonnen und war noch weniger da als vorher. Ich suchte im Internet. Ich konnte die Stimmen selber nicht  identifizieren. Ich fand aber heraus, dass mindestens noch ein Anderer in Deutschland dasselbe Erlebnis mit dem “Licht Zentrum” hatte und auch  bedrohliche Stimmen hörte.

Im September 2010 kam es zum Knall. Ich wollte zu den Behörden und erzählen, was alles passiert war. Die Stimmen wurden so laut, dass ich einen Zusammenbruch hatte. Ich wachte  in einer Intensiv-Station auf und wusste gar nicht, was los war. Die Stimmen haben mich zwar weiterhin bedroht, doch ich hatte jetzt die Chance, mit der Polizei zu reden. Ich habe denen alles erzählt, habe das Licht Zentrum erwähnt und auch den Namen meiner damaligen Partnerin, die immer noch als Heilerin tätig war. Im Krankenhaus wurden Tests gemacht. Die Testergebnisse waren alle gut. Kein Hinweis auf Alkoholismus, Puls und Blutdruck alles ok.

Am nächsten Tag wurde ich zu meiner eigenen Sicherheit auf eine psychiatrische Station gebracht. Ich redete mit der Ärztin und sie empfahl mir, mindestens ein paar Tage auf der Station zu bleiben. Die Ärztin sagte, dass es klar war, dass ich eine tierische Angst habe und dass ich nicht krank wäre, weder geistig noch körperlich. Ich habe, soweit ich konnte, allen Bescheid gesagt (per SMS). Meiner Familie, meiner Ex-Frau, meinem besten Freund und schließlich meiner damaligen Partnerin. Die fuhr in Urlaub und sagte, dass sie nichts tun konnte. Meine Ex-Frau und mein bester Freund haben aber meiner Familie die Situation geschildert und als nächstes sprach meine Familie mit der Ärztin.

Auf der Station war mir völlig klar, dass ich nicht verrückt war - ich war bei vollem Verstand. Was mit mir passiert war, war nicht normal. Ich habe mich von der Station entlassen (auf meine eigene Verantwortung) und bin zu der neuen Wohnung hingefahren. Die Stimmen waren, als wenn jemand durch ein Mikrofon zu mir sprach, es klang künstlich. Ich habe nicht meine eigene Stimme gehört oder die Stimmen von Leuten, die ich geliebt habe, sondern fremde Stimmen, die auch versucht haben, mich davon zu überzeugen, dass ich verfolgt würde. Laufende Kommentare über Situationen, die nur mit dem Licht Zentrum zu tun hatten. Es war kein Mensch, den ich in meinem normalen Leben kannte...

Ein paar Tage später bin ich zu der Heilerin gefahren, sie war zurück von Ihrem Urlaub. Ich habe ihr erzählt, was passiert war und auch von den Stimmen erzählt. Ich fragte sie, ob ich ihr vertrauen könnte. Als Antwort bekam ich “Die Frage ist, willst du mir vertrauen? Du suchst dir die Leute aus, denen du Vertrauen willst oder nicht”. Sie sagte dann, dass ich krank sei und ich sollte zu einer Psychologin hin. Laut Ihrer Meinung wäre ich körperlich und geistig krank. Ich sollte erst wieder Kontakt zu Ihr aufnehmen, nachdem ich eine Behandlung bei einer Psychologin gemacht hätte.

Danach kam meine Familie zu mir. Wir haben die neue Wohnung fertig gemacht und viel miteinander gesprochen. Die paar Tage haben mir ein bisschen Kraft zurück gegeben. Ich nahm wieder Vitamine (Die Heilerin hat mir bei gebracht, dass für den menschlichen Körper Vitamine NICHT wichtig wären. Die Kraft käme von „ISHTAR“). Ich fing an, wieder regelmäßig zu essen. Der Kontakt mit anderen Menschen kam auch langsam wieder zustande. Dass ich meine Familie endlich wieder gesehen hatte, gab mir Hoffnung zurück. Ich sprach mit Leuten, die einen gesunden Menschenverstand hatten. Ich wurde nicht kritisiert, nicht “runter gebracht”, sondern gleich behandelt - und das von jedem Menschen, den ich Ende 2010 kennengelernt habe.

Ende Oktober 2010 musste ich aus geschäftlichen Gründen zum Standort, an dem sie jetzt arbeitet. Auf der Hinfahrt bekam ich eine SMS. Meine Ex-Partnerin wollte wissen, ob ich ein Auto sabotiert hatte, wo sie und andere Leute drin waren. Dies hätte ich angeblich am Abend vorher gemacht. Ich wüsste gar nicht, dass die Heilerin an dem Abend wieder zurück in Deutschland war und egal, was ich für sie noch gefühlt habe, es war mir bewusst, dass ich diese Frau loswerden sollte, es war mir aber auch bewusst, dass die Situation keine normale Situation war.

Ich kam am Standort an und sah die Heilerin. Wir wollten miteinander reden. Zuerst  war alles ok. Wir haben miteinander gesprochen und Sie sagte, dass sie wüsste, dass ich das Auto nicht sabotiert habe und sie glaube mir, nachdem sie mein Gesicht gesehen habe. Kurz nachher haben wir miteinander nochmals geredet. Hier hat sie mir gesagt, dass die Beziehung zu Ende sei. Dies sagte sie mir, während andere Leute uns sehen konnten. Ich wusste, dass sie jemanden Neues kennengelernt hatte, schon nachdem sie den Hauptstandort der Firma verlassen hatte. Es war aber aktiv Kontakt zwischen uns und auch hier wusste ich nicht, wie ernst der Lage war.

Die Stimmen waren immer noch laut und wollten mich zu ihr hinführen. Ich fuhr wieder nach Hause und war entschlossen, nicht mehr zurück zu kommen. Ich entschied, meinen Resturlaub zu nehmen und den ganzen Monat Dezember bei meiner Familie zu verbringen.

Doch die Stimmen wollten mich stattdessen zum Licht Zentrum nach Süd Deutschland führen. Kurz bevor ich zu meiner Familie fuhr, wurden die Stimmen noch lauter. Ich konnte mich nicht konzentrieren. In der Firma sagten mir die Stimmen, dass jeder mich umbringen wollte. Die Stimmen wollten erreichen, dass ich keinem vertrauen sollte. Ich habe es irgendwie geschafft, durchzuhalten. Anfang Dezember fuhr ich zu meiner Familie. Als ich noch ein paar Stunden von zu Hause entfernt war, passierte plötzlich etwas Unerwartetes. Die Stimmen wurden ein bisschen leiser. Die Philosophie des Licht-Zentrums besagte, dass wir wieder zu unserem “Anfang” hin sollten. (Dieser Anfang ist im Grunde genommen die fiktive Stadt Atlantis, die von der Heilerin als Ursprungs Punkt des Menschen benannt wurde.) Mein “Anfang” war aber meine eigene Mutter, nicht der Name „ISHTAR“. Es wurde mir dann klar, dass der Weg, die Stimmen zu beseitigen, die durch die Situation mit meiner damaligen Partnerin und Ihrer Beziehung zum Licht Zentrum entstanden sind, war, mein Herz zu nutzen. Nicht auf die Stimmen zu hören, sondern zu versuchen, mein Leben wieder in eine normale Richtung zu bringen.

Von Oktober bis November 2010 habe ich in kurzer Zeit über 20kg abgenommen. Zu Hause, im Dezember, habe ich wieder mit Schwimmen angefangen, ich war wieder kräftig genug. Meine Körper hatte sich wieder stabilisiert und ich musste mich jetzt wieder aufbauen. Ich machte Liegestützen usw. und zum ersten Mal nach über zwanzig Jahren habe ich wieder meditiert. Keine Meditation im Sinne des Licht-Zentrums, bei der ich versuchen sollte, in meinem eigenen Körper zu gehen, sondern im Erleben der einfachen Ruhe, die ich in der letzten Zeit nicht hatte finden können.

Auch als ich bei meiner Familie war, gab es noch mal Kontakt zu der Heilerin. Ich fühlte mich irgendwie nicht “ganz” ohne sie. Sie andererseits ließ mich aus irgendeinem Grund nicht los. Wir schickten einander SMS, unterhielten uns über Skype, obwohl sie einen neuen Partner hatte.

Täglich gewann ich mehr an Kraft zurück. Ich fuhr in meinem Auto herum, sah mir die Landschaft an, besuchte Leute, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich ging zu den Friedhöfen und erwies denen, die inzwischen verstorben waren, meinen Respekt. Die Stimmen versuchten mich, von diesen Besuchen zu abzuhalten. Die Einstellung der “Glaubensgemeinschaft” dazu war, dass man nicht zum Friedhof gehen brauche, da die Verstorbenen nicht dort seien, da von ihnen nichts über bleibe. Trotz der Stimmen (die bei diesen Besuchen laut waren) bin ich hingegangen.
Innerhalb von Städten forderten die Stimmen, dass ich nur meinen Geschäften und Einkäufen nachgehen sollte. Ich sollte nicht mit anderen Leuten reden. Ich hätte nein zu „ISHTAR“ gesagt und sollte mich schämen. Ich habe das Gegenteil gemacht, bin zu Leuten hingegangen, fragte nach den Lebensmitteln usw.. In fremden Städten habe ich zugegeben, dass ich fremd war und fragte nach der Richtung. Ich ging auf öffentliche Plätze und war in der Gesellschaft von fremden Menschen. Dies waren alles Sachen, die mir die Stimmen verboten haben, obwohl es doch ganz normale Sachen waren. Ich sollte allein bleiben und die “Kraft des ISHTAR” nutzen, um mir den Weg zu zeigen.

Mein Weg dagegen bestätigte sich: Sei einfach ein normaler Mensch, behandle andere so, wie man selbst behandelt werden will.

6. Was würden Sie aus heutiger Sicht an der Gruppierung kritisieren?

Ich kann viele Sachen nicht nachvollziehen:

Der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Seele. Zum Beispiel sollen die Ureinwohner in Australien und Afrika keine menschliche Seele haben. Ich habe nachgefragt. Die Antwort von der Heilerin war, dass diese Leute eine engere Beziehung zu der Erde hätten, d.h. die haben eine irdische Seele, keine himmlische Seele.
Ich bin damit nicht einverstanden. In Süd Afrika existiert eine Bevölkerung Namens ZULU (iZulu/iliZulu/liTulu bedeutet himmel). Es ist auch grundlegend falsch, die Menschen auf so eine Art und Weise zu kategorisieren. Jeder Mensch ist gleich zu behandeln; Herkunft, Hautfarbe, Religion sollten egal sein. Wir sind alle gleich.

Die Philosophie von der Glaubensgemeinschaft betrachtet Demokratie nicht als eine zulässige Regierungsform. Dies wurde mir in mehr als einem Gespräch bestätigt. Die “vernünftige” Regierungsform ist die Diktatur.
Mit diesen Punkt bin ich auch nicht einverstanden. Einverstanden bin ich mit einem demokratischen Regierungssystem, bei dem die Bevölkerung die Regierung frei wählen kann und wo regelmäßig Wahlen als Teil des Regierungssystems stattfinden können.

Der “Wissens-Pool”.
Es stimmt schon, dass wir ein “Wissens-Pool” haben. Das sind die Bibliotheken und das Internet. Informationen jeglicher Art  sind für jeden Menschen dort verfügbar. Ich finde es schwer nachvollziehbar, dass gesagt wurde, dass jemand das Ganze Wissen von der Vergangenheit durch Meditation oder eine “Nachfrage” holen kann. Noch schwieriger ist die Idee, dass manche Leute das glauben. Was hat das noch mit dem realen Leben zu tun?

Die Aussagen “Es gibt nichts Böses in der Welt” und “Ich bin ein lebendiger Gott”. Diese beiden Aussagen sind für mich mehr als fragwürdig. Die Idee, dass das Böse eine Art Gedankenlosigkeit ist, heißt, das Böse an sich wird nicht richtig wahrgenommen. Wenn es richtig ernst gemeint ist, dann geht diese Aussage in Richtung Blasphemie, genau so wie die “Lebendige Gott” Aussage. Das ist ein sehr ernstes Thema. Eine von den größten Sünden, die ein Mensch machen kann, ist zu glauben, dass man selber ein Gott ist. Dies kann ich aus einfachen Prinzipen nicht akzeptieren.

Die Aussage, dass führende Leute in der Weltpolitik eine vorgegebene Aufgabe von „ISHTAR“ bekommen haben.
Die Heilerin hat mir erzählt, dass im Zentrum des Lichts “Nachrichten” an die „ISHTAR“ Menschen geschickt werden. Die Nachrichten werden in einer Art übertragen, die nicht viele Leute verstehen können. Dies hört sich sehr ähnlich an wie die Geschichte von Nostradamus (15te Jahrhundert). Nostradamus schrieb Vorhersagen über die Weltgeschichte in Form von Vierzeilern. Die Vierzeiler sind auch schwer zu verstehen, so wie die Nachrichten von „ISHTAR“. Bekannt ist aber, dass gewisse Vierzeiler eine unheimliche Ähnlichkeit zu Ereignissen haben, die tatsächlich in der Weltgeschichte passiert sind, und das nach dem Tod von Nostradamus. Das Werk von Nostradamus ist öffentlich zu kaufen in fast jeder Buchhandlung und ist als gefahrlos zu betrachten. Was mir von der Heilerin erzählt wurde, hat eine unheimliche Ähnlichkeit zu den Vierzeilern von Nostradamus.

7. Wie kam es dazu, dass sie sich von der Gruppe getrennt haben?

Ich bin von der Heilerin weg gekommen, indem ich selber den Kontakt abgebrochen habe. Ich habe Zeit für mich gehabt und auch Zeit mit meiner Familie. Ich konnte richtig nachdenken. Die “Theorien” von dieser Glaubensgemeinschaft waren wie ein Alptraum für mich. Ich erkannte auch, dass die Heilerin mich nicht los lassen würde. Sie fing an zu glauben, dass meine “Änderungen” mit „ISHTAR“ zu tun hätten. (Es war das Gegenteil. Selbstdisziplin, Kontakt zu meiner Familie und Freunden und auch die eigene Freiheit von der Philosophie haben die Änderung in mir verursacht.) Sie sagte zu mir, dass sie mit keinem anderen über „ISHTAR“ reden könnte. Da war es endlich Zeit, dass ich weg kommen musste. Ich habe einfach zuviel erlebt und sah, wie meine Familie und Freunde gelitten haben. Die Stimmen waren aber immer noch da und wollten mich immer noch nach Süddeutschland führen.

8. Wie haben Sie die Zeit nach der Trennung empfunden?

An erster Stelle habe ich eine unheimliche Angst gehabt. Die Stimmen wollten mich immer noch zerstören. Ich habe dagegen angekämpft, indem ich Sachen gemacht habe, die vernünftig waren und mich vom Einfluss wegbrachten. Ich habe viel gelesen, mit vielen Leute gesprochen und fand heraus, dass ich doch eine vernünftige Lebenseinstellung habe. Langsam und Schritt um Schritt wurde mein Leben  besser. Die Stimmen gingen nicht weg, wurden aber leise. Ich fing wieder an, in einem Sportstudio zu trainieren. Gewann auch langsam das Vertrauen von Leuten wieder zurück, sowohl in meiner Firma als auch in meinem privaten Leben.

Ich wurde Vorstandsmitglied in einem Sportverein und bin jetzt wieder tätig auf der internationalen Ebene des Sports. Ich nahm auch eine ehrenamtliche Aufgabe an, die mich in Kontakt mit vielen Leuten bringt. Ich habe durch deren Hilfe und die Hilfe von meiner Familie und Freunden mein Selbstvertrauen zurück gewonnen.

Etwas fehlte, etwas was ich 2010 im Internet gelesen hatte. Eine Frau hatte Kontakt zum Licht Zentrum und bekam auch die Stimmen. Ich musste zu den Behörden gehen und darüber informieren. Dies habe ich gemacht.

Ich befinde mich jetzt in einer Phase, in der die Welt wieder “normal” wird. Die Leute, die ich kenne sind alle ganz normale Leute. Die reden miteinander, lachen miteinander und behandeln einander respektvoll.

9. Welche Form der Unterstützung hätten Sie sich in dieser Lebensphase gewünscht?

Der Kontakt zu den “richtigen” Leuten hat mir gefehlt. Ich wusste nicht, dass andere Leute auch so was durch den Kontakt zu solchen Gemeinschaften erlebt haben. Ein Ansprechpartner in der Phase, als ich gemerkt habe, dass diese Gemeinschaft nicht so war, wie sie gesagt haben, hätte mir sehr geholfen.

10. Wie bewerten Sie diese Zeit Ihres Lebens in Nachhinein?

Die Zeit, in der ich Kontakt zu der Heilerin hatte, war am Anfang sehr schön. Ich habe wirklich gedacht, dass alles in Ordnung war. Im Nachhinein sehe ich jetzt aber diese Zeit als die schlimmste an, die ich erlebt habe. Es war ein Alptraum. Man kann jedenfalls versuchen, dass beste aus sich raus zu holen, aber nicht auf eine Art und Weise bei der andere Leute leiden müssen.

Eine Sache, die ich durch meine Erlebnisse wieder erkannt habe, ist, dass wir alle eins nicht vergessen dürfen. Es steht im ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

 
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